Vernünftig und geordnet: die Zeit des Biedermeier

Du magst es ruhig und geordnet? Du achtest darauf, dass du innerlich ausgeglichen bist? Deine Familie und Traditionen sind dir wichtig? Dann wäre die Zeit des deutschen Biedermeier die richtige Epoche für dich gewesen. Die literarische Zeitspanne und ihre typischen Merkmale stellen wir dir hier vor.

Gemälde von Carl Spitzweg

„Der Sonntagsspaziergang“ von Carl Spitzweg

Kind der Klassik

Die Zeitspanne Biedermeier wird zwischen 1815 und 1848 eingeordnet. Die Epoche fand zeitgleich zur späten Romantik, dem Vormärz und dem Jungen Deutschland statt.

Vormärz: Der Vormärz ereignete sich zeitgleich zum Biedermeier und verhielt sich gegensätzlich zu diesem. Er begann mit dem Wiener Kongress 1815 und endete mit der Märzrevolution 1848/49. Die Epoche war geprägt von Liberalismus, Sozialismus, Nationalismus, den Anfängen der Industrialisierung und der Restauration.

Ursprung des Begriffes Biedermeier

Lange Zeit wurde der Begriff Biedermeier negativ wertend für den Lebensstil genutzt. Die Bezeichnung stammt aus der spöttischen Gedichtesammlung Gedichte des schwäbischen Schulmeisters Gottlieb Biedermaier. Gemeint ist damit sowohl die Kultur, die Kunst, die Mode, Musik als auch die Innenarchitektur, die zu dieser Zeit entstand und als konservativ eingestuft wurde.

Klassisch und romantisch

Die Epoche Biedermeier knüpft an die Klassik und die Romantik an. Aus der Klassik übernimmt das Biedermeier die Werte der Humanität und der Harmonie. Die Romantik beeinflusst die literarische Periode mit ihrer Idee des Schönen, der Verbindung von Natur und Geist. Den romantischen Subjektivismus lehnte man hingegen ab.

Pusteblume

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Konservativ und still

Vertreter des Biedermeier vertraten konservative Werte, enthielten sich jedoch einer politischen Meinung. Sie entzogen sich dem aktuellen Zeitgeschehen oder konzentrierten sich auf die Restauration, die der Wiener Kongress 1814/15 ausgelöst hatte.

Die Einstellung zum Leben war schwermütig, resigniert und still. Man verlor sich in der Weite von Landschaften und idealisierte die eigenen Werte. Allem, das den ruhigen Lebensstil bedrohte, begegnete man mit Vernunft und Ordnung. Leidenschaft wurde gezähmt.

Das Maß aller Dinge

Im Fokus des Biedermeier stand das Private und die Tradition. Das Individuum erhob sich nicht, sondern übte sich in Bescheidenheit und Genügsamkeit. Man konzentrierte sich auf die Bildung der inneren Harmonie, die bereits die Klassik vermittelte. Im Fokus stand die Mäßigung.

Wie erkennst du Texte des Biedermeier?

Die Werte des Biedermeier beeinflussten die Literatur in Deutschland. Die Autoren schrieben in schlichter, verständlicher Sprache. Details und Bildlichkeit wurde hoch geschätzt. Man behandelte Themen wie Familie, Ordnung, Idylle, Schicksal sowie Verzicht. Dabei sollte die literarische Welt den heilen Gegensatz zur Realität darstellen.

Mohnblumen

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Die literarischen Gattungen in der Biedermeierzeit

Die Dramen, die zwischen 1815 und 1848 entstanden, waren oftmals für die Volksbühne gedacht. Zudem schrieb man klassizistische Stücke und Lustspiele. In der Lyrik tendierte man im Biedermeier zu Gedichtzyklen, Volksliedern und Balladen.

In der Epik präsentierte sich das Biedermeier vor allem in den Formen Novelle, Märchen, Erzählungen und Idylle. Meistens waren die Werke von kleineren Umfang, es gab aber auch umfassende Entwicklungsromane.

Autoren und Werke der Biedermeierzeit

Autoren wie Eduard Mörike, Franz Grillparzer, Heinrich Clauren, Jeremias Gotthelf und Adalbert Stifter schrieben Werke, die repräsentativ für die Biedermeierzeit sind. Die Autorin Annette v. Droste-Hülshoff trug großen Anteil mit ihrer Novelle Die Judenbuche und die Ballade Der Knabe im Moor an der Literaturepoche Biedermeier bei.

Nicole

Nach meinem Studium habe ich nun als Praktikantin beim STARK-Verlag begonnen, um berufliche Erfahrungen zu sammeln. Auf schultrainer.de blogge ich über Themen, die ich interessant und spannend finde.

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