Mit Herz: Der Sturm und Drang

Für das Herz! Für die Freiheit! Emotional, laut und unverfälscht – so möchte sich der Sturm und Drang im 17. Jahrhundert geben. Der Rationalismus der Epoche Aufklärung ist den Dichtern zuwider. Sie möchten lieben, leben und sich ihrer Kreativität hingeben. Alles über das damalige Menschenbild, den Geniekult und die Sprache der Werke – sprich: die Merkmale des Sturm und Drang –, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Sturm

© pixabay.com/CC0 Creative Commons

Das Herz des Sturm und Drangs

„Bedecke deinen Himmel Zeus,…“, wendet sich das lyrische Ich in Goethes Prometheus provozierend an die griechische Gottheit und schließt das Gedicht mit den Worten: „Hier sitz ich, forme Menschen / Nach meinem Bilde, / Ein Geschlecht das mir gleich sei, / Zu leiden, zu weinen, / Zu genießen und zu freuen sich / Und dein nicht zu achten, / Wie ich!“

Mann umgeben von Feuer

© pixabay.com/CC0 Creative Commons

Das Individuum lehnt sich auf

Die Gesellschaft des 17. Jahrhunderts war geplagt von sozialen Ungleichheiten, Standesschranken und absolutistisch-autoritären Herrschern. Gleichzeitig bestimmte der Rationalismus der Aufklärung das Denken der Menschen. Mit Worten lehnten sich die Schreibenden im Sturm und Drang gegen diese Zustände auf. Sie wollten „Wollen statt Sollen“, Empfindsamkeit, Individualität und erlebten den Drang nach Freiheit. Es herrschte Aufbruchstimmung in der Literatur dieser Epoche.

Mittelpunkt der Epoche

Im Mittelpunkt der Epoche Sturm und Drang von 1765 bis 1785 steht der Mensch. Der Mensch als Individuum. Ein Individuum, dass sich natürlich und selbstbestimmt mit Herz, Vernunft und Verstand entwickelt und verwirklicht. Alle Grenzen und Regeln wollten überwunden werden.

Man entdeckte das kreative Potenzial des Einzelnen: Der ideale Dichter, der sich in seinen Werken den Werten des Sturm und Drangs hingab, wurde zum Genie erklärt.

Zurück zur Natur

Die Natur bot die Quelle der Inspiration. Sie galt im Sturm und Drang als unverfälscht und löste unmittelbare Empfindungen aus. Es herrschte die Auffassung des „Pantheismus“.

Pantheismus: Die Natur, der Mensch, das All – alles verbindet sich zu einem, das als Göttliches wahrgenommen wird.

Herz in der Hecke

© pixabay.com/CC0 Creative Commons

Sturm und Drang Merkmale

Die literarische Strömung dieser Zeit war geprägt durch Leitbegriffe wie Herz, Liebe, Einsamkeit und Freiheit. Themen wie Natur, Abend und Nacht, Freundschaft und Brüderlichkeit traten in den Vordergrund. Die Dichter*innen setzten sich in ihren Werken für Gleichheit und Gerechtigkeit ein, was politischen Widerstand erzeugte.

Sprachliche Auffälligkeiten

Der Sturm und Drang war laut und nahm keinen Blatt vor dem Mund. Kraftausdrücke und der Dialekt aus dem alltäglichen Sprachgebrauch der Epoche wurden unzensiert übernommen. Die Worte, die in der Literatur genutzt wurden, waren leidenschaftlich und stark bildlich. Die Stilmittel Hyperbel und Ausruf fanden häufigen Gebrauch.

Formen des Sturm und Drang

In der Dramatik wandte man sich hin zu William Shakespeare und den freien Formen des offenen Dramas. Es wurden geschichtliche Stoffe aufgegriffen, mit denen man Kritik an den vorherrschenden autoritären Strukturen übte. Die Lyrik der Epoche orientierte sich an Klopstocks Oden. Mithilfe der Erlebnislyrik drückte man Gefühle aus, wobei die Liebe in den meisten Fällen im Mittelpunkt stand. Zudem kam im Sturm und Drang der Briefroman auf, um Erlebnisse aus der Perspektive einer individuellen Figur zu schildern.

Autoren und Zentren der Epoche Sturm und Drang

Der Sturm und Drang wurde in Deutschland von gebildeten Männern aus dem Bürgertum ausgefochten. Sie zentralisierten sich in den Städten Straßburg (Herder, Lenz, Goethe), Frankfurt (Goethe, Schlosser, Klinger), Schwaben (Schiller, Schubart) und Göttingen

Typische Werke der literarischen Strömung sind:

Kurz und knackig

Die wichtigsten Merkmale des Sturm und Drang im Überblick erhältst du im folgenden Erklär-Video oder in unserem Buchtipp: Deutsch Auf einen Blick! Epochen der deutschen Literatur.

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach studiert und beginne im Herbst meinen Master. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.