Stilmittel: Der Schlüssel zu Texten

Lyrik und Dramen stecken voller Poesie. In ihnen leben Gefühle, die in Worte gefasst sind. Gedanken und Träume verschiedener Jahrhunderte wurden in ihnen zu Versen geformt – verschlüsselt mit rhetorischen Stilmitteln. Die wichtigsten Stilmittel für die Textanalyse stellen wir dir in diesem Beitrag vor.

Schlüssel auf Text

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Textanalysen stilsicher bewältigen

Die Textanalyse setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen. Ihr Ziel ist es, die Textaussage und die Absicht der Autorin oder des Autors zu begreifen. Hierfür untersucht man Inhalt sowie Merkmale und setzt sie miteinander in Verbindung. Zu den Untersuchungsgegenständen gehören unter anderem die Form, die Textsorte und die sprachliche Gestaltung. Um die Sprache genau untersuchen zu können, ist ein Grundwissen über die verschiedenes Stilmittel nötig.

Überblick: Die wichtigsten Stilmittel

Schriftsteller*innen und Dichter*innen nutzen Stilmittel bzw. rhetorische Mittel, um bestimmte Satzbausteine zu betonen. Diese beinhalten wertvolle Informationen, die Aussagen über die Intention und Bedeutung liefern. Eine Tabelle, mit der du die wichtigsten Stilmittel lernen kannst, findest du am Ende des Beitrags.

Wiederholung ist alles: Alliteration, Anapher, Epipher

Alpaka

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Die Alliteration bezeichnet alle aufeinanderfolgenden Wörter, die mit dem gleichen Buchstaben beginnen.

Beispiele für eine Alliteration:

acht achtsame Alpakas

Dick und Doof

Die Anapher und die Epipher sind gegensätzliche Stilmittel. Die Anapher bezieht sich auf den Anfang eines Satzes. Man spricht von ihr, wenn mehrere aufeinanderfolgende Sätze mit dem gleichen Wort oder Satzteil beginnen. Die Epipher bedeutet das gleiche für das Satzende.

Beispiel für eine Anapher: Der Hund bellte laut. Der Hund bellte so laut, dass er den Postboten vertrieb.

Beispiel für eine Epipher: Morgen kommt der Weihnachtsmann. Alle mögen den Weihnachtsmann.

Übertrieben ist gut: Hyperbel, Klimax, Pleonasmus

Die Hyperbel übertreibt gerne. Die sprachliche Wurzel des Wortes bedeutet “übertreffen” oder “übersteigen”.

Beispiel für eine Hyperbel: Ich warte seit Jahrhunderten auf dich!

Treppe

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Die Klimax steht für die Steigerung eines Begriffes. Die ursprüngliche Bedeutung aus dem Griechischen lautet “Treppe” oder “Leiter”. Der Ausdruck wird bei diesem Stilmittel stufenweise gesteigert.

Beispiel für eine Klimax: Die Kinder gehen, laufen, rennen. 

Der Pleonasmus stammt von griechischen Wort pleonasmós, das übersetzt “Überfluss” bedeutet. Gemeint ist eine Häufung von Begriffen, die eine vergleichbare Bedeutung besitzen.

Beispiele für einen Pleonasmus: runder Kreis; hohes Hochhaus

Besser? Schöner? Der Vergleich

Der Vergleich beinhaltet seine Funktion im Namen und ist oftmals durch “wie” oder “als” gekennzeichnet. Er dient als Stilmittel der Verbildlichung.

Beispiel für einen Vergleich: Die Zeit zieht sich wie Kaugummi.

Die Metapher leitet sich ab von metaphorá (dt. “Übertragung”). Sie schafft einen bildlichen Vergleich, ohne “wie” oder “als” zu benutzen.

Beispiel für eine Metapher: Ich habe Schmetterlinge im Bauch.

Rote Rose

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Das Symbol mit seinem ähnlich klingenden griechischen Ursprung sýmbolon markiert ein “Zeichen”. Es handelt sich um ein Sinnbild, das den meisten Menschen bekannt ist.

Beispiel für ein Symbol: rote Rose (für die Liebe)

Die Personifikation lässt einen Gegenstand oder etwas Abstraktes handeln wie eine Person.

Beispiel für eine Personifikation: Die Blätter tanzen im Wind.

Gegensätze ziehen sich an

Yin und Yang

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Die Antithese (gr. antíthesis – dt. “Gegensatz”) beschreibt zwei Begriffe, die zwar zusammen aufgeführt werden, aber gegensätzliche Bedeutung haben.

Beispiele für Antithesen: Freude und Leid; Tag und Nacht

Das Oxymoron ist ein Stilmittel, das sich selbst widerspricht. Sein Ursprung, oxýmōron, setzt sich zusammen aus oxýs für “scharfsinnig” und móros “dumm” beziehungsweise “töricht”.

Beispiele für ein Oxymoron: alter Knabe; bittere Süße; schwarze Milch

Mehr Beispiele für das Oxymoron findest du hier.

Der Euphemismus beschreibt die Dinge schöner als sie tatsächlich sind. Dies drückt der Wortstamm euphemeĩn aus.

Beispiel für einen Euphemismus: Er schied dahin. (statt “Er starb.”)

Die Litotes stammt vom altgriechischen Wort litótēs ab und bedeutet übersetzt “Zurückhaltung” oder “Einfachheit”. Eine Aussage wird bei diesem Stilmittel doppelt verneint und somit abgeschwächt oder ironisiert.

Beispiel für eine Litores: nicht schlecht

Die Ironie ist ein bekanntes Stilmittel, das sich gerne spöttisch zeigt. Das altgriechische Wort eirōneía heißt nichts anderes als das. Jemand verstellt sich, indem er etwas anderes sagt als er meint.

Beispiel für Ironie: Das hast du ja ganz toll gemacht!

Den Satzbau betreffende Stilmittel

Philosoph

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Der Parallelismus stammt vom griechischen Wort parállēlos, welches als “nebeneinander” übersetzt werden kann. Man spricht davon, wenn zwei aufeinanderfolgende Sätze den gleichen Satzbau haben, oder zwei Satzteile dieselbe Struktur aufweisen.

Beispiel für den Parallelismus: Peter besucht Anna. Franz verflucht Clara.

Das Enjambement ist ein Stilmittel, das sich vom Französischen enjamber herleitet. Übersetzt bedeutet enjamber “überspringen”. Der Satz endet nicht mit dem Vers, sondern geht in den nächsten über.

Beispiel für das Enjambement: Der Wind trägt geschwind / den Schmerz weg vom Kind.

Die Inversion wurde vom lateinischen inversio – zu Deutsch “Umkehrung” – abgeleitet. Die normale Satzstellung wird umgestellt.

Beispiel für Inversion: Der Mensch einen seltsamen Eindruck auf mich machte.

Auch die rhetorische Frage ist ein Stilmittel. Bei dieser besonderen Form der Frage ist die Antwort eigentlich längst bekannt.

Beispiel für eine rhetorische Frage: Ist es nicht schön?

Die Ellipse lässt etwas aus. Folglich fehlt ein Wort oder ein ganzer Satzteil.

Beispiele für Ellipsen: Ohne Wenn und Aber; Ende gut, alles gut!

Stilmittel des Alltages

Im Begriff Neologismus stecken die griechischen Wörter néos (“neu”)und lógos (“Wort”). Es handelt sich um neue Wortschöpfungen, die nicht zwangsläufig im Wörterbuch zu finden sind.

Beispiel für einen Neologismus: Ausschließeritis

Die Lautmalerei bezeichnet Wörter, die ein Geräusch aus der Natur beziehungsweise aus dem alltäglichen Leben wiedergeben.

Beispiele für Lautmalerei: Miau; Brumm. 

 

Alle Stilmittel im Überblick kannst du dir hier kostenlos als pdf-Datei herunterladen.


Bilder: Gemeinfrei

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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