Restauration: Junges Deutschland, Vormärz und Frührealismus

Der Wind roch nach kaltem Widerstand, während sich die Vertreter*innen des Biedermeier zurückzogen. Nach dem Wiener Kongress 1815 herrschte Unmut in Deutschland, der sich in verschiedenen literarischen Strömungen sichtbar machte. Zu ihnen zählen das Junge Deutschland, der Vormärz und der Frührealismus, die während der politischen Restauration entstanden. Mehr über die verschiedenen Richtungen, ihre stilistischen Merkmale und Unterschiede erfährst du in diesem Beitrag.

Restauration im 19. Jahrhundert: Aufwind und Rückzug

Karl Marx, Journalist zur Zeit des Vormärz

Einer, der sich ins Exil flüchtete, war der Philosoph und Journalist Karl Marx.

Zwischen dem Wiener Kongress (1814/15) und der deutschen Märzrevolution 1848 gingen die Menschen unterschiedlich mit den politischen Veränderungen und Umständen um. Die verschiedenen Herangehensweisen spiegeln sich in der Literatur wieder. Parallel zur Biedermeierzeit entstanden neue literarische Strömungen.

Industrie und Naturwissenschaft

Die Industrialisierung veränderte das Leben der Menschen, die überwiegend unter der neuen Wirtschaftsform litten. Sie wehrten sich dagegen, doch sie hatten keine Chance – wie das Beispiel der schlesischen Weber zeigt. Die Geisteswissenschaften etablieren sich an den Universitäten, während die Naturwissenschaften große Fortschritte machten.

Das politische Geschehen während der Restauration

Karikatur Karlsbader Beschlüsse

Karikatur auf die Karlsbader Beschlüsse um 1820

Deutschland war nach Napoleon und dem Wiener Kongress ein Flickenteppich aus verschiedenen Fürstentümern, die unter dem Titel Deutscher Bund zusammengehörten. Um ihre Macht erneut zu festigen, setzten sich die Fürsten für die absolutistische Ordnung des vorangegangen Jahrhunderts ein.

Die Burschenschaften feierten unter den Farben Schwarz, Rot, Gold die deutsche Einheit, während die Rechte des Einzelnen durch die Karlsbader Beschlüsse 1819 beschränkt wurden. Die starke Pressezensur förderte die Macht des strengen Polizeistaates und die autoritären Strukturen.

Die Menschen wehrten sich verzweifelt, wie die Julirevolution 1830 in Paris zeigt. Die Zensuren lockerten sich jedoch erst unter der preußischen Herrschaft von Friedrich Wilhelm IV. 1840. Der Kampf um ein einheitliches, demokratisches Deutschland gipfelte in der Märzrevolution 1848.

Literarische Merkmale der Epoche

Die Menschen gingen mit der zunehmend eingeschränkten Freiheit unterschiedlich um: Während sich die einen zurückzogen, rebellierten die anderen. Auf der Seite der Kämpfenden standen das Junge Deutschland und der Vormärz. Auf der anderen Seite zogen sich die Vertreter*innen des Biedermeier zurück.

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Stimmung in der Zeit der Restauration

Die Zeitungsliebhaberei Kupferstich

Die Zeitungsliebhaberei. Kupferstich um 1837

Den politischen und sozialen Gegebenheiten traten die Literatinnen und Literaten rational gegenüber. Sie wollten die Natur und die Gesellschaft detailliert erfassen, wobei wissenschaftliche Fakten im Vordergrund standen. Aus diesem Grund wird die Epoche auch als Frührealismus bezeichnet.

Private Kreise wie Vereine gewannen für die Menschen an Relevanz, weil sie sich dort zurückziehen und frei äußern konnten. Es war eine Reaktion auf die Zensur und die Unterdrückung der Meinungsfreiheit.

Textformen der Epoche

Die Texte, die die Autorinnen und Autoren schrieben, waren überwiegend kurz. Typische Formen waren die Lyrik und die Novelle, die in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht wurden. Dabei spielte die Nähe zum Volk (zum Beispiel in Form der Dorfgeschichte) eine wichtige Rolle.

Die Literatinnen und Literaten der Zeit lehnten die Romantik und die Klassik ab. Sie waren der Meinung, dass diese Epochen zu idealisiert seien und nur der Flucht aus den realen Umständen dienten.

Die Presse wurde als Kampfmittel eingesetzt und es herrschte eine Vorliebe für Tagesliteratur. Viele literarische Formen, wie Reiseberichte und Briefe, standen an der Grenze zur Publizistik. Literatur sollte zur Meinungsbildung beitragen und die reaktionär-restaurative Politik bekämpfen.

Der Vormärz und das Junge Deutschland

Der ursprünglich politische Begriff Vormärz bezieht sich auf die Zeit zwischen der Julirevolution 1830 und der Märzrevolution 1848. Das Junge Deutschland war eine Bewegung innerhalb des Vormärz.

Die Vertreter*innen der Gruppe Junges Deutschland zogen sich nicht zurück. Sie engagierten sich für die Rechte der Freiheit und kritisierten die Missstände in der Politik und Gesellschaft. Sie forderten ein vereintes, gerechtes, demokratisches Deutschland und die Gleichstellung der Frauen.

Kirche und Religion unterstützen in ihren Augen die politischen und gesellschaftlichen Missstände. Marx äußerte in seinen Schriften, die Kirche würde den Menschen ein gutes Leben nach dem Tod versprechen, um das jetzige auszublenden. Er bezeichnete die Religion als “Opium des Volkes”.

Die Folge ihres politischen Engagement war, dass viele Autorinnen und Autoren ins Exil gehen mussten. Unter ihnen waren Marx, Engels, Büchner und Heine.

Bekannte Gesichter des Vormärz

Die literarische Epoche war geprägt von einigen Autorinnen und Autoren, die bis heute gelesen werden.

Georg Büchner

Georg Büchner verbrachte seine Kindheit in Darmstadt, bevor er in Straßburg ab 1831 ein Medizinstudium begann. Hier hatte er erste Verbindungen zu republikanischen Studentenkreisen, die die politischen und sozialen Verhältnisse in Deutschland kritisierten.

Georg Büchner

Georg Büchner

Er ging nach Gießen, um dort sein Studium abzuschließen. Zeitgleich engagierte er sich beim Widerstand, wo er Ludwig Weidig kennen lernte. Er gründete eine Sektion der Gesellschaft der Menschenrechte und setzte sich für die Befreiung politischer Gefangener ein.

Büchner schrieb den Hessischen Landboten, der als Flugschrift heimlich gedruckt und verteilt wurde. Er befürwortete eine Revolution, die die soziale Ordnung komplett umkrempeln sollte.

In Darmstadt schrieb Georg Büchner sein Drama Dantons Tod, wobei seine Lage nach und nach gefährlicher wurde. Er suchte Exil in Straßburg, wo er seine psychologische Studie Lenz verfasste.

Im Jahr 1836 trieb es ihn als Privatdozent nach Zürich an die Universität. Hier schrieb er seine Werke Leonce und Lena sowie Woyzeck. Letzteres blieb als Fragment erhalten, da er 1837 an Typhus starb.

Büchners wichtigste Werke im Überblick:

  • Dantons Tod (1835)
  • Woyzeck (1836/37)
  • Lenz (1839)

Heinrich Heine

Heinrich Heine, Lyriker zur Zeit des Vormärz und er Restauration

Der Lyriker Heinrich Heine

Heinrich Heine erblickte 1797 als Sohn von jüdischen Kaufleuten in Düsseldorf das Licht der Welt. Wie es ihm in die Wiege gelegt wurde, begann er zunächst eine Ausbildung zum Kaufmann. Ein Jurastudium folgte, das er 1826 abschloss.

Nach seinem Studium arbeitete er als Journalist. Er reiste viel und ging als Korrespondent für die Augsburger Allgemeine Zeitung nach Paris. Weil seine Schriften politisch motiviert waren und die sozialen Zustände kritisch betrachteten (siehe Die schlesischen Weber), wurden seine Texte 1835 in Deutschland verboten.

Heine lässt sich interessanterweise keiner literarischen Gruppierung zuordnen. Seine Werke sind geprägt von Widersprüchen und Kontrasten, wobei er diverse Gattungen miteinander mixte. Der Schriftsteller lehnte die Klassik und Romantik zwar ab, stellte aber dennoch einen künstlerischen Anspruch an literarische Werke.

Heine gilt bis heute als einer der bedeutendsten Lyriker Deutschlands. In seinen Werken mischt er einfache Formen mit Ironie, wobei Zorn und Melancholie aufeinander treffen.

Heinriche Heine litt acht Jahre an einer Erkrankung am Rückenmark, bevor er 1856 in Paris starb.

Heines bekanntesten Werke im Überblick:

  • Lyrisches Intermezzo (1823)
  • Reisebildern (1826-1831)
  • Buch der Lieder (1827)
  • Neue Gedichte (1844)
  • Deutschland – Ein Wintermärchen (1844)
  • Ramanzero (1851)

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Mehr zur Literatur der Restauration, Junges Deutschland, Vormärz, Biedermeier und anderen Epochen inklusive Lernvideos findest du in Deutsch-KOMPAKT Literaturgeschichte.


Folgende Literaturepochen findest du auf schultrainer.de:

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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