Abi-Pannen: Geklaut, vertauscht, verplant

Alle Jahre wieder passieren im Abitur Fehler, die es sogar auf die Titelseiten großer Tageszeitungen schaffen. Seltener liest man über die Abi-Pannen, die bereits im Vorfeld der Prüfung passieren. Wir haben uns auf die Suche begeben und für euch die besten Vor-Abitur-Pannen gesammelt.

Abitur

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Noch nie gehört!

Mathe

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Stellt euch vor, ihr sitzt in der Abi-Prüfung, lest die Fragestellung und habt keine Ahnung, worum es geht. Ein Albtraum? Das erlebten Schülerinnen und Schüler in Brandenburg 2017, als sie ihre Matheprüfungen öffneten. Kurvenscharen mit natürlichem Logarithmus? Davon hatten sie im Matheunterricht nichts gehört. Klar, dass es nach dieser Abi-Panne zu vielen Beschwerden kam.
Tatsächlich steht die natürliche Logarithmusfunktion seit 2014 im brandenburgischen Lehrplan. Manche Lehrkräfte hatten sie trotz Lehrplanvorgabe nicht im Matheunterricht behandelt. Am Ende räumten 23 Schulen dieses Versäumnis und eine mangelhafte Abiturvorbereitung ein. Das Kultusministerium erlaubte den betroffenen Schülerinnen und Schülern, die Matheprüfung nochmals abzulegen.
Ähnlich lief es 2019 im Fach Gemeinschaftskunde, diesmal in Baden-Württemberg. Diesmal ging es um ein Kategorienmodell, das den Prüflingen vereinzelt unbekannt war. Manche Lehrerinnen und Lehrer hatten sich über den Lehrplan hinweggesetzt und das entsprechende Modell nicht im Unterricht behandelt. Die betroffenen Abiturientinnen und Abiturienten durften die Prüfung wiederholen.

Hilfslinien ohne Hilfe

Abi-Panne

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An einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen rechneten 2017 die Mathelehrer*innen wie überall die Aufgaben vor der Prüfung durch. Ein fleißiger Lehrer zeichnete hierbei zwei Hilfslinien auf seine Angabe. Gerade die bearbeitete Angabe diente versehentlich als Kopiervorlage für die Abiturprüfung. Obwohl die Linien keine Hilfe gewesen seien, mussten die Schüler*innen des betroffenen Kurses dank dieser Abi-Panne die Matheprüfung wiederholen. Nach Aussagen mancher Schüler*innen sei es beim zweiten Mal ein bisschen schwieriger gewesen.

Zahlenfehler – Abi-Panne in Deutsch

Abi-Pannen

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Eine zahlenbedingte Abi-Panne, erstaunlicherweise in Deutsch, ergab sich 2017 in Baden-Württemberg. Hier sollten die Prüflinge eine Kurzgeschichte von Christoph Meckel bearbeiten. Auf der Angabe war bedauerlicherweise das falsche Erscheinungsjahr abgedruckt und viele Schüler*innen ordneten die Geschichte fälschlich als „Nachkriegsliteratur“ ein. Zwar war die fehlerhafte Angabe im Kultusministerium noch aufgefallen, die entsprechende Mitteilung erreichte manche Schulen nicht mehr. Nach dieser Panne durften die Schüler*innen entscheiden, ob sie die Prüfung wiederholen wollen.

Panzerknacker am Werk

Einbruch

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Kriminelles geschah 2018 an einer niedersächsischen Schule. Einbrecher knackten den Tresor eines Gymnasiums und erbeuteten diverse Wertgegenstände. Die Einbrecher stahlen zwar die Prüfungsaufgaben nicht, sie öffneten jedoch die versiegelten Umschläge mit den Angaben. Sicherheitshalber ließ das Kultusministerium alle Abiturprüfungen austauschen.
Ähnliches trug sich 2017 an einer Schule in Baden-Württemberg zu. Hier waren manche Prüflinge scheinbar verzweifelt genug, den Schultresor aufzubrechen und die Abiturprüfungen für Mathe und Englisch zu öffnen. Dieser Vorfall entwickelte sich zu einem bundesweiten Problem. Seit einigen Jahren kommen die Abiturprüfungen zum Teil aus einem gemeinsamen Pool und ermöglichen auf diese Weise eine Art Zentralabitur. Aus diesem Grund mussten am Ende alle betroffenen Bundesländer die Prüfungen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion austauschen. Das zog eine weitere Abi-Panne nach sich.

…und auch das noch

Ironischerweise verlor ein Gymnasium in Baden-Württemberg in der Aufregung die Übersicht. Obwohl die neuen Aufgaben laut Ministerium eindeutig farblich gekennzeichnet waren, legte man dort den Schülerinnen und Schülern die alten Angaben vor. Aus schulrechtlichen Gründen bot das Kultusministerium den betroffenen Prüflingen an, die Englischprüfung zu wiederholen. Die Abiturientinnen und Abiturienten hatten durch die Panne keinen Nachteil.

„Abitur Englisch, was lernen?!“ – Tipps für die Abiturprüfung

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Simon

Als Lehrer an einem Gymnasium in Bayern hatte ich schon die Möglichkeit als Autor an einigen Trainingsbüchern des STARK-Verlags mitzuarbeiten und etwas Verlagsluft zu schnuppern. Nun schreibe ich für schultrainer.de und möchte den Leserinnen und Lesern einige Einblicke in den Schulalltag und die Bildungslandschaft geben sowie über andere relevante und interessante Themen berichten.

2 Kommentare

  • AvatarSilke

    Hallo aus Niedersachsen,

    zum Thema „Mathematik Prüfung 2019 zu schwer“:
    Die letzten Wochen waren ja die Beschwerden über zu schweren Mathe Abiprüfungen zahlreich in den Medien zu finden. Mein Sohn hat an einer OBS in Niedersachsen/ 10 Klasse/ Realschulzweig gerade seine Abschlussprüfung hinter sich. Sein kompletter Jahrgang fand auch hier die schriftliche Mathematik Prüfung als zu schwer und es gab diverse 5er. Eine befreundete Lehrerin, die an einer KGS im Nachbarort unterricht, berichtete auch, dass die Mathe Prüfung insgesamt im Vergleich zu den Vorjahren sehr schlecht ausgefallen sei. Das würde sich mit der Abitur Prüfung decken.

    Vielleicht lohnt es sich, da insgesamt einmal nachzuhaken oder hier als Thema aufzunehmen?
    Gruß
    S.F.

  • SimonSimon

    Hallo Silke,

    vielen Dank für deinen Kommentar und den Denkanstoß. Wir haben uns auch schon mit diesem Thema beschäftigt und wissen daher, wie schwierig es ist, sich darüber ein objektives Urteil zu bilden. Die einzelnen Prüfungen werden von vielen verschiedenen Fachleuten erstellt, bearbeitet und ausgewählt. Es unterscheidet sich nach Fach, Schulart und Bundesland, welche Aufgaben schließlich gestellt werden und wie die Arbeiten korrigiert werden. Daher kann man hinter der Tendenz zu höheren Anforderungen keine Absicht vermuten. Eine Garantie auf hundertprozentige Vergleichbarkeit und Fairness kann ehrlicherweise auch niemand geben. Nur wenn die Aufgaben oder die Vorbereitung klare fachliche Fehler oder nachweisbare Versäumnisse aufweisen, ist eine offizielle Beschwerde aussichtsreich, wie die Beispiele im obigen Beitrag zeigen.
    Im subjektiven Empfinden ist aber klar, dass viele Schülerinnen und Schüler sowie Eltern sehr frustriert sind. Nach all dem Lernaufwand und den Anstrengungen für die Abschlussprüfungen empfindet man eine besonders schwere Prüfung selbstverständlich als ungerecht. Wir verstehen das gut und hoffen, dass ihr am Ende doch mit dem Ergebnis zufrieden sein könnt.

    Viele Grüße

    Simon

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