Licht, Kamera, Action – Filmtechnik (1/4)

Die Kamera als das Aufnahmegerät des Films ist eine – wenn nicht die wichtigste – Komponente beim Filmdreh. Aber ohne Licht kann eine Kamera auch nichts aufnehmen und mit diesem Medium lässt sich auch einiges an Atmosphäre und Stimmung erzeugen. Diese beiden Elemente sollen den Anfang unseres kleinen Exkurses in die Filmtechnik machen. Weitere Komponenten besprechen wir hier.

Kamera

Kameraeinstellungen

In der Filmkunst unterscheidet man zwischen verschiedenen Einstellungsgrößen, die den Bildausschnitt beschreiben. Die Übergänge sind oft fließend.

Supertotale (≙ Panorama)

Dieses Format zeigt meist Landschaften und wird gerne für Eröffnungsszenen und in Monumentalfilmen verwendet. Auch Gefühle wie Isolation oder Freiheit kann man so darstellen.

Kameraperspektive: Supertotale - Filmtechnik Kamera

Supertotale

Totale

Eine oder mehrere Personen sind vollständig (total) zu sehen. Die Landschaft ist ebenfalls sichtbar, macht aber nicht den Hauptinhalt des Bildes aus. Totalen bieten viel Übersicht und werden deshalb ebenfalls gerne zu Beginn einer Szene und in Dokumentationen verwendet.

Kameraperspektive: Totale

Totale

Halbtotale

Figuren oder Objekte werden vollständig dargestellt (“Kopf bis Fuß”). Dies betont die Körpersprache und eignet sich für Menschenmengen. Eine Sonderform der Halbtotalen ist der Full Shot. Dieser zeigt ausschließlich die Personen und fast nichts von der Umgebung.

Kameraperspektive: Halbtotale

Halbtotale

Halbnahe (≙ Portrait)

Figuren werden vom Kopf abwärts bis zur Hüfte gezeigt. Die Umgebung ist im Hintergrund erkennbar. Das entspricht dem normalen Sehen und wird oft in geschlossenen Räumen und bei Dialogszenen verwendet. Bei der Sonderform American Shot, die oft in Western benutzt wird, ist die Figur bis zu den Knien sichtbar. So kann der Zuschauer das Waffenholster des Protagonisten im Blick behalten.

Kameraperspektive: Halbnahe

Halbnahe

Nahe

Eine Person wird von Kopf bis zur Körpermitte gezeigt. Diese Art der Einstellung hebt Mimik, Blickrichtung und Gestik der Figur vor.

Kameraperspektive: Nahe

Nahe

Großaufnahme

Die Figur wird vom Kopf bis zu den Schultern gezeigt. Diese Einstellungsgröße wird oft zum Darstellen von Gefühlen und der Mimik verwendet.

Kameraperspektive: Großaufnahme

Großaufnahme

Detailaufnahme

Die Detailaufnahme zeigt nur einen bestimmten Bildausschnitt und erzeugt dadurch eine intensive Wirkung. Ein Sonderform der Detailaufnahme ist der Italian Shot, bei dem nur beide Augen gezeigt werden. Diese Spezialform findet häufig in Western Verwendung.

Kameraperspektive: Detailaufnahme - Filmtechnik Kamera

Detailaufnahme

Ferner gibt es noch die Vogelperspektive, bei der von oben gefilmt wird und der Darsteller kleiner wirkt sowie die Froschperspektive, bei der von unten gefilmt wird und der Darsteller größer wirkt.

Um das Geschehen und Erleben der Figuren hervorzuheben, gibt es die Möglichkeit der Über-die-Schulter Perspektive oder der Egoperspektive, um die Sicht des Protagonisten darzustellen.

Kameratechniken

Zur Veränderung der Kameraeinstellung sind verschiedene Techniken mit der Kamera möglich.

Kamerafahrt

Um Kamerafahrten zu ermöglichen gibt es verschiedene technische Hilfsmittel. Kamerawägen auf Schienen (Dolly), rollbare Stative und Seilkameras bringen Flexibilität in der 2. Dimension. Hier gilt der deutsche Filmemacher Karl Freund als Pionier. In Der letzte Mann von 1924 benutzte er viele der Techniken erstmalig. Auch Kreisfahrten sind möglich.
Kamerabühnen und -kräne, sowie Drohnen und Hubschrauber ermöglichen bei Kamerafahrten eine Höhenveränderung.
Die modernste Art der Kamerafahrt ist durch die tragbare Steadicam möglich. Diese wurde durch ein verbessertes Modell, das erstmals in Stanley Kubricks Horrorfilm The Shining 1980 eingesetzt wurde, beliebt.
Eine Kamerafahrt um ein scheinbar eingefrorenes Objekt kann man durch den sogenannten Bullet-Time Effekt (durch die Kombination vieler Einzelbilder) simulieren. Während das Konzept der Technik aus dem Vorspann des Animes Speed Racer stammt, wurde der Effekt vor allem durch Matrix bekannt. Dieser Effekt ist so komplex, dass Computertechnik fast unvermeidlich ist.

Zoom

Bei einem Zoom wird die Brennweite am Kameraobjektiv verändert, um entweder eine Vorwärts- oder eine Rückwärtsbewegung zu simulieren. Zoom wird oft als Ersatz für teure Kamerafahrten eingesetzt, verfälscht aber die räumlichen Verhältnisse.

Weitere Techniken

Ein Kombination der beiden Techniken ist der Dolly-Zoom. Dabei wird eine optische Täuschung hervorgerufen durch Zoom-in/Zoom-out und Kamerafahrt in die Gegenrichtung. Die Größe des fokussierten Objektes bleibt bei richtiger Ausführung gleich, aber der Hintergrund verändert sich sogartig. Bekannt wurde dies durch Alfred Hitchcocks Film Vertigo, bei dem der Regisseur den Effekt nutzte, um die Höhenangst der Hauptfigur darzustellen.

Im Gegensatz zur Kamerafahrt bewegt man beim Kameraschwenk die Kamera selbst nicht über die Szene. Deshalb benutzt die Regie den Schwenk oft, um einen Überblick über eine Szene zu verschaffen. Ein vollständiger Kameraschwenk um die eigene Achse ist ein Panoramaschwenk.

Ausleuchtung

Um eine gelungene Ausleuchtung zu erlangen, muss man einige Dinge beachten. Grundsätzlich kann man bei Licht zwischen natürlichem und künstlichem Licht unterscheiden. Außerdem sind Unterschiede bei Farbtemperatur und Lichthärte möglich. Beachten sollte man bei künstlicher Beleuchtung Dauer, Umfang und Richtung des Lichtes. Neben Scheinwerfern am Set, kann Licht auch in der Nachbearbeitung beeinflusst werden. So kann man z.B. Szenen, die in der Nacht spielen, am Tag drehen und nachträglich verdunkeln. Schatten wirken zwar so unrealistisch, aber dafür ist das Bild klarer (v.a. bei schlechteren Kameras). Licht wird von guten Filmemachern eingesetzt, um eine bestimmte Atmosphäre zu schaffen und die Geschichte zu unterstützen.Filmtechnik Kamera Licht

Lichtführung

Das Führungslicht ist das wichtigste Licht der Szene und oft auch das einzige. Es wirft Schatten und kommt etwa aus Richtung der Kamera und von oben. Dabei wirken andere Positionen meist irritierend und werfen seltsame Schatten.

Aufhellungslicht verwendet man meist, um zu hohe Kontraste zu vermeiden. Deswegen benutzt man weiches Licht, das keine Schatten wirft, um Stellen aufzuhellen, die vom Führungslicht nicht gut erfasst werden.

Um ein Motiv hervorzuheben, kann man eine harte Lichtquelle hinter ihm platzieren. Das nennt man dann Spitzlicht.

Beleuchtungsstile

Low-Key-Beleuchtung findet sich überwiegend im Film Noir. Schatten werden überbetont und große Teile des Bildes bleiben dunkel. Wenige, starke Kontraste erzeugen so eine düstere und mystische Stimmung.

High-Key-Beleuchtung hat im Gegensatz dazu keine Schatten und niedrige Kontraste. Weiches Licht und helle Farbtöne erzeugen eine positive und optimistische Stimmung.

Realismus versucht der Normalstil durch eine ausgewogene Hell/Dunkel-Verteilung zu erzeugen. Um eine Szene gut auszuleuchten, werden auch hier meist Abstriche in der Logik hingenommen.

Logische Lichtgestaltung wird oft nur vorgetäuscht. Nur wenige Regisseure gehen so weit wie Stanley Kubrick, der sein Epos Barry Lyndon komplett natürlich ausleuchtete.


Hier geht’s zum nächsten Teil.

Bilder: Gemeinfrei

Martin

Ich bin Werkstudent beim STARK Verlag. Neues lernen kann unglaublich spannend sein. Ich blogge auf schultrainer.de, um eure Neugier auf Trab zu halten.

2 Kommentare

  • Avatar Ester Diemer

    Für unseren ersten selbstgedrehten Imagefilm durchsuchen wir gerade das Internet nach nützlichen Tipps und Hinweisen in allen Dingen Filmtechnik. Ihr Artikel kommt gerade recht, da wir mit Blick auf die Lichtführung noch einiges verbessern können. Entsprechend Ihrer Hinweis, werden wir dafür sorgen, dass wir nicht nur ein Führungslicht, sondern auch ein Aufhellungslicht und ein Spitzlicht vorort haben.

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