Die Aufklärung: Im Zentrum der Vernunft

Ende des 17. Jahrhunderts brach eine neue Zeit an, die endgültig die Epoche des Mittelalters ablöste. Von Westeuropa ausgehend breitete sie sich eine geistige Bewegung aus, die nach und nach ganz Europa ergriff. Die Entwicklungen, die sich anbahnten, zeigen ihre Wirkung noch heute. Die Rede ist von der Aufklärung, deren Einfluss weit über die Literatur hinausging.

In diesem Beitrag erfährst du alle wichtigen Informationen zur Literaturepoche Aufklärung, ihren Motiven, Gattungen und Vertretern.

Das Zeitalter der Aufklärung

Frau mit Buch in der Hand

Während der Aufklärung wurden Frauen als Zielgruppe für Literatur interessant.

Die Aufklärung begann Ende des 17. Jahrhunderts und war vor allem im 18. Jahrhundert von 1720 bis 1785 präsent. Der 30-jährige Krieg war zu Ende und es begann eine verhältnismäßig ruhige Zeit, geprägt vom kulturellen Aufschwung und einer rationalen Weltsicht.

Periodensysteme Elemente Chemie

Die Naturwissenschaften machten während der Aufklärung große Fortschritte.

Die Naturwissenschaften gewannen an Bedeutung und entwickelten sich weiter. Die Elektrizität wurde entdeckt, Biologie und Chemie wurden zu eigenständigen Wissenschaften.

Die Kirche verlor an Bedeutung, während sich das Bürgertum erhob sich und an Einfluss gewann. In Mitteleuropa führte dies schlussendlich zu einem Zusammenbruch der alten Ständeordnung. Menschenrechte wurden thematisiert und das Urheberrecht erfunden.

Die Literatur in der Epoche der Aufklärung

Verständlichkeit und Klarheit prägten die Literatur der Epoche. Mit der Aufklärung erfuhr die deutsche Sprache eine deutliche Aufwertung. Die Dichter begannen mit der Regelpoetik strenge Regeln aufzustellen, an die sich die Autorinnen und Autoren halten sollten.

Merkmale und Motive der Aufklärung

Im Zentrum der Aufklärung steht die menschliche Vernunft, die das Individuum erleuchtet und ihm als Orientierung dient. Sie befähigt den Einzelnen, zwischen wahr und richtig zu unterscheiden und die alten Traditionen und Normen zu überwinden.

Gotthold Ephraim Lessing

G. E. Lessing wollte die Menschen von ihren Leidenschaften befreien.

Die Fokussierung auf die Vernunft trug in der Epoche der Aufklärung dazu bei, dass der Mensch als autonomes Individuum wahrgenommen wurde. Man gestand ihm die Fähigkeit zu, eigenständig Wissen zu erlangen und verantwortungsvoll zu handeln. Jeder sollte in der Lage sein sich eine Meinung zu bilden – auch über die Religion.

Dieser vernunftbeherrschten Welt widersprechen Emotionen. Der Schriftsteller Lessing forderte als wichtiger Vertreter der Aufklärung, dass sich der Mensch von Gefühlen reinigen müsse.

Kant und die Grenzen der Vernunft

Der deutsche Philosoph Immanuel Kant kritisierte, dass die Vernunft des Einzelnen ihre Grenzen hat. Deswegen sei es eine wichtige Aufgabe der Gelehrten, pädagogischen Einfluss auszuüben. Mit dieser Forderung entstand die Pädagogik als eigenständige Wissenschaft.

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ (Immanuel Kant)

Die Aufklärung fordert ein Lesepublikum

Das literarische Leben begann mehr und mehr zu florieren, da die Epoche ihr Publikum erreichen wollte. Im 18. Jahrhundert entstand eine vollkommen neue Lesekultur. Spielten Frauen bisher als Leserinnen kaum eine Rolle, wurden sie nun zu einer wichtigen Zielgruppe für die Literatur.

Alte Bücher im Regal

Zusammen Lesen und Diskutieren gehörte zu den Hobbies des Bürgertums.

Das gemeinsame Lesen in Lesezirkeln wurde kultiviert. Zeitschriften wurden gedruckt und es entwickelte sich ein Buchmarkt.

Gattungen der Literaturepoche

Während die Lyrik in der Epoche Aufklärung an Bedeutung verlor, wurden Prosa und Drama wichtiger. Es entstand eine neue Form der Theatergattung – das Bürgerliche Trauerspiel.

Rückgriff auf die Antike: Back to Drama

Johann Christoph Gottsched war der Überzeugung, dass ein Drama die Aufgabe hat, moralische Wahrheiten und die Welt darzustellen. Er bezog sich dabei auf die französische Tragödie, die ihren Ursprung in der Antike hat. Thema der neuen Dramen war die Fallhöhe des Adels: Der adelige Held scheitert im Drama der Aufklärung unter tragischen Umständen.

Nicht nur das antike Drama, sondern auch die Katharsis-Lehre wurde im Zuge der Aufklärung wieder aufgegriffen. Das Publikum sollte nach Gotthold Ephraim Lessing durch Theater-Aufführungen eine „reinigende Wirkung“ erfahren.

Der Roman als literarische Gattung

War der Roman in den Jahrhunderten zuvor als reine Unterhaltungsliteratur verpönt, wurde er in der Aufklärung als eigene Gattung der Literatur aufgewertet. Es entstanden verschiedene Formen wie die Autobiografie, der Briefroman, der Bildungsroman und der psychologische Roman.

Im Fokus dieser Romane stand die Entwicklung eines Individuums – aber auch allgemeines Weltwissen und Belehrungen fanden ihren Platz darin.

Alles Wichtige über die literarischen Gattungen erfährst du hier: Textsorten unter Verdacht – Auf der Suche nach Beweisen

Werke und Autoren

Das Zeitalter der Aufklärung war in Deutschland geprägt von den folgenden Dichtern und Schriftstellern:

  • Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781): Hamburgische Dramaturgien, Nathan der Weise, Miss Sara Sampson, Emilia Galotti
  • Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799): Sudelbücher
  • Immanuel Kant (1724-1804): Beantwortung der Frage: Was ist die Aufklärung
  • Karl Philipp Moritz (1756-1793): Anton Reiser
  • Christoph Martin Wieland (1733-1813): Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva, Geschichte des Agathon, Geschichte der Abderiten

Das Bürgerliche Trauerspiel Emilia Galotti

Krone auf Samtkissen

Macht und Gewalt zeichnet den Prinzen im bürgerlichen Trauerspiel “Emilia Galotti” aus.

In diesem bürgerlichen Trauerspiel befindet sich Emilia auf dem Weg zur ihrer Hochzeit mit einem Grafen, als sie entführt und ihr zukünftiger Gemahl umgebracht wird. Der Prinz steckt hinter dieser Tat, weil er sich in die schöne Emilia verliebt hat. Aus Angst, sie könne ihre Unschuld an den Prinzen verlieren, lässt sich Emilia von ihrem Vater erstechen.

Das Stück thematisiert den Machtanspruch des Adels, der nicht vor Gewalt zurückschreckt. Ihm steht die Werte-Ordnung des Bürgertums gegenüber, die keinen klugen Ausweg aus der Situation bietet.

Tipp: Eine gute Interpretationshilfe zu Emilia Galotti bietet der STARK Verlag an.

Das Drama Nathan der Weise

Das Stück rückt eine Utopie in den Fokus, die drei Religionen friedlich miteinander vereint. Es spielt in Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge. Nathan ist ein Jude. Ihm gelingt es im Verlauf des Werkes, dass die Vertreter der drei großen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) miteinander kommunizieren. Am Ende betrachten sich diese als eine Familie.

Das Drama baut Kommunikationsmodelle ein, die zur Aufklärung beitragen sollen. Hierin spiegelt sich der Kern der Epoche – Vernunft und Toleranz – wieder.

Für das Drama hält der STARK Verlag eine Übersicht der Interpretationsmöglichkeiten bereit: Nathan der Weise.

Vernunft gegen Empfindsamkeit

Nicht alle Schriftsteller*innen und Dichter*innen in dieser Zeit folgten der Abwertung von Emotionen. Mit der Aufklärung entstand eine Gegenbewegung, die sich der Empfindsamkeit verschrieb. Ihre Vertreter*innen wollten Gefühle in der Literatur nicht ausklammern. Vielmehr verfolgten sie das Ziel, Gefühle aufzuklären und beschäftigen sich daher auch mit der Psychologie der Sprache. Später in der Romantik griff man diese Vorgehensweise wieder auf.

Die Empfindsamkeit findet sich in den sogenannten weinerlichen Lustspielen und Schäferspielen wieder, aber auch in der Lyrik. Die Werke interessierten sich nicht für die Handlung, sondern für die Reflektion des innerlichen Empfindens des Individuums.

Aufklärung als Grundstein für spätere Epochen

Die Aufklärung schließt das Barock ab und baut die Grundlage für andere literarische Strömungen und Epochen. Sie ebnet unter anderem den Weg für den Sturm und Drang, die Romantik und die Weimarer Klassik.

Du möchtest für dein Deutsch-Abitur alle Literaturepochen wiederholen? Dann empfehlen wir dir das umfangreiche ABITUR-WISSEN Deutsche Literaturgeschichte.

Für alle anderen gibt es das Deutsch-KOMPAKT Literaturgeschichte inklusive Erklärvideos.


Weitere Literaturepochen findest du hier:

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.