Literaturepochen und deutsche Literaturgeschichte im Überblick

Pack deine Koffer für eine Reise durch die deutsche Literaturgeschichte! In jeder Epoche gibt es andere Besonderheiten zu erkennen. Sicherlich fallen dir auch geschichtliche Wiederholungen auf. Los geht’s – einmal durch die Literaturepochen!

Übersicht über die Zeiträume der Literaturepochen

Alte Briefbögen

  • Mittelalter: ca. 800 bis 1500
  • Barock: Ca. 1600 bis 1720
  • Aufklärung: Ca. 1720 bis 1800
  • Sturm und Drang: ca. 1765 bis 1785
  • Klassik: ca. 1786 bis 1805
  • Romantik: ca. 1795 bis 1830
  • Biedermeier: ca. 1815 bis 1848
  • Vormärz und Junges Deutschland: ca. 1815 bis 1848
  • Realismus: ca. 1848 bis 1890
  • Naturalismus: ca. 1880 bis 1900
  • Strömungen der Jahrhundertwende: ca. 1890 bis 1910
  • Expressionismus: ca. 1910 bis 1925
  • Neue Sachlichkeit: ca. 1920 bis 1933
  • Literatur während der NS-Zeit: ca. 1933 bis 1945
  • Literatur nach 1945
  • DDR-Literatur
  • Literatur nach 1989: Postmoderne und Gegenwart

Literatur des Mittelalters

Mittelalter-BurgDer Anfang unserer Reise beginnt im neunten Jahrhundert im Mittelalter, das ungefähr 700 Jahre dauerte. Die wenigen Seiten der Werke, die in dieser Zeitspanne entstanden, sind gefüllt mit höfischem Leben und Minnesang. In der Literatur des Mittelalters dreht sich alles um ritterliche Tugenden und die Sagen rund um den Artushof.

Weiterlesen ⇒ Literatur im Mittelalter: Minnesang und Ritter

Frühe Neuzeit und Barock

Die Epoche von ca. 1600 bis 1720 nennen wir Barock. Ein wichtiges geschichtliches Ereignis im Zeitraum des Barocks war der 30-jährige Krieg. Viele Menschen starben an Hunger, Krankheiten oder Seuchen.

Das Leben schien bedeutungslos (Vanitas-Motiv). Die Literatur verfolgte das Motiv, die Menschen an ihre Sterblichkeit zu erinnern (Memento Mori). Gleichzeitig forderten die Schriftsteller die Menschen dazu auf, jeden einzelnen Tag zu genießen (Carpe diem).

Um in der Literatur Halt zu vermitteln, wurden strikte Regelpoetiken entworfen – wie zum Beispiel das Versmaß Alexandriner.

Aufklärung

Anfang des 18. Jahrhunderts begann das Bürgertum nach Aufklärung zu streben. Die Bewegung erstreckte sich von ca. 1720 bis 1800 über ganz Europa hinweg. Die Gesellschaft forderte Toleranz und Gleichheit vor dem Gesetz.

Während dieser Epoche gewannen die Naturwissenschaften an Bedeutung. Eine rationale Sicht und der Gedanke der Nützlichkeit zeichnete die Schriftsteller aus. Die Literaturepoche war geprägt von Vernunft und dem Verständnis eines eigenständigen Individuums.

Mehr erfahren ⇒ Die Aufklärung: Im Zentrum der Vernunft

Sturm und Drang

Deutsch - auf einen Blick! Epochen der deutschen Literatur

Buchtipp für einen schnellen Überblick über die Literaturepochen

Der Sturm und Drang prägte das 18. Jahrhundert von ca. 1765 bis 1785. Die Epoche gilt als literarische Revolte gegen die gesellschaftlichen Zustände. Das Individuum lehnte sich auf und der Künstler wurde als Genie gefeiert.

Die Werke in dieser Zeit sind emotional, voller Kraftausdrücke, Dialekte und Hyperbeln. Das Herz und die Liebe, aber auch das Streben nach Freiheit spielte eine wichtige Rolle. Bekannte Vertreter des Sturm und Drang sind Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller.

Weiterlesen ⇒ Sturm und Drang: Mit Herz und Leidenschaft

Weimarer Klassik

Goethe und Schiller waren die beiden Schriftsteller, die nach dem Sturm und Drang die Weimarer Klassik ins Leben riefen. Die Epoche beginnt mit Goethes Italienreise 1786 und endet mit Schillers Tod 1805.

“Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.”
Goethe

Im Mittelpunkt stand das Ideal des Guten, Wahren und Schönen. Hierfür suchten sich die Schriftsteller die Antike als Vorbild und ahmten sie nach. Die Leserschaft sollte durch die Literatur ein Gleichgewicht zwischen Vernunft und Gefühl erhalten. Die Autoren verstanden sich dabei als Erzieher.

Romantik

Die Epoche Romantik datieren wir auf die Jahre 1795 bis 1830. Sie ist die Gegenbewegung zum Nützlichkeitsdenken der Aufklärung. Träume, Sehnsüchte, die Natur und Priese Schwermut kennzeichnen romantische Texte.

Blaue Blume, Symbol der RomantikDie Romantik blickt nach Innen auf das Unterbewusste. Ihre Autoren und die Helden der Geschichten gaben sich Gefühlen hin – oft stehen sie an der Schwelle zum Wahnsinn. Die Nacht als Motiv taucht häufig in den Werken auf, die “Blaue Blume” symbolisiert die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren.

Mehr erfahren ⇒ Romantik Epochenwissen: Phasen, Themen, Vertreter

Restauration: Biedermeier, Junges Deutschland, Vormärz

Vormärz, Junges Deutschland und Biedermeier stehen für literarische Strömungen, die sich zeitgleich entwickelten. Alle entstanden als Ergebnis der politischen Entwicklungen nach 1815, nach dem Wiener Kongress.

Gemälde von Carl SpitzwegDie Biedermeier-Strömung spiegelt die Enttäuschung und Resignation nach 1815 wieder. Die Vertreter*innen des Biedermeier zogen sich zurück ins Private, wirkten vernünftig, traditionell, konservativ und still.

Weiterlesen ⇒ Die Zeit des Biedermeier: Vernünftig und geordnet

Das Junge Deutschland und der Vormärz hingegen rebellierten. Die Autoren des Jungen Deutschlands verfolgten mit ihren Werken politische und gesellschaftliche Änderungen. Der Vormärz, ursprünglich ein politischer Begriff, bezieht sich auf die Zeit zwischen 1830 und 1848. Die Inhalte des Vormärz waren vor allem politisch und richteten sich gegen die wiederhergestellte Ordnung nach dem Wiener Kongress.

Mehr erfahren ⇒ Restauration: Junges Deutschland, Vormärz und Frührealismus

Realismus

Industrialisierung als Thema des RealismusDer Realismus von ca. 1848 bis 1890 wendet sich endgültig ab von Idealen und Beschönigungen. Stattdessen rückt er die wahrnehmbare Wirklichkeit in den Fokus.

Als gesamteuropäische Epoche finden sich nicht nur in Deutschland Vertreter des Realismus. Realistische Strömungen gibt es auch über die Epoche hinaus, so zum Beispiel im antiken Griechenland, im Vormärz und sogar im 20. Jahrhundert.

Weiterlesen ⇒ Literatur des Realismus: Wirklichkeit und Rückzug

Naturalismus und Gegenströmungen um Jahrhundertwende

Lorgnette aus dem 19. JahrhundertDen Realismus lösten um die Jahrhundertwende herum gegensätzliche Strömungen ab, die parallel existierten. Dazu gehören der Naturalismus, Impressionismus und Symbolismus.

Der Naturalismus stellt eine strenge, konsequente Form des Realismus dar. Die Naturalisten widmeten ihre Texte der sinnlich erfahrbaren Wirklichkeit und Natur und lehnten jede Poetisierung ab.

Der Impressionismus der Malerei prägte auch deutsche Schriftsteller. In ihren Werken versuchten die Impressionisten, momentane Stimmungen und subjektive Sinneseindrücke wiederzugeben. Aus Frankreich fand der Symbolismus seinen Weg zu uns. Abstraktion und die Bedeutung des Symbols standen im Mittelpunkt, ähnlich wie in der früheren Epoche der Romantik.

Mehr erfahren ⇒ Naturalismus und Gegenströmungen: Literatur um 1900

Expressionismus

Der Expressionismus grenzte sich von ca. 1910 bis 1925 bewusst vom Naturalismus und dessen Wirklichkeitsabbildung ab. Er wollte sich von den starren, konservativen Wilhelminismus im deutschen Kaiserreich lösen.

Die Literaturepoche vollzog das, indem sie zum Beispiel schockierte: Jung rebellierte gegen Alt, das Hässliche wurde hervorgehoben, Prostituierte und Wahnsinnige wurden in den Fokus gerückt. Zeitgleich ging es um die Anonymität der Großstadt, den Ich-Zerfall und die Schrecken des Krieges.

Neue Sachlichkeit

Alte RadiogeräteNach dem Ersten Weltkrieg begann die Weimarer Republik und mit ihr die Epoche der Neuen Sachlichkeit. Die Autorinnen und Autoren versuchten in der Literatur die Erlebnisse des Ersten Weltkriegs zu verarbeiten. Der Stil war nüchtern und zum Teil dokumentarisch. Zeitgleich entdeckte man neue Medienformen wie das Hörspiel.

Weiterlesen ⇒ Neue Sachlichkeit: Literatur der Weimarer Republik

Literatur während der NS-Zeit: Drittes Reich und Exil

Im Dritten Reich wurde ab ca. 1933 die Literatur als Mittel der Propaganda von den Nationalsozialisten genutzt. Viele Schriftsteller*innen mussten ins Exil fliehen. Die Regierung unterstützte alle Werke, die ihre Ideologie aufgriffen. Kritiker*innen hingegen erhielten Schreibverbote und wurden zensiert. Wer sich laut gegen das Regime auflehnte, begab sich in Todesgefahr.

Literatur als Propagandamittel? Wie konnte es überhaupt dazu kommen? Wer auf diese Frage eine Antwort sucht, muss sich mit dem Entstehen und Scheitern der Weimarer Republik auseinandersetzen.

Literatur nach 1945

Abitur-Wissen - Deutsche Literaturgeschichte

Buchtipp für ausführliche Erklärungen und Beispiel zu den Literaturepochen

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigten sich die Autorinnen und Autoren mit dem Erlebten. Durch ihre Erzählungen und Geschichten versuchten sie, die Schrecken des Krieges zu verarbeiten. Sie gaben sich nüchtern, berichteten von ihren Exilerfahrungen und grenzten sich vom Nationalsozialismus ab.

Emanzipation und Umwelt rückten neu in den Fokus, Autobiographien wurden als neue Form der Literatur entdeckt.

Mehr erfahren ⇒ Literatur nach 1945: Zwischen Trümmern und Hoffnung

DDR-Literatur

Berliner Mauer GraffitiNach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands entstand in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) unabhängig von den anderen Ländern eine eigenständige Literatur. Die DDR-Literatur prägten zunächst vor allem die Exil-Erfahrungen der Schriftsteller*innen.

Nach und nach entwickelte sich die Literatur zum politischen Instrument. Sie wurde gezielt zum Aufbau des sozialistischen Staates genutzt.

Weiterlesen ⇒ Literatur der DDR: Hinter der Mauer

Postmoderne und Gegenwartsliteratur

Seit den 1980er Jahren existieren kaum mehr klar abgrenzbare Literaturepochen. Eine der aufkommenden Strömungen um 1980 ist die Postmoderne, Nachfolger der Moderne. Sie verabschiedet sich vom konventionellen Wahrheitsbegriff, stellt Ideologien, Werte und Normen in Frage.

Die Gegenwartsliteratur zeigt sich äußerst vielgestaltig. Sie beschäftigt sich mit Themen wie Heimat und Migration, Emanzipation, Sinnsuche, Orientierung, Massenmedien und Identität. Zu ihr zählen beispielsweise die Wendeliteratur, Popliteratur und Trivialliteratur.

Mehr erfahren ⇒ Postmoderne und Gegenwartsliteratur: Literatur nach 1989

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.