Literatur der DDR: Hinter der Mauer

Die älteren Generationen können sich noch daran erinnern: Deutschland war getrennt. Eine Mauer zog sich durch das Land und teilte es auf in BRD und DDR. Hinter dieser Grenze entstand im Osten eine eigenständige Literatur unter der Kontrolle des Staates.

In diesem Beitrag erfährst du mehr über die politischen Gegebenheiten sowie die Literatur der DDR und ihre Werke.

Der politische Rahmen der DDR Literatur

Berliner Mauer Graffiti

Das Leben hinter der Mauer beeinflusste viele Schriftsteller*innen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 teilten die Siegermächte Deutschland auf. Dabei entstand im Osten des Landes 1949 unter dem Einfluss der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (kurz KPdSU) die Deutsche Demokratische Republik (kurz DDR).

Die DDR wurde geführt von der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschland), die unter der Kontrolle der KPdSU stand.

Aufstände, Flucht und Mauer

Die Partei übernahm im Namen des Sozialismus die Kontrolle über die Politik und Wirtschaft. Jeder, der sich gegen den Staat wendete, musste sich vor der Stasi (kurz für die Einrichtung Staatssicherheit) in Acht nehmen.

DDR Flagge

Auf der DDR-Flagge befand sich das Staatswappen: Hammer und Zirkel, die ein Ährenkranz umgibt.

Am 17. Juni 1953 kam es zum Arbeiteraufstand. Die Bürger*innen setzen sich durch Demonstrationen für ihre politischen und wirtschaftlichen Forderungen ein. Die Proteste wurden gewaltsam beendet.

Viele Menschen flohen, worauf der Staat nach und nach die Fluchtwege schloss. Dies gipfelte im Bau der Berliner Mauer 1961. Tausenden gelang bis zur Wiedervereinigung die Flucht über Ungarn und Österreich. Nicht jede*r überlebte den Versuch.

Unter dem Poltiker Erich Honecker entspannte sich das Verhältnis von BRD und DDR durch den Grundlagenvertrag. Der sowjetische Präsident Michail Sergejewitsch Gorbatschow ermöglichte durch seine Reformen der Opposition mehr Freiheit. Diese äußerte sich durch die Montagsdemonstrationen.

Als Erich Honecker am 18. Oktober 1989 zurücktrat, dauert es wenige Tage, bis am 9. November 1989 die Mauer endlich fiel.

Die Grundlagen der Politik und der DDR Literatur

Auto mit DDR Aufkleber

Wer die politische Funktion der Literatur nicht erfüllen wollte, dem blieb nur noch die Ausreise.

Für die Regierung hatte die Literatur einen hohen Stellenwert, da ihr Verständnis eines sozialistischen Staates auf den Schriften von Lenin, Stalin, Karl Marx und Friedrich Engels begründet war. Ihre Werke waren die Grundlagen aller anderen Texte, die der Staat billigte.

Die Literatur hatte eine politische Funktion. Wer sich nicht an die vorgegebenen Regeln beim Schreiben hielt, dem drohte Zensur, das Verbot von Veröffentlichungen und die Ausbürgerung.

Gründung eines Literaturinstituts

Die Regierung der DDR wollte eine Elite an Schriftstellerinnen und Schriftstellern ausbilden, weshalb sie 1955 in Leipzig das Literaturinstitut “Johannes R. Becher” schuf.

In dieser Einrichtung lernten die angehenden Autorinnen bzw. Autoren das Schreiben von Lyrik, Dramatik und Prosa. In den Seminaren wurde darüber hinaus das Gedankengut des Marxismus-Leninismus vermittelt. Im Jahr 1990 wurde das Institut nach der Wiedervereinigung Deutschlands aufgelöst. Es widersprach den Grundprinzipien der Demokratie.

Aufgrund von Protesten wurde das Institut 1995 neu unter dem Namen Deutsches Literaturinstitut gegründet. Das Institut gehört zur Universität Leipzig und bietet für Interessierte den Bachelor- und Master-Studiengang Literarisches Schreiben an.

Die unterschiedlichen Phasen der DDR-Literatur

Die Literatur der DDR war von den politischen Entwicklungen und Phasen der Zeit beeinflusst. Zu ihr zählen alle Werke, die unter dem Einfluss der Sowjetunion von 1945 bis 1989 entstanden.

Die Anfänge nach dem Zweiten Weltkrieg

Die ersten Jahre des literarischen Schaffens in der Deutschen Demokratischen Republik waren geprägt von den Autorinnen und Autoren, die aus dem Exil zurückgekehrt sind. Unter ihnen war zum Beispiel Berthold Brecht.

Wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkrieges gründete der Dichter und Politiker Johannes Robert Becher gemeinsam mit anderen den Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands. Bereits hier machte sich der Einfluss der Politik auf die Literatur bemerkbar, die die Schriftstellerei nutzen wollte, um den Sozialismus aufzubauen. Man spricht von der Aufbauliteratur.

Der Sozialistische Realismus

Sozialistische Darstellung

Darstellung des Sozialismus

Im Jahr 1950 legte die SED fest, dass der sozialistische Realismus das Maß aller Dinge sein soll. Schriftsteller*innen sollten aktiv zum Aufbau des sozialistischen Staates beitragen, indem sie in ihren Werken folgende Vorgaben berücksichtigen sollten: Die positiven Seiten des Sozialismus werden beschrieben. Ein Mensch, der den Ehrentitel Held der Arbeit erhalten hatte, steht im Fokus der Erzählung.

Nach dem Tod von Stalin setzte die kurze Phase des Tauwetters ein. Autorinnen bzw. Autoren kritisierten die strikten Grenzen der Vorgaben – ohne Erfolg.

Der “Bitterfelder Weg”

Von 1959 bis 1964 begann die neue Phase der Dokumentarliteratur, die die Arbeit der Menschen mit der Kunst vereinen wollte. Die Arbeiter*innen sollten sich literarisch betätigen und die Schriftsteller*innen Studien über die Arbeit betreiben. Dies geschah unter dem Namen Bitterfelder Weg.

Reform und Ankunft

Nachdem der Bitterfelder Weg wenig Erfolg trug, kam die Reformliteratur auf, die auch Ankunftsliteratur genannt wurde. Diese Formen wurden von den jungen Literaten gesteuert, die in der DDR aufwuchsen. Bekannte Vertreterin dieser Literaturphase war die Autorin Christa Wolf.

Die Ära Honecker und der Fall Biermann

Als Erich Honecker an die Spitze der Regierung kam, fand eine Subjektivierung der Literatur statt. Der Sozialistische Realismus gehörte der Vergangenheit an. Die Autorinnen und Autoren begannen sich freier zu entfalten.

Diese Liberalisierung fand ihre Grenzen mit der Ausweisung des Lyrikers Wolf Biermann, die auf große Kritik in der DDR stieß. Biermanns Texte waren Honeckers Regierung zu liberal und entfernten sich zu sehr vom Sozialismus.

Die 80er-Jahre

In den folgenden Jahren erschwerte sich das Leben der Autorinnen und Autoren zunehmend. Wer von ihnen im Westen Werke veröffentlichte, musste mit Konsequenzen rechnen. Aus diesem Grund verließen viele die DDR.

Es entstand eine alternative Literaturszene, die sich mit Zivilisationskritik, Umweltbewusstsein und der Endzeit auseinandersetzte.

Literarische Gattungen und Werke der DDR

Berthold Brecht

Berthold Brecht

Die verschiedenen Phasen der DDR waren begleitet von unterschiedlich bevorzugten Gattungen. Es begann bei der Lyrik und der Dramatik. Hier stachen Johannes R. Becher, Berthold Brecht, Johannes Bobrowski und Peter Huchel hervor.

In der Überleitung zum sozialistischen Realismus gewann die erzählende Prosa an Bedeutung. Aktuelle Themen wurden ausführlich und narrativ geschildert. Dazu zählten zum Beispiel die Produktions- und Ankunftsromane, die unter anderem von Erwin Strittmatter, Günter de Bruyn und Erich Loest verfasst wurden.

In den 1970er-Jahren kam Frauenliteratur hinzu, die überwiegend aus Prosa-Texten bestand. In diesem Bereich dominierten unter anderem Christa Wolf, Brigitte Reimann und Irmtraud Morgner.

Bekannte Autorinnen und Autoren der DDR

  • Berthold Brecht (1898-1956)
  • Christa Wolf (1929-2011): “Kassandra”, “Stadt der Engel”, “Medea. Stimmen”
  • Reiner Kunze (*1933): “Sensible Wege”
  • Ulrich Plenzdorf (1934-2007): “Die neuen Leiden des jungen W.”
  • Wolf Biermann (*1936): politische Lieder
  • Monika Maron (*1941): “Stille Zeile Sechs”, “Pawels Briefe”

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Mehr Wissenswertes über die literarischen Epochen und Strömungen, über ihre Vertreter und Merkmale erfährst du auf schultrainer.de:

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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