Genie und Melancholie – Melencolia I von Albrecht Dürer

Ein engelgleiches Wesen sitzt da. Den Kopf auf den Arm gestützt, den Blick trübsinnig in die Ferne gerichtet. Was denkt es? Warum sitzt es da? Albrecht Dürer hat mit „Melencolia I“ einen geheimnisvollen Kupferstich erschaffen, dessen Botschaft bis heute die Menschen beschäftigt.

Melencolia I von Albrecht Dürer

Melencolia I von Albrecht Dürer

Über den Künstler

Der junge Albrecht Dürer kam am 21. Mai 1471 als drittes Kind von Barbara Holper zur Welt. Albrecht erhielt den Namen seines Vaters, der von Ungarn nach Nürnberg gekommen war, um dort den Beruf des Goldschmiedes auszuüben.

Dürers Mutter stammt aus einer Goldschmied-Familie. In der Ehe mit Albrechts Vater gebar sie insgesamt 18 Kinder, von denen drei überlebten. Zwei Monate vor ihrem Tod im Jahr 1514 zeichnete Albrecht Dürer ein letztes Potrait seiner sterbenskranken Mutter.

Dürers Mutter

letztes Porträt seiner Mutter

Dürers Lebensreise

Albrecht besuchte die Schule, bis er dreizehn Jahre alt war. Anschließend folgte eine Lehre in der Werkstatt seines Vaters. In dieser Zeit entstanden seine ersten Werke – unter anderem das älteste von ihm erhaltene Selbstbildnis.

Heirat und Italien

Bevor Albrecht Dürer 1494 nach Italien aufbrach, heiratete er seine Frau Agnes Frey. Die Ehe blieb kinderlos, doch Agnes unterstützte Dürer tatkräftig bei dem Verkauf seiner Kunst.

Eine eigene Werkstatt

Nach seiner Rückkehr entschied sich Dürer im Jahr 1497 für die Selbstständigkeit und gründete eine Werkstatt in der Nürnberger Altstadt. In dieser Zeit entstanden viele Potraits und Selbstpotraits.

Mit Fugger in Venedig

Von 1505 bis 1507 unternahm Albrecht Dürer eine Reise nach Venedig, wo er Aufträge für deutsche Kaufleute, u.a. für Jakob Fugger, übernahm.

Der Gesandte aus Nürnberg

Zwei Jahre später (ab 1509) war Albrecht Dürer der Gesandte des Größeren Rats in Nürnberg. Dadurch war er an Planung von Kunstprojekten in der Stadt beteiligt. In diesem Zeitraum veröffentlichte er viele Holzschnitte und Kupferstiche.

Albrecht Dürer publizierte ein Lehrbuch für Geometrie und Mathematik. Anschließend erschien sein Werk zur Proportionslehre.

Selbstporträt Albrecht Dürer

Selbstporträt Albrecht Dürer

Nach Antwerpen und zurück

Gemeinsam mit seiner Frau Agnes zog es Dürer 1520 nach Antwerpen, von wo sie im Sommer 1521 zurückkehrten. Seine Zeit in den Niederlanden war von Erfolg und Triumph geprägt, da der Künstler allerorts respektvoll und bewundernd aufgenommen wurde.

Tod in Nürnberg

Am 6. April 1528 starb Albrecht Dürer im Alter von sechsundfünfzig Jahren. Er wurde auf dem Nürnberger St. Johannisfriedhof begraben.

Die Renaissance

Im 19. Jahrhundert fand man für den Zeitraum von ca. 1400 bis 1600 nachträglich einen Epochenbegriff: die Renaissance. Der Name stammt aus dem Französischen und bedeutet übersetzt „Wiedergeburt“ oder „Wiedererweckung“.

Wiedergeburt der Antike

Nach dem Mittelalter entdeckte man die antiken Formenwelten neu und orientierte sich an der idealisierten Natur. Die Geisteshaltung der Menschen veränderte sich: Das theozentrische Weltbild wandelte sich zu einer anthropozentrischen Weltsicht.

Theozentrismus: Im Zentrum der Realität steht Gott.
Anthropozentrismus: Der Mensch betrachtet sich als Mittelpunkt der Realität.

Die Entdeckung der Welt und die Erfassung der Zeit waren wichtige Themen, welche die Menschen beschäftigten und ihre Anschauungen und Perspektiven auf die Welt veränderten. Zusätzlich wirkte der Humanismus und die Reformation Luthers.

Die Aufteilung der Renaissance

Die Epoche teilt sich in drei Phasen: von etwa 1420 bis 1500 fand die Frührenaissance statt. Anschließend folgte die Hochrenaissance von ca. 1500 bis 1520. Von etwa 1520 bis 1600 klang sie mit der Spätrenaissance aus, die auch als Manierismus bezeichnet wird.

Das Gemälde „Melencolia I“

Wie in einem großen Suchbild verteilt Dürer verschiedene Gegenstände und undeutliche Hinweise über das gesamte Kunstwerk: Der Engel mit Zirkel in der Hand. Eine Putte links neben ihm auf einem Mühlstein. Ein Hund, ein Polyeder und eine Kugel. Handwerkliches Werkzeug wie Hammer, Hobel und Nägel. Über den zwei Wesen hängen Waage, Sanduhr, Glocken und ein Quadrat gefüllt mit Zahlen. Im Hintergrund zentriert sich der Himmel in einem Punkt, umgeben von einem hellen Kreis. Dazwischen ist Meer und Land. Noch heute rätseln die Kunstwissenschaftler, was der Künstler Albrecht Dürer uns mit diesem Stich mitteilen wollte.

Das geheimnisvolle Quadrat

Das Quadrat, das oberhalb des Engels im Bild am kleinen Haus hängt, ist gefüllt mit unterteilten Zahlen. Egal in welche Richtung man die Zahlen zusammenzählt, man erhält immer die Zahl 34. Zudem beinhaltet die letzte Zeile das Erscheinungsdatum 1514.

Keine Nachfolger

Ein weiteres Mysterium ist der Titel des Kunstwerkes, das 1514 erschien: Obwohl der Kupferstich im Namen mit „I“ nummeriert ist, veröffentlichte der Maler Dürer keine Fortsetzung.

Mehr zu Albrecht Dürer

Wer Einblicke aus Dürers Leben sammeln möchte oder ein Referat zu Albrecht Dürer halten darf, kann das Albrecht-Dürer-Haus in Nürnberg besuchen. In dem alten Fachwerkhaus lebte und arbeitete der Künstler rund 20 Jahre seines Lebens.

Albrecht-Dürer-Haus in Nürnberg

Das Albrecht-Dürer-Haus in Nürnberg © pixabay.com/CC0 Creative Commons 

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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