Klassisch und historisch – Jacques-Louis Davids Napoleon

Ein kleiner Mann mit erhabener Pose. Der Finger deutet nach oben, der Blick ist eindringlich auf den Betrachter gerichtet. Das Pferd bäumt sich auf, die Augen weit aufgerissen. Napoleon wirkt bestimmt, aber gelassen. Jeder Pinselstrich verdeutlicht seine Entschlossenheit. Die Rede ist von dem Gemälde Bonaparte franchissant le Grand-Saint-Bernard von Jacques-Louis David. Mehr über den Maler, den Klassizismus und dem berühmtesten Gemälde von Napoleon erfährst du in diesen Beitrag.

Gemälde Napoleon

Das Gemälde „Bonaparte beim Überschreiten der Alpen am Großen Sankt Bernhard“

Zum Künstler

Selbstporträt Jacques Louis David

Selbstporträt Jacques Louis David

Der Künstler Jacques-Louis David kam am 30. August 1748 in Paris zur Welt. Vom französischen Maler Joseph-Marie Vien unterrichtet, gewann er 1774 die Auszeichnung Prix de Rome, die ein Stipendium für einen mehrjährigen Aufenthalt in Rom beinhaltete.

In Rom studierte er die Antike und ließ sich von Künstlern wie Michelangelo und Raffael inspirieren.

Zurück in Paris

Im Jahr 1781 kehrte Jacques-Louis David in seine Heimatstadt zurück. Aufgrund seiner Werke Belisar und Andromache wurde der Künstler an der Königlichen Akademie für Malerei und Bildhauerei Académie Royale de Peinture et de Sculpture aufgenommen. Als Hofmaler des französischen Königshauses malte er Bilder wie Schwur der Horatier.

Gemälde Der Schwur der Horatier

„Der Schwur der Horatier“ von David

Beginn der Französischen Revolution

David begann sich politisch zu engagieren. Der Maler, der 1792 Mitglied des Corps élecotral und Konventsdeputierter wurde, war überzeugter Republikaner. Damit unterstützte er die Hinrichtung König Ludwigs XVI.

David wurde auch Abgeordneter des Nationalkonvents, wodurch er Einfluss auf den Erhalt – und die Vernichtung – von Kunstwerken in Frankreich hatte.

Das Verhängnis

Jacques-Louis David war Freund der Jakobiner Maximilien de Robespierres und Jean Paul Marat. Als Robespierres 1794 gestürzt wurde, warf man David aufgrund seiner Verbindungen in den Kerker. Schüler sowie Verehrer setzten sich ein, dass er in die Freiheit entlassen wurde. Das Geschehene verarbeitete in seiner Kunst – wie zum Beispiel im Gemälde Der Tod des Marat.

Gemälde Tod des Marat

„Tod des Marat“ von David

Napoleons Zeit war Davids Zeit

Als Napoleon Bonaparte an die Macht kam, malte der Künstler den französischen Kaiser mehrfach. Es entstanden Gemälde wie Die Krönung Napoleons I. und der Kaiserin Josefine in der Kathedrale Notre-Dame in Paris am 2. Dezember 1804, Napoleon im Arbeitszimmer mit Hand in der Weste und zahlreiche weitere Porträts. Das bekannteste Bild aus dieser Zeit stellt Bonaparte beim Überschreiten der Alpen am Großen Sankt Bernhard dar.

Der Körper in Brüssel, das Herz in Paris

Nach Napoleons Zeit verlor der Maler David an Einfluss und musste Frankreich 1816 verlassen. Er zog nach Brüssel und arbeitete dort weiter als Maler bis ins hohe Alter. Am 29. Dezember 1825 starb Jacques-Louis David in Brüssel, wo sein Leichnam begraben wurde. Sein Herz wurde zuvor entnommen und separat in Paris beigesetzt.

Davids Einfluss

Der Maler hatte weitreichenden Einfluss auf die damalige französische Kunst, da er mehr als 400 Schüler ausbildete und über den Erhalt von französischen Kunstwerken entschied. Hinzu kommen seine Verbindungen zur Französischen Revolution und Napoleon, die ihm einen Platz in den Geschichtsbüchern einräumten.

Napoleon von David

„Napoleon im Arbeitszimmer mit Hand in der Weste“ von David

Kennzeichen des Klassizismus

Der Klassizismus lässt sich zwischen den Jahren 1750 bis 1840 einordnen. Die griechische und römische Kunst wurde Vorbild der Epoche. Der Kunsthistoriker Johann Winkelmann beschäftigte sich ausgiebig mit der Antike und polarisierte die Nachahmung des Alten.

Ursprung des Wortes

Der Name führt zurück auf das lateinische Wort classicus, welches einen Bürger der höchsten Steuerklasse bezeichnete. Dies beinhaltet die Bedeutungen „erstrangig“, „mustergültig“ sowie „vorbildlich“.

Der Einfluss des Klassizismus auf die Malerei

Die Hervorhebung des Umrisses trat in den Vordergrund. Die Künstlerinnen und Künstler setzten Farbe ein, um die Klarheit der Linie zu betonen. Der Aufbau der Bildkomposition folgte einer strikten Ordnung. Durch den gezielten Einsatz von Hell-Dunkel erzeugte man das Gefühl von Räumlichkeit und schuf einen bühnenartigen Effekt.

Zum Gemälde „Bonaparte beim Überschreiten der Alpen am Großen Sankt Bernhard“

Das Gemälde Bonaparte franchissant le Grand-Saint-Bernard von Jacques-Louis David gibt es in fünf Ausführungen. Sie alle entstanden zwischen den Jahren 1800 und 1802 und tragen ähnliche Titel. Sie unterscheiden sich zum Teil in den Maßen sowie der Farbgebung und diverse Maler wirkten an ihrer Erstellung mit.

Der Pass Grosser St. Bernhard

Der Pass über die Walliser Alpen war schon zur Zeit des römischen Reiches einer der wichtigsten Alpenübergänge. Er war Weg für Pilger, Kreuzritter und Händler. 1054 wurde auf Höhe des Passes ein Hospiz errichtet, das verantwortlich für den heutigen Namen ist.

Am 14. Mai 1800 überquerte Napoleon den Pass auf dem Weg nach Italien. Das Bild von Jacques-Louis David stellt diesen Moment idealisiert dar.

Kleines wichtiges Detail

Was dem Betrachter oftmals entgeht: links unten sind die Namen „ANNIBAL“ (gemeint ist Hannibal), „KAROLUS MAGNUS“ (Karl der Große) und „BONAPARTE“ in den Stein geritzt. Hannibals legendäre Alpenüberquerung wird auf 218 v. Chr. geschätzt. Im Jahr 773 reiste Karl der Große über den Pass. Der Name Napoleons wird im Zusammenhang mit denen zweier berühmter und heroischer Herrscher genannt und durch den erhöhten Stein über sie gesetzt.

Wenn du eines der Bilder in der Realität betrachten möchtest, hast du mehrere Möglichkeiten: In Paris hängt das Gemälde im Schloss Malmaison, einem ehemaligen Wohnsitz Napoleons. Nahe bei Paris werden zwei weitere Bilder im Schloss Versailles aufbewahrt. In Berlin kann man eine weitere Version von Bonapartes Überschreitung der Alpen im Schloss Charlottenburg finden. In Österreich lässt sich das Werk neben Gustav Klimts Der Kuss in der Wiener Galerie Belvedere bewundern.

Belvedere in Wien

Belvedere in Wien © pixabay.com/CC0 Creative Commons

 


Bilder: Gemeinfrei

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach studiert und beginne im Herbst meinen Master. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.