Expressiv und laut – Der Schrei von Edvard Munch

Glutrot färbt die Sonne den abendlichen Himmel. Die Landschaft verwischt sich mit schwungvollen Pinselstrichen. Dunkle Gestalten schreiten über die Brücke, als plötzlich ein Schrei die Stille zerreißt.

Gemälde "Der Schrei"

Der Schrei von Edvard Munch

Über den Künstler Edvard Munch

“Meine Kunst gab meinem Leben einen Sinn.”
Edvard Munch

Wie alles begann…

Am 12. Dezember 1863 kam Edvard als Sohn des Militärarztes Christian Munch und der zwanzig Jahre jüngeren Kaufmannstochter Laura Catherine Bjølstad zur Welt. Seine Kindheit war gezeichnet von Verlust und Melancholie.

Fotografie Edvard Munch

Edvard Munch im Jahr 1902

Diagnosen fürs Leben

Als Edvard fünf ist, stirbt seine Mutter an Tuberkulose. Seine ältere Schwester Sophie erkrankt ebenfalls daran und die jüngere Schwester Laura leidet an Depressionen. Bei dem Künstler wird eine Borderline-Persönlichkeitsstörung festgestellt.

Munchs Lebenssinn

Nachdem Edvard die technische Schule besucht hatte, widmete er sich der Kunst in Paris. Seine ersten Gemälde waren gezeichnet vom Realismus. In seinem Werk “Das kranke Kind” versuchte Munch den Tod seiner Schwester zu verarbeiten. Ein Motiv, das ihn sein Leben lang begleitete. Es folgten Bilder mit impressionistischen Elementen.

Bekannt durch Succès de scandal

Edvard Munch erlangte schlagartig Berühmtheit, als die Öffentlichkeit seine erste Ausstellung im Berliner Architektenhaus als Provokation empfand. Die Schau war vom 5. bis 12. November 1892 geöffnet, bevor sie frühzeitig geschlossen wurde. Er blieb vorerst in Berlin.

Lebensfries

Im Jahr 1893 stellte Munch die ersten Bilder aus, die später unter den Namen Lebensfries erweitert wurden. Die Gemälde griffen Themen wie Tod und Melancholie auf und repräsentieren vor allem den Symbolismus. In den nachfolgenden Jahren erweiterte er die Sammlung.

“Ich habe keine anderen Kinder als meine Bilder.”
Edvard Munch

Isolation und Tod

Munch heiratete nie und hatte keine Kinder. Am 23. Januar 1944 starb Edvard Munch in der Künstlerkolonie Ekely in Oslo. In seinen letzten Jahren lebte er zunehmend isoliert und trennte sich ungern von seinen Bildern. Das Munch Museum wurden im norwegischen Oslo wenige Jahre später errichtet.

Der Expressionismus

Die Stilrichtung fand ihren Beginn um das Jahr 1905 und ist eng verknüpft mit der gleichnamigen literarischen Strömung. Sie entwickelte sich vor allem in und um Deutschland herum. Als der Erste Weltkrieg 1914 ausbrach, verlor der Expressionismus an Bedeutung. Im Dritten Reich galten die expressionistischen Werke gar als entartete Kunst.

Weg vom Naturalismus

So wie der Symbolismus, Fauvismus und der Impressionismus bewegte sich der Expressionismus gegen den Naturalismus. Er stellte jedoch das Gegenteil des Impressionismus dar.

Der innere Ausdruck

Der Name der Stilrichtung leitet sich vom lateinischen Wort expressio ab und bedeutet übersetzt “Ausdruck”. Mit ihren kräftigen Farben und der abstrakten Malweise thematisiert sie sowohl das Schöne als auch das Hässliche und Tabuisierte.

Im Gegensatz zum Impressionismus, der sich mit dem äußeren Ausdruck beschäftigt, widmet sich der Expressionismus dem Inneren zu. Es geht darum, wie der Mensch seine Realität erlebt und wie er dabei empfindet.

Gemeinsam kreativ: Künstlervereinigungen des Expressionismus

Innerhalb des Expressionismus entstanden unter anderem zwei bekannte Künstlervereinigungen. In Dresden fanden die Künstler Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff zusammen und nannten sich Die Brücke. Im Jahr 1912 entstand in München die Vereinigung Blaue Reiter, der zum Beispiel Wassily Kandinsky und Franz Marc angehörten.

Schrei der Angst

“Ich ging spazieren mit zwei Freunden. Da sank die Sonne. Auf einmal ward der Himmel rot wie Blut, und ich fühlte einen Hauch von Wehmut. Ich stand still und lehnte mich an das Geländer. Über dem blauschwarzen Fjord und über der Stadt lag der Himmel wie Blut und wie Feuerzungen. Meine Freunde gingen weiter, und ich stand allein, bebend vor Angst. Mir war, als ging ein mächtiger, unendlicher Schrei durch die Natur.”
Edvard Munch

Litographie "Der Schrei"

Lithographie

Es war dieses Erlebnis, das Munch zu seinem Werk Der Schrei inspirierte. Das schemenhafte Gesicht, das panisch den Mund aufreißt und sich die Ohren zuhält: es drückt die Angst aus, die er in diesem Moment empfand. Das Bild spiegelt seine inneren Empfindungen wieder, welche die idyllische Fjordlandschaft vor seinen Augen verschwimmen lässt. Durch das Gemälde wird Munch zu einem wichtigen Wegbereiter des Expressionismus.

Ein Schrei reicht nicht

Der Schrei ist der Titel von insgesamt vier Werken und eine Lithographie des Künstlers. Sie alle entstanden zwischen 1893 und 1910. Andy Warhol schien fasziniert von dem Motiv und stellte bunte Drucke des Werkes her, die im New Yorker Scandianvia House Prints ausgestellt wurden.

Wie Der Kuss von Gustav Klimt hat das Motiv Der Schrei bis heute weder an Faszination noch an Bedeutung verloren. Das Bild verkörpert nach wie vor aufwühlend die innere Zerrissenheit des modernen Menschen.


Bilder: Gemeinfrei

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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