Das alte und das neue Hollywood – Filmgeschichte (2/5)

Die Ära Hollywood (bis ca. 1950)

Nachdem der Grundstein gelegt wurde, gab es in Hollywood kein Halten mehr. Das goldene Zeitalter löste einen regelrechten Film-Boom aus.

Ton- und Farbfilm

Erster Tonfilm: Der Jazzsänger

Plakat für Der Jazzsänger – Alan Crosland (1927)

Mit Der Jazzsänger wurde 1927 der erste Tonfilm veröffentlicht. Bis dato wurden Stummfilme von Livemusik oder Schallplatten unterlegt. Große Kinos hatten sogar eigene Orchester. Bereits kurz darauf entstanden die ersten vollständig synchronisierten Filme. In nur wenigen Jahren setzte sich der Tonfilm durch und sorgte für einen großen Boom von Musik- und Tanzfilmen.

Im selben Zug wurde auch Marlene Dietrich mit Der blaue Engel berühmt. Sie gilt bis heute als einflussreichste deutsche Schauspielerin aller Zeiten. Auch andere Genres wie Horror, Screwball-Comedy und Gangsterfilm erlebten einen Aufschwung.

Farbfilm war damals zwar keine neue Idee, da Filme schon im 19. Jahrhundert teilweise nachkoloriert wurden. Aber ab Mitte der 30er Jahre löste er den Schwarz-Weiß-Film ab, aufgrund neuer Dreifarbenverfahren, wie Technicolor.

Film im 2. Weltkrieg

Auch ein Star in Hollywood: Marlene Dietrich

Marlene Dietrich (1951)

Als 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht ergriffen, gingen viele Größen des deutschen Kinos, wie Fritz Lang und Marlene Dietrich, ins Exil. Viele fanden in Hollywood eine neue Heimat.

Im 2. Weltkrieg wurden in Deutschland neben harmlosen Heimatfilmen auch Propagandafilme (z.B. Triumph des Willens, Jud Süß) gedreht. Auch in den USA entstanden mit Kriegseintritt Propagandafilme von Filmgrößen wie Charlie Chaplin, Alfred Hitchcock und Walt Disney.

Richtungswechsel in Hollywood

Abgesehen davon stand Hollywood inhaltlich an einem Wendepunkt. Große, fantasievolle Klassiker, die vom Alltag ablenken konnten wie Vom Winde verweht, standen zunehmend einem gesellschaftskritischem Realismus gegenüber. Grund dafür war auch die Wirtschaftskrise in den USA, die 1929 mit dem Börsencrash “Black Friday” viele Arbeitnehmer und später auch Filmstudios finanziell ruinierte.

Film Noir: Goldenes Gift

Typischer Film Noir: Goldenes Gift – Jacques Tourneur (1947)

Das biografische Filmdrama über einen Zeitungsverleger Citizen Kane von Orson Welles floppte zwar bei Erscheinung an den Kinokassen, wird aber bis heute oft als bester Film aller Zeiten angeführt. Vor allem der revolutionäre Einsatz von Schnitt- und Montagetechniken setzte neue Standards.

Ab den 1940er Jahren entstanden auch einige zynischere Kriminalfilme mit hartgesottenen Protagonisten als Film Noir (Die Spur des Falken, Tote schlafen fest, Frau ohne Gewissen). Im Bereich der Komödie feierte Frank Capra (Es geschah in einer Nacht, Ist das Leben nicht schön?) Erfolge.

Strömungen im europäischen Kino

Vor dem Krieg löste im deutschen Film die Neue Sachlichkeit den Expressionismus der 20er Jahre ab. Auch Sozialkritik wie in Fritz Langs M – Eine Stadt sucht einen Mörder hielt erstmals Einzug.

In Frankreich hieß die vorherrschende Strömung Poetischer Realismus und wendete sich düstereren Lebenswirklichkeiten und Sozialkritik zu. Bedeutendste Regisseure des Poetischen Realismus sind Jean Renoir (Die große Illusion, Die Spielregel) und Jean Vigo (Atalante).

Die Ära Autorenfilm (bis ca. 1980)

Autorenfilmer: Orson Welles

Orson Welles (1937)

Während der Industrialisierung der Filmproduktion durch große Filmstudios in Hollywood trat der Regisseur in den Hintergrund. Orson Welles (Der Glanz des Hauses Amberson, Im Zeichen des Bösen) war Anfang der 1940er Jahre noch die Ausnahme, da er durch sämtlichen Produktionsstadien hindurch die kreative Kontrolle behielt. Nach und nach entstanden jedoch Bewegungen, die den Regisseur als Filmemacher in den Vordergrund rückten.

Frühe Autorenfilmer in Hollywood

Auch wenn das klassische Hollywoodkino der “goldenen Ära” zum Großteil automatisiert war und Genres wie Western, Abenteuer und Comedy bediente, gab es trotzdem Regisseure, die einen eigenen Stil innerhalb des Systems entwickelten.

Typischer Western: Der schwarze Reiter

Typischer Western: Der schwarze Reiter – James Edward Grant (1947)

Bedeutende Western der 50er und 60er Jahre stammen zum Beispiel von John Ford (Der schwarze Falke, Der Mann der Liberty Valance erschoss), Sergio Leone (Zwei glorreiche Halunken, Spiel mir das Lied vom Tod) und Fred Zinnemann (Zwölf Uhr Mittags).

Auch der Monumentalfilm erreichte einen Höhepunkt. Ben Hur stellte 1959 Produktionsrekorde auf, gewann unübertroffene 11 Academy Awards (Oscars) und war zudem Pionier der Bluescreen-Technik, bei der ein anderer Hintergrund in ein Bild eingefügt werden kann. Die Epen von David Lean (Lawrence von Arabien, Doktor Schiwago) gesellten sich in den 1960er Jahren dazu.

Bei Dramen und Komödien stach der vormalige Drehbuchautor Billy Wilder heraus. Mit Filmen wie Es geschah in einer Nacht und Boulevard der Dämmerung gelang es ihm die Grenzen zwischen Drehbuchautor und Regisseur zu durchbrechen.

Legendäre Autorenfilmer

Ebenfalls zu dieser Zeit gelang es zwei der wohl bedeutendsten Regisseure das Medium Film mit millimetergenauer Präzision an den Rand der Perfektion zu bringen.

Hitchcock

Autorenfilmer: Alfred Hitchcock

Alfred Hitchcock (1956)

Alfred Hitchcock gilt als “Master of Suspense”. Seine Thriller fesselten das damalige Publikum an die Kinoleinwand. Neue Erzähl- und Filmtechniken machten seine Filme zum Event. Der britische Autorenfilmer versuchte sich schon in den frühen 20er Jahren als Regisseur. Bereits in den 1930er Jahren schuf er Klassiker wie Der Mann, der zuviel wusste.

Spätestens mit seinem Wechsel nach Hollywood erreichte er Kultstatus. Cocktail für eine Leiche , Der Fremde im Zug , Bei Anruf Mord, Das Fenster zum Hof  und Über den Dächern von Nizza sind die Pflastersteine zu seinem Schaffenshöhepunkt (1958-1960). Vertigo und Der unsichtbare Dritte waren zwar zu ihrer Zeit nicht sehr erfolgreich, zählen heute aber zum absoluten Pflichtprogramm für Kinofans. 1960 erschien Hitchcocks kommerziell größter Erfolg Psycho. In diesem schwarz-weißem Horror-Thriller schockierte er das Publikum mit einem Prototypen für Slasher-Filme und Psychothriller. Kinobesucher, die für Psycho zu spät kamen wurden nicht mehr hereingelassen. So garantierte Hitchcock, dass keiner eine spannende Wendung im ersten Drittel des Filmes verpasste und es eignete sich als hervorragende Werbeaktion.

Sein Spätwerk (Topas, Frenzy, Familiengrab) wurde gemischt bis positiv aufgenommen. Er verstarb 1980 an Nierenversagen.

Kubrick

Autorenfilmer: Stanley Kubrick

Stanley Kubrick (1949)

Stanley Kubrick ist bekannt für seine minutiös geplanten Szenen, die auch die Schauspieler an ihre Grenzen brachte. Der Durchbruch gelang ihm mit Wege zum Ruhm. Als er mit Spartacus trotz großem kommerziellem Erfolg sehr unzufrieden war aufgrund seines mangelnden Einflusses, beschloss er nie wieder einen Film ohne komplette Kontrolle zu drehen.

Nach seiner Verfilmung des Skandalromans Lolita drehte er Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben, eine schwarze Komödie über den brandaktuellen kalten Krieg und die Bedrohung durch Atombomben. Kontroversen gab es ebenfalls um seine zwei Folgewerke. 2001: Odysee im Weltraum  machte Science-Fiction salonfähig und meistert die Balance zwischen philosophischem Existenzialismus und der genauen Darstellung der Raumfahrt, noch vor der ersten Mondlandung. Uhrwerk Orange zeigt in surrealen Bildern harte Gesellschaftskritik.

Nachdem Barry Lyndon – ein technisch unglaublich aufwendiger Historienfilm, gedreht nur mit natürlichem Licht – kommerziell scheiterte, folgten nur noch selten Filme. Der Horrorfilm Shining, der Antikriegsfilm Full Metal Jacket und die Verfilmung der Traumnovelle Eyes Wide Shut markieren das Spätwerk des exzentrischen Perfektionisten. Er starb 1999 an einem Herzinfarkt.

New Hollywood

Benimmregeln für Hollywood: Hays Code

Hays Code

Kubricks Werk verlief bereits parallel zur New Hollywood Bewegung. Sie entstand weil die meisten Filme aus der Traumfabrik ab den 60er Jahren inhaltlich immer belangloser wurden. Das neue Hollywood war selbstbewusst, rebellisch und unromantisch in seiner Darstellung. Die Reifeprüfung und Bonnie und Clyde (beide 1967) waren die Vorläufer der Stilrichtung.

Im selben Jahr wurde der Hays Code abgeschafft. Dieser regelte die moralisch akzeptablen Darstellungen in Kinofilmen seit 1934 verpflichtend. Dessen Durchsetzung fiel in den 60er Jahren bereits immer schwerer.

So traten junge, unbekannte Regisseure hervor und zuvor als Trash verrufene Genres, wie Horror (Rosemarie’s Baby, Der Exorzist, Halloween) und Science-Fiction (Planet der Affen, 2001: Odysee im Weltraum), stiegen ins Rampenlicht. Vor allem der Vietnamkrieg wurde in seiner brutalen Wirklichkeit und Sinnlosigkeit auf die Leinwand gebracht (Apocalypse Now, Die durch die Höllen gehen). Auch späte Western wurden pessimistischer und brutaler. Komödien wie Der Stadtneurotiker von Woody Allen setzten sich über Slapstick hinaus ohne anspruchslos zu werden. Den Höhepunkt erlebte New Hollywood in den 70er Jahren mit Starregisseuren wie Francis Ford Coppola (Der Pate – Teil I und II, Apcocalypse Now), William Friedkin (Brennpunkt Brooklyn) und Roman Polański (Chinatown).

Eher in der Tradition Kubricks steht David Lynch (Eraserhead, Mulholland Drive), dessen Filme oft zwischen Traum und Realität spielen.

Fließender Übergang zum Straßenfeger

Gegen Ende der Ära konnte Martin Scorsese (Hexenkessel, Taxi Driver, Wie ein wilder Stier) Kritiker, sowie Publikum überzeugen. Der zunehmend gemäßigtere Stil der Filme erhöhte die Massenkompatibilität enorm. Miloš Forman (Einer flog übers Kuckucksnest, Amadeus) z.B. nutzte nur noch einzelne Elemente des New Hollywood und näherte sich dem Trend zum Blockbuster an, der das amerikanische Kino bis heute beherrscht.

Heutige Autorenfilmer sind in Hollywood wieder die Ausnahme geworden. Während Christopher Nolan (Inception, Dunkirk) und James Cameron (Titanic, Avatar)  massentaugliche Blockbuster drehen, vermischt Quentin Tarantino (Pulp Fiction, Inglorious Basterds) verschiedene Genres und bedient sich der Intertextualität.

 

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Bilder: Gemeinfrei

Martin

Ich bin Werkstudent beim STARK Verlag. Neues lernen kann unglaublich spannend sein. Ich blogge auf schultrainer.de, um eure Neugier auf Trab zu halten.

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