Schauspiel und Regie – Filmtechnik (2/4)

In diesem Teil unseres Ausflugs in die Filmtechnik geht es um das Schauspiel und die Regie, also um Elemente, die von Personen eingenommen werden.

Schauspiel

Die Kunst des Schauspiels ist schon viel älter als die Filmgeschichte. Der größte Unterschied von Film- zu Bühnenschauspiel ist, dass die Arbeit nicht am Stück absolviert wird, sondern in einzelne “Takes” zerfällt, die erst im Schnitt zusammengeführt werden.

Schauspieler nicht gleich Schauspieler

Neben Haupt- und Nebendarstellern, die die Handlung mit Sprechrollen tragen, gibt es noch weitere Arten von Schauspielern bzw. Schauspielerinnen. Statisten sind oft nur kurz zu sehen und tragen nicht zur Handlung bei. Komparsen haben zwar etwas mehr zu tun, sind aber auch nicht viel mehr als lebendige Requisiten. Kleindarsteller*innen erfüllen Minimalrollen mit wenig Text.

Doubles erfüllen die Funktion von Doppelgängern der Hauptdarsteller*innen. Da sie oft billiger sind, werden sie in Szenen verwendet, in denen die Hauptdarsteller*innen nicht genau zu sehen ist. Sie sollten dem eigentlichen Schauspieler oder der Schauspielerin möglichst ähnlich sehen. Doubles werden auch in Szenen eingesetzt, die ein*e Schauspieler*in nicht spielen will oder kann.

Ferner zählen auch Darsteller*innen dazu, die nur zu hören sind. So genannte Voice-Over-Sprecher und -Sprecherinnen und die Synchronsprecher*innen werden im Kapitel Tongestaltung näher erklärt.

Bekannte Schauspieler

Bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler

Was macht Schauspieler aus?

Viele Schauspielerinnen und Schauspieler sind aufgrund ihres Aussehens oder ihres Spielstils auf einen bestimmten Charakterarchetyp spezialisiert. John Wayne wurde z.B. durch seine Rollen als Westernheld bekannt.

Die richtigen Schauspieler*innen für eine bestimmte Rolle wählt man meist durch ein Casting mit Vorsprechen aus. Alle Schauspieler*innen zusammen bilden die Besetzung (Cast). Die Hauptaufgabe des Cast ist es, die filmische Illusion aufrecht zu erhalten. Ein guter Schauspieler bzw. eine gute Schauspielerin verschmilzt vor der Kamera mit der jeweiligen Rolle und bringt Gefühle durch Körpersprache und Text glaubhaft herüber. Dazu bereiten sich Profis auf schwierige Rollen oft lange Zeit vor. Ein häufig genanntes Qualitätsmerkmal ist die schauspielerische Wandelbarkeit.

Da der Cast der einzige, nach außen hin sichtbare Teil einer Filmproduktion ist, werden herausragende Darsteller*innen häufig zu Stars. Große Filmproduktionen benutzen diese meist als Hauptrollen, da sie das Publikum ins Kino locken sollen. Wortwörtliche Sterne mit Namen von bekannten Schauspielerinnen und Schauspielern und weiteren Persönlichkeiten aus der Welt der Medien sind in Los Angeles im Walk of Fame eingelassen.

Der kreative Prozess (Regie)

Die kreative Leitung über einen Film hat die Regie. Ein Regisseur bzw. eine Regisseurin ist Haupturheber eines Filmes. Er*Sie leitet den Cast und den Filmstab (das Produktionsteam) an und ist in allen Produktionsphasen federführend. Die Filmproduzenten wählen ihn aus und übernehmen die wirtschaftliche und organisatorische Leitung der Produktion.

Drehbuch und Storyboard

Die gesprochenen Texte werden in der Vorproduktion im Drehbuch festgehalten. Drehbuchautorinnen und -autoren sowie deren Berater*innen sind verantwortlich dafür. Man unterscheidet zwischen Original-Drehbüchern und adaptierten Drehbüchern. Letztere basieren auf einer Vorlage. Wie detailliert ein Drehbuch ist, hängt stark vom Stil des Schreibers oder der Schreiberin ab. Steht ein Text nicht im Drehbuch, sondern ist spontan beim Dreh entstanden nennt man ihn improvisiert. Autorenfilmerinnen und -filmer übernehmen Drehbuch und Regie.

Aus dem Drehbuch entwickelt die Regie das Storyboard, in dem Ablauf und Aussehen der einzelnen Szenen festgehalten wird. Hierbei muss die Bildkomposition (Anordnung der Objekte und Darsteller im Raum) bereits grundlegend feststehen.

Drehbuch

Ein gutes Drehbuch ist der Schlüssel zu einem guten Film

Erzähltechniken

Zu Beginn einer Szene gibt es meist eine Eröffnungseinstellung, die den Kontext verdeutlicht. Viele Filme halten sich an dramaturgische Erzählmuster, wie Spannungsbögen und die Heldenreise, die ein bewährtes Grundgerüst vorgeben. Aufwendigere Geschichten sind in Haupt- und Nebenhandlungen unterteilt.

Die Handlung des Films muss nicht zeitlich linear verlaufen. Während Rück- und Vorausblenden gängige Stilmittel sind, ist es auch möglich die Handlung in einer vollständig nicht-linearen Weise zu Erzählen. Bei Pulp Fiction von Quentin Tarantino schließt beispielsweise die Schlussszene chronologisch direkt an den Anfang an. Weiterhin können zukünftige Ereignisse bereits früh im Film angedeutet werden (Foreshadowing). Ein Spezialfall hiervon ist der sog. Cliffhanger, der eine zukünftige Fortsetzung andeutet.

Normalerweise wird, um die filmische Illusion aufrecht zu erhalten, das Publikum nie direkt angesprochen wird. Jedoch kann man dies gezielt einsetzen, um die sprichwörtliche vierte Wand zu durchbrechen und damit einen Überraschungseffekt zu erzielen.

Inszenierung

In der Inszenierung kommen alle Elemente des Films zusammen. Dazu zählt Art und Weise wie Darsteller*innen agieren und sprechen, das Aussehen der Hintergründe, die Verwendung von Requisiten sowie der Einsatz von Licht, Ton und Farbe zur Erschaffung eines Gesamtkunstwerkes.

Bildkomposition

Bildkomposition ist die Zusammensetzung einer Einstellung. Dabei müssen Kontrast, Symmetrie, Proportionen, Farben, Formen und Position im Raum beachtet werden, um die Handlung zu unterstützen und die Aufmerksamkeit des Publikums zu lenken. Filme von Stanley Kubrick sind z.B. so zusammengesetzt, dass jede Einstellung wie ein Gemälde aufgebaut ist. Wie Akira Kurosawa einfache geometrische Figuren zur effektiven Bildgestaltung benutzte, könnt ihr hier sehen.

Choreografie

Im Gegensatz zu einem Gemälde ist im Film die Veränderbarkeit einer Einstellung gegeben. Meist bestimmt die Regie, wie sich die Darsteller*innen im Raum bewegen. Das sog. Blocking kann u.A. die Beziehung zwischen zwei Charakteren und deren Veränderung innerhalb einer Szene darstellen. Wie Alfred Hitchcock eine Szene choreografiert, könnt ihr hier sehen.


Der nächste Teil der Reihe behandelt den Filmschnitt und den Ton.

Hier geht’s zu Teil 1.

Bilder: Gemeinfrei

Martin

Ich bin Werkstudent beim STARK Verlag. Neues lernen kann unglaublich spannend sein. Ich blogge auf schultrainer.de, um eure Neugier auf Trab zu halten.

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