Blockbuster über Blockbuster – Filmgeschichte (4/5)

Die Ära Blockbuster (bis jetzt)

Megafranchises

Als die oftmals radikalen Autorenfilmerbewegungen ihr Ende fanden, ließen sie die Tür für das Phänomen Blockbuster sperrangelweit auf.

Millennium Falke™ aus Star Wars™

Regisseure wie George Lucas (Star Wars, Indiana Jones), Ridley Scott (Alien) und Steven Spielberg (Der weiße Hai, E.T., Jurassic Park) schritten hindurch und bedienten, trotz anspruchsvolleren Filmen wie Blade Runner oder Schindlers Liste, für gewöhnlich knallhart die beliebten Genres Action und (Science-)Fantasy. Der kommerzielle Erfolg gab ihnen recht und ermöglichte das Entstehen von Franchises.

Iron Man™ – Bekannter MCU Superheld

Kaum ein erfolgreicher Film aus dieser Zeit bekam keine Fortsetzung. Nur selten knüpfen diese jedoch an die Qualität der Originale an. Auf der Liste der 100 erfolgreichsten Filme nach Einspielergebnis befinden sich neben Animationsfilmen nur noch 5 Werke, die nicht Teil eines Franchises sind (Titanic, E.T., 2012, Inception, Gravity), jedoch trotzdem alle dem Blockbuster zuzuordnen sind. Für Platz 1 dieser Liste, Avatar – Aufbruch nach Pandora, sind 4 (!) Fortsetzungen geplant. Die größten Serien sind das Marvel Cinematic Universe, Star Wars, Harry Potter und Herr der Ringe. Diese Filme nutzen die (vormals belächelte) Nerd-Kultur und machten sie massentauglich.

Weitere Entwicklungen

Daneben sind vor allem Buchverfilmungen, (seichte) Komödien und Neuauflagen von populären Filmen beliebt. Auch das US Militär erkannte den zunehmend beliebten Actionfilm als effektives Werbemittel. Filme wie Top Gun oder Air Force One sind vom Militär finanziert und zeichnen ein dementsprechend romantisches Bild von Krieg, Gewalt und Patriotismus.

Technisch spielen Blockbuster oft auf sehr hohem Niveau und werden mit ungekannt hohen Budgets produziert. Spezialeffekte am Computer und 3D-Technologie machen das Kino zum audiovisuellen Event. Die inhaltlichen Innovationen blieben jedoch zuletzt aus.

Eine Art Konflikt zwischen Blockbuster und Autorenfilm als Rap-Battle wird sehr unterhaltsam von Epic Rap Battles of History dargestellt.

Aktuelle Blockbuster im Kino

Independent Film

Wegen der wieder zunehmenden Anspruchslosigkeit erstarkten Independent Film und Programmkinos als anspruchsvollere Alternativen. Dadurch konnten einige Filmemacher wie Sofia Coppola (Lost in Translation), Wes Anderson (Grand Budapest Hotel) und die Coen-Brüder (No Country for Old Men) auf sich aufmerksam machen und die Brücke zwischen Kunst und kommerziellem Erfolge schlagen. Mittlerweile können unabhängige Filmemacher auch über Videoplattformen im Internet ein größeres Publikum erreichen. Die meisten anspruchsvollen europäischen Filme werden ebenfalls als „Indie“ klassifiziert. „Indies“ gewinnen durch Filmfestspiele (Berlinale, Cannes, etc.) oder Preisverleihungen (Oscars, Europäischer Filmpreis, etc.) an Aufmerksamkeit.

Die Zukunft

Teufelskreis

Trotz des immensen Erfolgs der größten Blockbuster ist das Kino in einer Endlosschleife gefangen. Von vielen teuer produzierten Filmen werden nur wenige sehr erfolgreich und müssen die Verluste der Fehlschläge zurück erwirtschaften. Fortsetzungen in bereits existierenden Serien oder Remakes sind sicherere Investments als neue Ideen. So werden mittlerweile schon Filme ein drittes oder viertes Mal neu aufgelegt oder sogar unterdurchschnittlich erfolgreiche Filme fortgesetzt.

Ebenso bizarr ist das Phänomen, dass nicht-amerikanische Filme fast nie für den US-Markt synchronisiert werden. Stattdessen werden erfolgreiche Werke wie Oldboy (Südkorea), Godzilla (Japan), Ziemlich beste Freunde (Frankreich) oder Das Experiment (Deutschland) speziell für den amerikanischen Markt neu gedreht, da dem Publikum die Originalwerke nicht zugetraut werden. Auch hier reicht die Qualität meist nicht an die Vorlage heran, was häufig mit dem Einsatz von Star-Schauspielern aufgefangen werden soll.

Neue Konkurrenz

Grund für den Abstieg ist die neue Konkurrenz. Während das Fernsehen ursprünglich als Feindbild für Autorenfilmer galt, hat sich die Situation heute umgekehrt. Kreative Köpfe wie Sam Esmail (Mr. Robot), Cary Joji Fukanaga (True Detective) und Vince Gilligan (Breaking Bad) haben im Fernsehen bzw. in Online Streaming-Diensten ihre zweite Heimat gefunden, nachdem Filmregisseur David Lynch und Mark Frost das Format TV-Serie Anfang der 90er mit Twin Peaks komplett umkrempelten.

Neue Konkurrenz: Streaming

Auch Online-Piraterie sorgt für Umsatzverluste. Kostenlose Videoplattformen wie YouTube sprechen vor allem die junge Generation extrem erfolgreich an und bieten ein schier endloses Angebot an Videos.

Ferner haben Videospiele das Kino als wichtigstes popkulturelles Medium abgelöst. Die Spieleindustrie macht seit Jahren mehr Umsatz als die Filmindustire, Grand Theft Auto V ist das erfolgreichste Unterhaltungsprodukt aller Zeiten und Pokémon das größte Multimedia-Franchise weltweit. Zudem bedienen sich Spiele immer öfter filmischer Kniffe.

Ausblick

Ob sich an der Abwärtsspirale Hollywoods noch etwas ändert, bleibt fraglich. Kontroversen um Missbrauch, Diskriminierung und der Vorwurf einer politische Agenda haben dem Ansehen der Traumfabrik im gespaltenen Amerika der Gegenwart schwer zugesetzt. Junge, mutige Regisseure haben es schwer, Fuß zu fassen. Ohne dass sich in den Blockbuster-Filmstudios grundlegend etwas ändert, ist eine Art Renaissance in naher Zukunft unwahrscheinlich. Gute Filme werden aber dennoch weiter gemacht werden und auch immer ein Publikum finden.

 

Weiterlesen (der nächste Teil folgt nächste Woche)

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Bilder: Gemeinfrei


Der Autorenfilmer im Mittelpunkt – Filmgeschichte (3/5)

Martin

Ich bin Werkstudent beim STARK Verlag. Neues lernen kann unglaublich spannend sein. Ich blogge auf schultrainer.de, um eure Neugier auf Trab zu halten.

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