Utopie und Dystopie – Was ist das?

Stell dir Folgendes vor: Die Regierung wählt jedes Jahr 24 Teenager aus und lässt sie in einer künstlichen Umgebung, der Arena, bis zum Tod gegeneinander kämpfen. Das klingt wie Science-Fiction? Das ist es zum Glück. Es ist die Schreckensvision in Suzanne Collins Buch The Hunger Games (Die Tribute von Panem). Collins zeichnet in ihrem Buch ein düsteres Bild der Zukunft. Trotz oder gerade wegen dieser finsteren Vision erfreut sich die Reihe enormer Beliebtheit. Sie war in Buchläden und an den Kinokassen ein großer Erfolg. Vor allem junge Leute sind fasziniert von derartigen Dystopien, sei es als Buch oder Film. In diesem Artikel findet ihr heraus, was eine Dystopie ist, sowie Beispiele für die besten Dystopien.

Was bedeutet Dystopie?

Utopie Laut Duden ist eine Dystopie eine „fiktionale, in der Zukunft spielende Erzählung oder Ähnliches mit negativem Ausgang“. Die Begriffe leiten sich von dem griechischen Wort topos für „Ort“ und ou für „nicht“ ab, bzw. dys für „schlecht“. Eine Dystopie oder Anti-Utopie ist eine imaginäre futuristische Welt, in der ein unterdrückerisches Regime, eine mächtige Technologie oder ein korrupter Großkonzern das Leben der Menschen kontrolliert.

Was macht eine Dystopie aus?

Dystopie Zukunftsvision Dystopien beginnen in vielen Fällen mit der Vorstellung einer vermeintlich perfekten Gesellschaft, einer Utopie. Im Verlauf der Geschichte erkennen die Figuren und die Leser bzw. Zuschauer, dass diese fiktive Welt nicht perfekt ist. Dystopien konzentrieren sich in den meisten Fällen auf aktuelle gesellschaftliche, technologische oder politische Tendenzen. Sie zeigen mögliche Konsequenzen dieser Entwicklungen auf, wenn man sie zu Ende denkt. Im Grunde handelt es sich um übertriebene Worst-Case-Szenarios. Der Autor oder die Autorin beschreibt eine negative Vision der Zukunft. Auf diese Weise hält er oder sie der Gesellschaft den Spiegel vor und regt sie zum Nachdenken an. Dystopien dienen als Warnungen und zur Abschreckung vor unheilvollen Entwicklungen.

Geschichte der utopischen Literatur

Utopien haben in der Literatur eine lange Geschichte. Im Jahr 1516 legte der englische Staatsmann Thomas More sein philosophisch-politisches Werk Utopia vor. Er hob damit ein neues literarisches Genre aus der Taufe. Der Autor beschreibt in seiner Utopie die perfekte Gesellschaft und kontrastiert sie kritisch mit den sozialen und politischen Missständen seiner Zeit. Seinem Beispiel folgend nahmen viele Schriftsteller*innen die sozialen, technischen und wissenschaftlichen Entwicklungen in ihre Werke auf. Zum einen zeigten sich vor allem frühe Autorinnen und Autoren in ihren Utopien optimistisch gegenüber neuen technischen Errungenschaften und Entwicklungen. Zum anderen verarbeiteten viele Schriftsteller*innen Zukunftsängste.

Themen und Tendenzen

Zu den häufigsten Motiven in Literatur und Film gehören der technologische und medizinische Fortschritt ebenso wie Weltuntergangsszenarien.

Wissenschaft und künstliche Intelligenz

Dystopie künstliche Intelligenz Viele Bücher und Filme handeln vom Kampf zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz. Sie zeichnen furchtbare Zukunftsvisionen, in denen Computer oder Maschinen die Macht übernehmen. Das passiert beispielsweise in den Filmen Blade RunnerTerminatorI, Robot und Her.

Gentechnologie

Dystopie Genetik Ein weiteres Thema ist der technologische Fortschritt und die Möglichkeit der Erschaffung von „Übermenschen“. Es geht um die Vorstellung, Perfektion durch Gentechnik zu erreichen. Am Ende machen genetische Veränderungen die Individualität und das Streben nach Glück unmöglich. Statt der erträumten sozialen Stabilität entsteht eine Spaltung in zwei Klassen. Es gibt zum einen perfekte Menschen, die im Labor erzeugt wurden. Zum anderen gibt es Menschen zweiter Klasse, die auf natürlichem Weg gezeugt wurden, mit allen möglichen „Defekten“. Es geht um aktuelle Angelegenheiten wie Klonen und Designerbabies, wie sie beispielsweise der Roman Schöne Neue Welt von Aldous Huxley und der Film Gattaca behandeln.

Gesellschaftsordnung

Dystopie Gesellschaft vs. Individuum Die meisten Dystopien befassen sich mit der Unterdrückung individueller Interessen und Freiheiten. Sie handeln von totalitären Regimen, totaler Überwachung, Agitation und Propaganda. Die Gesellschaft befindet sich in einem hoffnungslosen Kampf um ihre Individualität und Unabhängigkeit. Die Bürger müssen die Abschaffung von Grundrechten wie Presse- und Meinungsfreiheit und Privatsphäre ertragen. Die modernen Technologien und sozialen Medien dienen zur Massenkontrolle. Die Garantie von Sicherheit ist der Deckmantel für die totale Durchsichtigkeit des gläsernen Menschen. Das ist unter anderem der Grundgedanke in den Romanen 1984 von George Orwell und Fahrenheit 451 von Ray Bradbury.

Weltuntergangsszenarien

Dystopie Weltuntergang Die größte Herausforderung für die Welt ist der Klimawandel. Es verwundert nicht, dass manche Weltuntergangsszenarien Naturkatastrophen und von Menschen verursachte Notlagen behandeln. Dazu gehören ebenso Ängste vor einem atomaren Super-GAU, der die Welt verwüstet. Autorinnen und Autoren warnen vor der militärischen Verwendung von Atomkraft, die alles Leben vernichtet. Davon handelt unter anderem Cormac McCarthys Roman The Road. Des Weiteren geht es um die Erderwärmung, die neue klimatische Verhältnisse hervorbringt. Die Botschaft lautet, dass sich die Natur an der Menschheit rächt. Roland Emmerich setzt dies in seinem Film The Day After Tomorrow um.

Warum sind Dystopien immer (noch) erfolgreich und beliebt?

Zahlreiche Krisen und Notlagen erschütterten das 20. Jahrhundert. Vor diesem Hintergrund entwarfen viele Schriftsteller*innen negative Szenarien der Zukunft. George Orwells Horrorszenario über Big Brother, die Repräsentationsfigur eines totalitären Regimes, ist in die Alltagssprache übergegangen. Andere Elemente, vor denen Schriftsteller*innen gewarnt haben, sind Wirklichkeit geworden. Ein Beispiel ist das Risiko, dass wir uns in der virtuellen Realität verlieren.

Weitere gegenwärtige Erscheinungen sind soziale Isolation, die Konsumgesellschaft unter dem Einfluss großer Konzerne und Medien oder das steigende Aggressionspotenzial. Dystopische Romane behandeln angstbesetzte und brisante Themen unserer Zeit und bringen damit die Leser zum Nachdenken und zur Meinungsbildung. Die Leserschaft hat die Möglichkeit, sich mit ihren Ängsten auseinanderzusetzen. Das geschieht in einem geschützten Raum, einem Roman oder Film, dessen Handlung ausschließlich in der Vorstellung existiert. Die Fantasie erlaubt es, sich auf faszinierende Abenteuer und Gedankenexperimente einzulassen. Angst braucht man nicht zu haben, zumal nicht alles echt ist – noch nicht.

Utopie NachtDie besten dystopischen Bücher und Filme

Schöne Neue Welt (Brave New World, Roman: Aldous Huxley, 1932)

1984 (Nineteen Eighty-Four, Roman: George Orwell, 1948, Film: Michael Radford, 1984)

Fahrenheit 451 (Roman: Ray Bradbury, 1953, Filme: François Truffaut, 1966 und Ramin Bahrani, 2018)

Uhrwerk Orange (A Clockwork Orange, Roman: Anthony Burgess, 1962, Film: Stanley Kubrick, 1971)

Blade Runner-Franchise (Roman: Philip K. Dick, 1968, Filme: Ridley Scott und andere, seit 1982)

Terminator-Franchise (James Cameron und andere, seit 1984)

Der Report der Magd (The Handmaid’s Tale, Roman: Margaret Atwood, 1985, Film/Serie: Volker Schlöndorff, 1990, Bruce Miller, 2017)

Gattaca (Andrew Niccol, 1997)

Hüter der Erinnerung (The Giver, Roman: Lois Lowry, 1993, Film: Philip Noyce, 2014)

The Matrix-Franchise (The Wachowskis, 1999-2003)

A.I. (Steven Spielberg, 2001) Minority Report (Kurzgeschichte: Philip K. Dick, 1956, Film: Steven Spielberg, 2002)

The Day After Tomorrow (Roland Emmerich, 2004)

I, Robot (Kurzgeschichten: Isaac Asimov, 1950, Film: Alex Proyas, 2004)

The Road (Roman: Cormac McCarthy, 2006, Film: John Hillcoat, 2009)

Die Tribute von Panem (The Hunger Games, Roman: Suzanne Collins, 2008, Film: Gary Ross, 2012)

Corpus Delicti (Roman: Juli Zeh, 2009)

Die Auserwählten (The Maze Runner, Roman: James Dashner, 2009, Film: Wes Ball, 2014)

Delirium (Roman: Lauren Oliver, 2011)

Die Bestimmung (Divergent, Roman: Veronica Roth, 2011, Film: Neil Burger, 2014)

Her (Spike Jonze, 2013)

Der Circle (The Circle, Roman: Dave Eggers, 2013, Film: James Ponsoldt, 2017)

Unterwerfung (Soumission, Roman: Michel Houellebecq, 2015, Film: Titus Selge, 2018)

Alle Bilder im Beitrag © 2019 Pixabay

Wenn Briefe dich entführen: der Briefroman

 

Simon

Als Lehrer an einem Gymnasium in Bayern hatte ich schon die Möglichkeit als Autor an einigen Trainingsbüchern des STARK-Verlags mitzuarbeiten und etwas Verlagsluft zu schnuppern. Nun schreibe ich für schultrainer.de und möchte den Leserinnen und Lesern einige Einblicke in den Schulalltag und die Bildungslandschaft geben sowie über andere relevante und interessante Themen berichten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.