Spezialeffekte und Präsentation – Filmtechnik (4/4)

Um die Filmillusion zu verstärken gibt es verschiedene Techniken, wie man das Bild manipulieren kann. Frühe optische Tricks wie Split-Screen, Stop-Motion oder den Bullet-Time-Effekt haben wir euch bereits vorgestellt. Wie, womit und warum Spezialeffekte eingesetzt werden und welche Bildformate es gab und gibt, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Filmtrick

Spezialeffekte

Spezialeffekte (SFX) werden vor der Kamera erzeugt. Dabei ersetzt man oft Ereignisse durch ähnlich wirkendes oder stellt diese künstlich nach.

Ein bekannter Trick ist es, Studiokulissen zu malen (Matte Painting). Außerdem baut man teilweise ganze Kulissen als Miniatur nach (Modelltrick). Dafür zuständig sind die Szenenbildner. Die weitere Dekoration der Filmsets übernimmt die Requisite.

Filmtechnik Spezialeffekte

Filmset von Herr der Ringe

Durch einen Kombinationstrick mit Spiegeln kann man so Schauspieler*innen „vor“ der Miniaturkulisse filmen. Eine fortgeschrittenere Methode, um Darsteller*innen vor separat gefilmten Hintergründen zu zeigen, ist die Rückprojektion. Das war nötig, da es früher noch keine passenden Mikrofone für Außenaufnahmen gab und die Produktion fast ausschließlich in Studios stattfand. Heutzutage dreht man dazu vor einfarbigen Hintergründen (Bluescreen/Greenscreen), die man in der Nachbearbeitung ersetzt.

Zu Spezialeffekten zählen unter anderem Wettereffekte, Pyrotechnik, Nachstellung von Verletzungen (Filmblut), zerbrechendes Filmglas oder Waffentechnik.

Filmtechnik Spezialeffekte

Künstlich erzeugte Verletzung

Auch Stunts zählt man zu den Spezialeffekten. Bei Stunts werden gefährliche Szenen wie Stürze oder Kämpfe von professionellen Doubles (Stuntmen) ausgeführt, statt von den regulären Darstellerinnen und Darstellern.

Kostüm und Maske gehören ebenso zu den Spezialeffekten. Hierbei geht es um die Kleidung und das Make-Up der Darsteller*innen. Beeindruckend und aufwendig sind hier oft historische Monumentalfilme, an denen viele Masken- und Kostümbildner*innen arbeiten. In Stummfilmen war es wichtig, dass Gesichter möglichst expressiv waren. Deswegen setzte man sehr prägnantes Theater-Make-Up oder sogar Bodypainting ein.

Visuelle Effekte

Visuelle Effekte (VFX) werden erst in der Nachbearbeitung erzeugt. Heutzutage ist es dank Computertechnik und CGI möglich, fast alle SFX dadurch zu ersetzen. Auch gefährliche Stunts sind so nicht mehr nötig. Man kann z.B. Lichtquellen, Schatten, Hintergründe, Objekte und Animationen digital ins Bild einfügen. Auch das Retuschieren von Ungewolltem ist möglich. Alle visuellen Effekte kommen schlussendlich im Compositing zusammen.

Allerdings werden schlechte VFX vom Publikum leicht als solche erkannt, was das Endprodukt stark abwerten kann (Stichwort: „B-“ oder „C-Movie“).

Das Bild

Seitenverhältnis

Das sogenannte aspect ratio betitelt Weite und Höhe des Bildformates. Angegeben wird das Verhältnis mit „Breite:Höhe„, wobei bei Kinoformaten die Höhe immer mit „1“ angegeben wird.

Während die allerersten Filme sehr unterschiedliche Formate hatten, setzte sich als erster Standard 4:3 (1,33:1) durch. Nach der Einführung des Tonfilms wurde dieses leicht modifiziert auf 1,37:1, um Ton auf dem Film unterzubringen. Dieses Format war bis in die 50er Jahre Standard und ist unter dem Namen academy ratio bekannt. Sieht man diese Filme auf einem modernen Fernseher, sind schwarze Seitenränder (letterboxes) sichtbar.

Es werde breit

Ab den 50ern wurden Breitbildformate etabliert. Zwar gab es schon 1927 exklusiv im Monumentalfilm Napoleon ein extremes Breitbild mit Polyvision (4:1), aber dort waren die Trennlinien zwischen den drei nebeneinander gelegten Standardbildern sichtbar. Cinerama (2,59:1) funktionierte ab 1952 schon deutlich besser und wurde bereits auf eine gewölbte Leinwand projiziert. Erstmals mit nur einer Kamera erreichte CinemaScope (2,35:1) ein echtes Breitbild, das mit einer speziellen Linse, den kompletten 35 mm breiten Standard-Filmstreifen ausnutzt. Es folgten weitere Breitbildformate wie VistaVision (je nach Projektor 1,66:1, 1,85:1, 2:1) und Techniscope (2,32:1).

Heutzutage haben sich 1,85:1 und 2,39:1 als Standard eingebürgert. Die Breitbildformate funktionierten lange Zeit sehr schlecht auf Fernsehgeräten. Erst mit der Etablierung des 16:9 (1,77:1) Standards ab den 1990ern, ist Breitbild auch zuhause möglich.

65/70 Millimeter

Der Boom der Breitbildformate führte dazu, dass Formate wie Super Panavision 70 (2,21:1) oder Ultra Panavision 70 (2,76:1) erstmals 70-mm-Film nutzten, was in Monumentalfilmen wie Ben Hur oder Lawrence von Arabien zum Tragen kam. Eine besonders gute Bildqualität kann IMAX (1,36:1) erzielen. Seit der Einführung des digitalen Films verwendet man solche Formate nur noch selten, da die meisten Kinos nicht über die nötigen Projektoren verfügen. Filme wie Dunkirk und The Hateful Eight sind absolute Ausnahmen in der heutigen Kinolandschaft.

Filmtechnik Spezialeffekte

70mm Breitbildfilm

Manchmal wechselt innerhalb eines Filmes das Format. Die Technik dazu heißt Blow-up.

Eine Übersicht über die wichtigsten Filmformate findet ihr hier. Ebenso ist seit Einführung der digitalen Kameras die Auflösung (in Pixeln) wichtig. Moderne Ultra HD-Formate wie 2K und 4K etablieren sich langsam in den Kinos.

Bildrate

Mit der sog. Framerate (Bildwechselfrequenz) gibt man an, wie viele Einzelbilder pro Sekunde (Frames per Second/fps) abgespielt werden. Je mehr es sind, desto flüssiger erscheint die Bewegung.

Frühe Stummfilme liefen mit sehr geringen Bildraten von 14-17 fps. Später kamen höhere Bildraten wie 22 fps in Mode. Ab der Einführung des Tonfilms Ende der 20er Jahre einigte man sich auf den Standard von 24 fps. Moderne Projektoren zeigen 72 Bilder pro Sekunde, wobei ein Bild dreimal hintereinander gezeigt wird. Während Animationsfilme oft niedrigere Bildraten nutzen, experimentiert man seit kurzem auch mit HFR (High Frame Rate) 48 fps bzw. 60 fps.

Im Fernsehen gibt es zwei unterschiedliche Standards: NTSC (30/60, 24/48 fps) und PAL (25/50 fps), die dazu führten, dass Filme auf dem in Europa üblichem PAL-Format etwas schneller abgespielt wurden als normal. Mit modernen Wiedergabegeräten ist das allerdings kein Problem mehr.

Nimmt man eine Bildsequenz mit einer niedrigen Bildrate auf, spielt diese aber normal schnell ab, spricht man von Zeitraffer. Es entsteht der Eindruck die Zeit würde sehr schnell vergehen. Filmt man stattdessen mit einer sehr hohen Bildrate und spielt diese normal ab, entsteht der gegenteilige Effekt. Bei der Zeitlupe scheint es so, als verginge die Zeit sehr langsam. Beides kann als Stilmittel in Filmen verwendet werden.

3D-Kino

Ein Spezialfall ist der 3D-Film. Hierbei entsteht beim Zuschauer der Effekt eines dreidimensionalen Bildes durch die Aufnahme mit zwei Kameras aus zwei leicht unterschiedlichen Perspektiven. Durch eine spezielle Brille gelangen so unterschiedliche Bilder an die Augen.

Filmtechnik Spezialeffekte

Moderne 3D Brille

Die Idee dahinter ist schon sehr alt. Bereits 1890 wurde ein erstes Patent dafür beantragt. Seither haben sich verschiedene Methoden entwickelt und ab den 50er Jahren gab es erste erfolgreiche Filme in 3D. Ein echter Boom entstand durch digitales 3D und Filme wie Avatar – Aufbruch nach Pandora ab Ende der 2000er.

Mittlerweile ist es möglich, Filme zu konvertieren, die nicht in 3D produziert wurden. Das ist allerdings umstritten, da man nicht die gleiche Qualität erreicht wie bei „echtem“ 3D.

Die Kombination all dieser technischen Innovationen gipfelt in Filmen wie Die irre Heldentour des Billy Lynn, der 2016 der erste Film war, der in Ultra HD (4K), HFR (120 fps) und 3D gezeigt wurde – allerdings nur in sechs (!) Kinos weltweit.


Kino rund um die Welt – Filmgeschichte (5/5)

Martin

Ich bin Werkstudent beim STARK Verlag. Neues lernen kann unglaublich spannend sein. Ich blogge auf schultrainer.de, um eure Neugier auf Trab zu halten.

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