Schnitt und Ton – Filmtechnik (3/4)

Schnitt

Filmschnitt wird seit Ende des 19. Jahrhunderts verwendet. Filmpionier Georges Méliès nutzte für seine Filme bereits das Stopptrick-Verfahren (=Kameraschnitt). Dabei hält man die Kamera an und verändert – bevor sie weiter läuft – etwas im Bild. Diese Art des Schnittes nennt man Kameraschnitt, da ein nachträgliches Bearbeiten des Filmmaterials nicht notwendig ist. Ab dem frühen 20. Jahrhundert fügten Filmschaffende mehrere Einstellungen mechanisch zusammen, um eine fortlaufende Handlung zu erzählen.

Vor der Einführung digitaler Schnittsoftware wurde Film im wahrsten Sinne des Wortes manuell „geschnitten“. Das Kameranegativ wurde zunächst entwickelt und das Positiv aus Zelluloid beschnitten und wieder zusammengeklebt. So entstand im Filmschnitt eine Schnittkopie.

Mittlerweile sind dank Computertechnik weitaus vielfältigere Techniken beim Filmschnitt möglich. Der Schneidevorgang selbst ist ein kreativer Prozess, der die Wirkung des Films maßgeblich beeinflusst.

Filmrolle

Filmschnitt – Techniken

Nachfolgend sind die wichtigsten Techniken beim Filmschnitt aufgeführt:

Blende

Einfaches Ein- und Ausblenden von Einstellungen. Das Wort bezeichnet eigentlich die Kamerablende, die darüber bestimmt, wie viel Licht durch das Objektiv fällt.

Überblende

Das alte Bild blendet langsam aus und das neue Bild ein. Es entsteht ein fließender Übergang.

Wischblende

Das alte Bild wird kontinuierlich überblendet (zum Beispiel von links nach rechts). Ähnlich dazu ist die Trickblende, bei der komplexere Bildübergänge erzeugt werden. Derartige Schnitte verwenden Filmschaffende nur noch selten und meist als Hommage an frühere Filme.

Fade-in, fade-out

Das bedeutet Ein- oder Ausblenden hin zu einem (meist schwarzen) Hintergrund. Diese Technik verwendet man, um eine klare Abgrenzung anzudeuten. Man kann sie analog zum Theatervorhang sehen.

Akustische Klammer

Der Ton unterstützt den Film. So kann man Leute z.B. hören, bevor man sie in ihrer Einstellung sieht, oder der Ton aus der vorherigen Szene läuft trotz Bildschnitt weiter.

Shot-Reverse-Shot

Dabei zeigt man Aktion (Shot) und Reaktion (Reverse-Shot) abwechselnd. Diese Technik ist bei Dialogszenen gebräuchlich. Wie die Coen-Brüder einen solchen Filmschnitt einsetzen, seht ihr hier.

Match Cut

Beim Match Cut verbindet die Regie (oder der Cutter später) zwei räumlich oder zeitlich getrennte Szenen filmisch miteinander. Zum Beispiel wird die Bewegung aus der alten Szene in der neuen Szene von einem anderen Objekt fortgesetzt. Dieser Filmschnitt erzeugt einen Überraschungseffekt. Am bekanntesten ist der Gebrauch dieser Technik bei 2001: Odysee im Weltraum. Hier wird von einem Menschenaffen, der einen Knochen in die Luft wirft, auf einen Satelliten geschnitten, der den Flug des Knochens scheinbar fortsetzt.

Jump Cut

Jean-Luc Godard erfand diesen Filmschnitt, um seinen Film Außer Atem zu verkürzen. Hierbei werden Schnittkonventionen ignoriert, was zu Irritation beim Publikum führen kann. So ist danach z.B. Links und Rechts vertauscht (Achsensprung) oder Personen stehen plötzlich anders im Raum.

Parallelmontage

Hier schneidet man wiederholt zwischen zwei Handlungssträngen hin und her.

Plansequenz

Eine lange Einstellung, die die Regie komplett ohne Filmschnitt dreht. Diese Technik ist meist sehr aufwändig, da bei Fehlern die komplette Szene wiederholt werden muss.

Split Screen

Das Bild wird aufgeteilt und mehrere Szenen gleichzeitig gezeigt.

Cut-In/Cut-Out

Beim Cut-In wird von einer Haupteinstellung auf eine nähere oder weiter entfernte Einstellung geschnitten. Beim Cut-Out verhält es sich genau anders herum. Die Kamera bewegt sich dabei nicht.

Unsichtbarer Schnitt

Filmschnitte setzt man in Hollywood meist so ein, dass sie kaum auffallen. Eine Sonderform lässt Filme so wirken, als ob es gar keine Schnitte gibt. (z.B. bei Birdman)

Musik und Tongestaltung

Nicht erst sei Ende der 20er Jahre (Erfindung des Tonfilms) ist Film ein audio-visuelles Medium. Bereits 1908 wurde für Die Ermordung des Herzogs von Guise Musik geschrieben. Livemusik oder separater Ton auf Schallplatte (Nadelton) wurden jedoch bald von Licht- und Magnetton, direkt auf dem Filmstreifen abgelöst. Genau wie beim Farbfilm sah man den Tonfilm zunächst kritisch und es dauerte, bis er sich durchsetzte. Heutzutage unterstützen moderne Tonsysteme mehrere Kanäle und bieten noch bessere Klangqualität.

Sprache

Neben Darstellern mit Sprechrollen gibt es auch die Möglichkeit Voiceover einzusetzen. Dabei legt man eine Tonspur über den regulären Film. Dies verwendet man z.B. zur Verdeutlichung der Handlung oder Darstellung von Gedanken. Dieses Element kann nachträglich in den Film eingefügt werden.

Synchro

Um Filme in anderen Sprachen zu verbreiten ist Synchronisation möglich. Dabei ersetzt man den Originaltext vollständig durch einen, in der jeweiligen Landessprache eingesprochenen Text, der lippensynchron auf das Bild passt. Diesen übernimmt ein*e Übersetzer*in meist aus dem Original – manchmal auch lokalisiert. Das bedeutet, dass man gewisse Dialoge oder Szenen entfernt oder austauscht, weil sie als unangebracht für das Publikum des jeweiligen Landes erscheinen. Lokalisierung kann sogar so weit gehen, dass die Handlung des Films verändert wird, was häufig die Kritik der Zensur nach sich zieht. Synchronisation ist wesentlich aufwändiger als eine Übersetzung via Untertitel oder nicht-lippensynchronem Voiceover und wird deswegen nicht in allen Sprachen angeboten. Auch Szenen, bei denen ungewollte Hintergrundgeräusche zu hören sind, kann man nachträglich synchronisieren.

Effekte

Soundeffekte (SFX) setzt man überwiegend zur Erzeugung von Realismus oder zur Akzentuierung ein. Dazu werden ähnliche Töne von Geräuschemachern erzeugt und aufgenommen. Dieses Verfahren nutzt die Produktion, um Geräusche die im Original nicht oder nur schlecht aufzunehmen sind, zu imitieren. Einer der bekanntesten Soundeffekte der Filmgeschichte ist Godzillas Schrei. Der Filmkomponist Akira Ifukube erzeugte ihn, indem er mit einem harzüberzogenem Handschuh über eine Saite eines Kontrabasses strich und das Geräusch anschließend verlangsamte. Schon früh kamen auch technische Innovationen wie Synthesizer zum Einsatz. In Alfred Hitchcocks Die Vögel stellte der Kultregisseur damit Vogelgekreische nach, das bedrohlicher wirken sollte als das der normalen Vögel. Auch digitale Soundeffekte sind mittlerweile möglich. Ein Running Gag im Sounddesign ist der Wilhelmsschrei, der mittlerweile in unzähligen Filmen eingesetzt wurde.

Musik

Die Filmmusik schreibt entweder ein Filmkomponist bzw. eine -komponistin speziell für den Film (Score) oder die Produktion lizenziert bereits existierende Musikstücke. Die Aufgabe der Filmmusik ist es, Atmosphäre und Handlung des Films und die Gefühle der Protagonisten zu unterstreichen. Musik kann auch eine Verbindung zwischen zwei Szenen ausdrücken.

Erstellt wird sie nach einer ersten Fassung. In diesem Rohschnitt verwendet man meist Platzhaltermusik. Ein Orchester spielt die Musik synchron dazu ein. Es besteht die Möglichkeit, die Komponisten schon früher in die Produktion einzubeziehen. Ab den 60ern setzten Filmproduktionen vermehrt aktuelle Rock- und Popmusik ein. Der Komponist John Williams (Der weiße Hai, Star Wars) machte Filmorchester ab Ende der 70er wieder modern.

Orchester

Kompositionstechniken

Die Leitmotiv-Technik kommt ursprünglich aus der Oper. Der erste Einsatz in der Filmgeschichte wird Fritz Lang zugeschrieben. Diese Technik ordnet gewissen Figuren und Handlungssträngen musikalische Motive zu, die im Laufe des Films wiederholt auftreten, was einen Wiedererkennungseffekt erzeugt. So kann sich ein Charaktermotiv – parallel zur Charakterentwicklung – musikalisch weiterentwickeln. Auf diese Weise werden auch zukünftige Ereignisse angedeutet, ohne dass sie visualisiert werden. Wie Komponist Howard Shore mit einem Leitmotiv in Herr der Ringe spielt, könnt ihr hier sehen.

Heutzutage verwenden Filme meist die Mood-Technik. Atmosphäre oder Gefühle werden passend musikalisch unterlegt, unabhängig von den Ereignissen im Bild. Einzelne Instrumente erzeugen dabei eine gewisse Wirkung.

Das Underscoring unterstützt das Geschehen hingegen wortwörtlich und überspitzt. Das erzeugt einen lustigen Effekt, weswegen die Technik eher bei Komödien verwendet wird.

Abmischung

Tonmischung ist das letze Glied der Produktionskette. Hier werden Ton, Musik und SFX in den richtigen Längen und Lautstärken zusammengesetzt. Oft fallen dabei über 100 Tonspuren an, die gemischt werden müssen. Geräusche, die weit von der Kamera entfernt sind, sollten z.B. leiser sein als Geräusche, die in unmittelbarer Nähe erzeugt werden.

Tonstudio Schnitt

Tonstudio mit Mischpult

Seit Einführung des Tonfilms hat Stille eine besondere Bedeutung und kann bewusst eingesetzt werden. Während es in modernen Blockbustern kaum einen lautlosen Moment gibt, verzichten Filmschaffende von anspruchsvolleren Filmen gerne zugunsten von Umgebungsgeräuschen auf Musik und SFX. Wie Regisseur Martin Scorsese Stille verwendet, könnt ihr hier sehen.

Hier geht’s zu Teil 4 der Reihe.

Bilder: Gemeinfrei

Licht, Kamera, Action – Filmtechnik (1/4)

Martin

Ich bin Werkstudent beim STARK Verlag. Neues lernen kann unglaublich spannend sein. Ich blogge auf schultrainer.de, um eure Neugier auf Trab zu halten.

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