Postmoderne und Gegenwartsliteratur: Literatur nach 1989

Die Literatur nach 1989, nach der Wiedervereinigung Deutschlands, bezeichnet man als Gegenwartsliteratur. In diesem Beitrag lernst du die Autorinnen und Autoren der sogenannten Postmoderne kennen. Finde heraus, welche Themen die Literaten beschäftigen und welche wichtige Werke du kennen solltest.


Inhalt

Wandel nach 1989: Was die Menschen bewegte

Themen der Gegenwartsliteratur

Was ist die Postmoderne?


Wandel nach 1989: Was die Menschen bewegte

DDR Mauer

Die Wende brachte auch für die Literatur große Veränderungen.

Im Jahr 1989 war es endlich soweit: die Mauer fiel. DDR und BRD wurden wieder vereint. Der Kalte Krieg nahm ein Ende. Diese Veränderung brachte für die Politik neue Herausforderungen mit sich.

Es trafen Menschen aufeinander, die unterschiedlich stark von verschiedenen Sozialstrukturen und Wirtschaftsformen geprägt waren. Nach der Wende traten in den Alltag der Menschen neue Themen, die ihr Leben veränderten.

Aufbau des Ostens in Deutschland

Der Osten musste wirtschaftlich neu aufgebaut werden. Zeitgleich musste die Rolle Deutschlands neu definiert werden. Vorurteile gegeneinander schlugen sich in den Bezeichnungen Ossis (ehemalige DDR) und Wessis (BRD) wieder.

Menschen aus anderen Ländern

Die Integration anderer Kulturen wurde zunehmend wichtiger. Neben den Menschen aus der DDR zogen viele Osteuropäer*innen Richtung Westen – vor allem aus Russland.

Wandel der Massenmedien

Apps für Soziale Medien

Smartphones, Apps, soziale Medien: Aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken!

Die privaten TV-Programme wurden fester Bestandteil im Fernsehprogramm. Die technischen Möglichkeiten entwickelten sich weiter und das Internet hielt Einzug in alle Haushalte. Hinzu kam die Mobiltelefonie, die heute fest in unserem Alltag verwurzelt ist.

Themen der Gegenwartsliteratur

In der deutschen Gegenwartsliteratur taucht immer wieder das Thema der Wende auf. Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller thematisieren die Erfahrungen, die die Umbrüche mit sich bringen.

Das biografische Schreiben gewinnt wie in den Jahren zuvor weiter an Bedeutung. Es geht um Identität und die Entfremdung des Individuums. Zeitgleich werden Kulturbetrieb und Medien relevanter.

Kulturelles Gedächtnis

Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus findet ungebremst statt. Da die Zeitzeugen, die den Zweiten Weltkrieg selbst erlebt haben, nach und nach versterben, wird die Literatur als kulturelles Gedächtnis wahrgenommen. Sie speichert nicht nur ab, sondern diskutiert und beschäftigt sich kritisch mit den Erinnerungen.

Bekannte Schrifsteller*innen:

  • Herta Müller
  • Bernhard Schlink
  • Uwe Timm
  • Walter Kemposki

Heimat und Migration

Kinder und Frau mit Kopftuch

Das Leben in der Fremde beschäftigte viele Schriftsteller*innen.

Das Thema Heimat wird aufgegriffen. Was bedeutet Heimat? Welche Rollen werden Menschen im Kontext der Heimat zugeordnet? Dem gegenüber steht die Auseinandersetzung mit dem Leben in der Fremde: Ablehnung, Anpassung, neue Identität und neue Aufgaben.

Bekannte Schrifsteller*innen:

  • Arnold Stadler
  • Rafik Schami
  • Yüksel Pazarkaya
  • Ferdiun Zaimoglu

Emanzipation

Die Frauenbewegung, die in den 1970er-Jahren begann, setzt sich in der postmodernen Epoche fort. Die Autorinnen schreiben im dokumentarischen, nach innen gekehrten Stil über die weibliche Identität.

Bekannte Autorinnen:

  • Judith Hermann
  • Zoë Jenny
  • Julia Franck

Was ist die Postmoderne?

In den 1980er-Jahren schlägt die Literatur eine neue Richtung ein, die stark von der Kulturwissenschaft und französischen Philosophie beeinflusst wird: die Postmoderne. Sie fasst am ehesten den Charakter der aktuellen Epoche zusammen, die in all ihren Facetten schwer zu greifen ist.

Der unzuverlässige Erzähler

In der postmodernen Literatur ist häufig der unzuverlässige Erzähler zu finden, der die Leserschaft mit lückenhaftem Erzählen und Unstimmigkeiten in die Irre führt. Widersprüche und die einseitige Perspektive sind typisch für die moderne Gegenwartsliteratur.

Mehr zu Erzählform und Erzählperspektive findest du hier.

Sinnsuche und Orientierung

Traurige junge Frau

Identitätskrisen und die Suche nach Orientierung sind Themen der postmodernen Literatur.

Die Postmoderne findet wie die Moderne keine Funktion mehr im bestehenden Sinnkonzept. Eine Orientierung im Dasein ist ihrer Erkenntnis nach nur bruchstückhaft möglich. In der Epoche wird das als eine Art Befreiung wahrgenommen, mit der gespielt werden kann.

Konstruktion der Weltbilder und Literatur

Die Literatur stellt fest, dass alle Weltbilder nur Konstrukte sind, die hinterfragbar sind. Um darauf aufmerksam zu machen, beschäftigen sich die Autorinnen und Autoren mit der bewussten Konstruktion von Texten und kommentieren sie.

Deutsche Popliteratur

Die Postmoderne orientiert sich an der modernen Popkultur. Dabei greift sie mit der Popliteratur das alltägliche Geschehen auf und beschäftigt sich beispielsweise mit Gewalt und Pornografie. Die deutsche Gegenwartsliteratur gibt sich realistisch und einfach.

Zwischen den Texten

Die Gegenwartsliteratur gibt das Streben nach Originalität auf. Die Entwicklungen der Medienwelt, die stetig größer und vielfältiger wird, üben ihre Einflüsse aus. Es wird zunehmend mit Verweisen und Zitaten Bezug genommen. Dies hängt mit der Wahrnehmung zusammen, dass die Kultur den Menschen prägt.

Alles ist möglich

Die Gegenwartsliteratur gibt ihre Rolle als kritische Instanz unter dem Stichwort anything goes zum Teil ab. Sie wird amoralisch, ironisch und überschreitet Grenzen.

Werke und Schriftsteller*innen der Postmoderne

Die Epoche lebt von der Literatur verschiedenster Autorinnen und Autoren. Dazu gehören: Thomas Brussig, Friedrich Christian Delius, Durs Grünbein, Daniel Kehlmann, Christian Kracht, Peter Stamm und Uwe Tellkamp. Die folgenden vier Schriftsteller*innen solltest du dir ebenfalls gut merken.

Herta Müller (*1953)

Herta Müller

Herta Müller © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Verleihung Heinrich-Böll-Preis an Herta Müller-3249, CC BY-SA 4.0

Die Autorin stammt ursprünglich aus Rumänien und wuchs in deutscher Minderheit unter einer Diktatur auf. Sie erfuhr dort Angst und Unterdrückung, weshalb sie 1987 in die BRD floh. Die Themen begleiteten ihre Werke dauerhaft. Im Jahr 2009 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur.

  • Niedergang (1984)
  • Atemschaukel (2009)

Bernhard Schlink (*1944)

Schlink, geboren in Großdornberg, war jahrelang Jurist. Er arbeitete als Richter am Verfassungsgericht und als Professor. Er verfasste Kriminalromane mit Verstrickungen der deutschen Geschichte. Hinzu kamen Themen der Selbstfindung.

  • Der Vorleser (1995)
  • Die Heimkehr (2006)
  • Das Wochenende (2008)

Patrick Süskind (*1949)

Der Autor kam in Ambach zur Welt. Er machte nie einen Abschluss, obwohl er in verschiedenen Bereichen studierte. Zu seinen Werken zählen Drehbücher und Romane.

  • Monaco Franze (1983)
  • Der Kontrabass (1985)
  • Das Parfum (1985)
  • Kir Royal (1986)
  • Rossini (1997)

Uwe Timm (*1940)

Der deutsche Schriftsteller engagierte sich in der 68er-Bewegung, die er immer wieder in seine Werke einfließen ließ. In seinen literarischen Erzeugnissen setzt er der Gegenwart gerne einen Spiegel vor, indem er zurück in die Vergangenheit reist. Uwe Timm schreibt kritisch realistisch.

  • Heißer Sommer (1974)
  • Morenga (1978)
  • Rennschwein Rudi Rüssel (1989)
  • Die Entdeckung der Currywurst (1993)
  • Der Schatz auf Pagensand (1995)
  • Am Beispiel meines Bruders (2003)

Mehr zu den Epochen

Mehr Infos zu Postmoderne sowie den weiteren Literaturepochen findest du im ABITUR-WISSEN Deutsche Literaturgeschichte.


schultrainer.de hat folgende Literaturepochen für dich zusammengefasst:

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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