Medienrecht für Anfänger: Bildrechte und Urheberrecht

Für welche Zwecke und wie darfst du Bilder aus dem Internet verwenden? Was ist das Urheberrecht und wo liegen die Grenzen? Wen oder was darfst du ohne Erlaubnis fotografieren? Welche Unterschiede gibt es zwischen minderjährigen und volljährigen Fotomodellen? Diese und weitere Fragen klären wir in diesem Beitrag über Medienrecht.

Was ist das Medienrecht?

Fotoaufnahme Smartphone

Unter das Medienrecht fallen unter anderem die Bildrechte.

Die Bezeichnung Medienrecht ist kein fester Begriff der Rechtswissenschaft. Das Medienrecht bündelt aber verschiedene deutsche Rechtsnormen, die Medien, den Umgang und die Arbeit damit betreffen. Alle, die in und mit den Medien arbeiten, müssen diese Rechtsnormen kennen.

Die Normen des deutschen Rechtssystems

In Deutschland haben wir drei Arten von Normen, die das gesellschaftliche Miteinander regeln. Sie sorgen für Sicherheit und garantieren ein gewohntes Zusammenleben der Menschen. Es handelt sich zum einen um die klassischen Rituale und ethischen Normen, zum anderen um die Rechtsnormen.

Die Hierarchie der Rechtsnormen

Für die Anwendung der Rechtsnormen gibt es eine vorgegebene Hierarchie. Auf der Bundesebene ist das Höchste das Grundgesetz, darunter befinden sich zum Beispiel die Bundesgesetze. Den Bundesgesetzen folgen die Rechtsordnungen, denen wiederum die Satzung untergeordnet ist.

Die Normen der Bundesebene schlagen immer die der Landesebene. Auf Landesebene steht die Landesverfassung an erster Stelle. Darunter kommen das Gesetz, die Verordnung und die Satzung.

Bildrechte – 5 Regeln für die Praxis

Egal ob du für die Schülerzeitung, Abschlusszeitung oder für ein Uni-Magazin fotografierst: Für Fotografien gibt es einige Regeln, die du beachten musst.

1. Regel: Das darfst du nicht fotografieren!

Kunstwerke im Museum

Beim Fotografieren im Museum musst du das Hausrecht beachten.

Zwei Dinge darfst du grundsätzlich nicht fotografieren: militärische Anlagen und Kunstwerke, die vom Urheberrecht betroffen sind. Beim Urheberrecht von Kunstwerken gibt es jedoch eine Besonderheit: Es erlischt, wenn der*die Künstler*in seit mindestens 70 Jahren verstorben ist.

Außerdem gilt: Erscheint zum Beispiel das Gemälde nur als Beiwerk auf der Fotografie, ist das Fotografieren erlaubt.

Vorsicht – auch hier gibt es Ausnahmen. Das Museum, in dem das Kunstwerk ausgestellt ist, hat sein eigenes Hausrecht. Verbietet das Museum das Fotografieren, musst du dich daran halten.

2. Regel: Tiere fotografieren

Hund und Katze

Tiere haben laut Gesetz keine Persönlichkeitsrechte.

Tiere darfst du fotografieren, solange du dabei keine Straftat begehst. Niemand besitzt ein Urheberrecht an ihnen und sie selbst haben keine Persönlichkeitsrechte.

3. Regel: Personen fotografieren

Das Fotografieren von Personen knüpft sich an verschiedene Bedingungen. Du darfst nicht heimlich Fotos von einer anderen Person machen. Sogenannte Stalkerfotos sind auch für den privaten Gebrauch strafbar. Wenn sich jemand in einem hilflosen Zustand befindet, weil er zum Beispiel betrunken oder krank ist, sind Fotos ebenfalls tabu.

Prominente Personen, die sich bewusst in die Öffentlichkeit begeben, sind ebenfalls geschützt, wenn sie sich zurückziehen.

4. Regel: Bilder von Personen veröffentlichten

Seit dem Jahr 1907 müssen die fotografierten Personen bewusst zur Veröffentlichung und deren Kontext einwilligen. Ausgenommen sind Bildnisse der Zeitgeschichte und Fotografien, auf denen der Mensch Beiwerk ist. Werbezwecke, Fotomontage und Vergleichbares muss gesondert erfragt werden.

Zeigt das Foto die Person nicht vollständig? Die Einwilligung ist nur notwendig, wenn andere die Person auf dem Bild identifizieren könnten. Sind genitale Körperteile betroffen, ist die Person immer geschützt. Die*der Betroffene muss vor einer Veröffentlichung um Erlaubnis gefragt werden!

Zehn Jahre nach dem Tod der Person darfst du ein Foto verwenden. Du brauchst dafür nicht einmal die Zustimmung der Angehörigen. Auf dem Bild darf die Menschenwürde jedoch nicht angetastet werden!

Gut zu wissen: Ein schwarzer Balken oder die Verpixelung von Personen reicht nicht aus, da man diese Schutzmaßnahmen mit technischem Know-How rückgängig machen kann.

Besonderheiten bei Minderjährigen

Fotografie Kinder

Minderjährige dürfen nur mit Einverständnis der Eltern fotografiert werden.

Bei Minderjährigen müssen beide Elternteile mit Sorgerecht der Veröffentlichung zustimmen. Wird die abgebildete Person volljährig, darf sie sich umentscheiden und das Bild muss ggf. gelöscht werden.

5. Regel: Öffentliche Bauwerke und Skulpturen

Bauwerke und Skulpturen, die von öffentlichen Straßen einsehbar sind, sind nicht urheberrechtlich geschützt. Das bedeutet, du darfst sie von einem öffentlichen Platz aus fotografieren und die Bilder nutzen. Aus diesem Grund sind Postkarten von Städten oftmals billiger als andere.

Urheberrecht – was ist das?

Das Urheberrecht ist ein Teilbereich des Medienrechts. Das Urheberrecht dient dem Schutz von geistigem Eigentum und wird in allen zivilisierten Ländern vergleichbar gehandhabt. In- und Ausländer haben dieselben Urheberrechte. Das Urheberrecht kannst du also nicht umgehen, indem du Musikstücke, Kunstwerke oder Texte aus dem Ausland nutzt.

An welche Bedingungen ist das Urheberrecht geknüpft?

Das Urheberrecht entsteht in dem Moment, wenn das Werk Form annimmt. Sobald es durch die Urheberin bzw. den Urheber für andere Menschen wahrnehmbar oder materiell fassbar wird, ist es urheberrechtlich geschützt. Dabei liegt der Fokus auf dem Inhalt. Erzählt das Werk keine Geschichte, entsteht kein Urheberrecht. Eine bloße Idee ist vom Gesetz nicht urheberrechtlich geschützt.

Unterschiede zum Patentrecht

Grabstein auf dem Friefhof

Mit dem Tod erlischt das Urheberrecht vorerst nicht.

Während das Urheberrecht entsteht, wenn die Idee Form gewinnt und wahrnehmbar für andere wird, muss das Patentrecht extra angemeldet werden. Das Patentrecht schützt technische Entwicklungen, das Urheberrecht geistige Schöpfungen mit narrativem Inhalt.

Das Urheberrecht zählt bis zu 70 Jahre nach dem Tod der Urheberin bzw. des Urhebers. Das Patentrecht zählt im Gegensatz europaweit nur 25 Jahre.

Welche Bilder und Inhalte sind nicht urheberrechtlich geschützt?

Amtliche Texte und das Fernsehprogramm fallen aus dem Urheberrecht. Setzt man sich wissenschaftlich mit einem Werk auseinander, tritt das Zitatrecht in Kraft. Man darf unter Angabe der Quelle aus dem Werk zitieren.

Bei Werken von Künstlerinnen bzw. Künstlern, die seit 70 Jahren verstorben sind, verfällt das Urheberrecht und ist nicht länger gültig.

Darfst du Bilder aus dem Internet verwenden?

Copyright Symbol

Beachte bei Bildern aus dem Internet den Copyright-Hinweis!

Die Antwort lautet: Jain. Das ist von verschiedenen Faktoren laut dem Gesetz abhängig. Ist der*die Künstler*in seit über 70 Jahren verstorben, darfst du ein Foto oder Bild bedenkenlos nutzen. Ansonsten können Lizenzgebühren für die Nutzung anfallen. Zusätzlich muss das Einverständnis des Schaffenden eingeholt werden.

Aus diesem Grund kaufen viele Firmen ihre Bilder im Internet über Bildagenturen wie Getty Images ein. Darüber hinaus gibt es Plattformen wie Pixabay, auf denen Fotografinnen bzw. Fotografen ihre Bilder lizenzfrei anbieten. Hier kannst du nach Lust und Laune suchen, um anschließend die Fotos zu verwenden.

Der sicherste und schönste Weg ist, seine Fotos selbst zu schießen.

Medienrecht bei Musik

Auch Musik ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht unerlaubt und lizenzfrei genutzt werden. Das wird von der Verwertungsgesellschaft namens GEMA kontrolliert.

Du schneidest gerade einen Film und benötigst die passende Hintergrundmusik? Im Internet gibt es Musiker*innen, die ihre Stücke lizenzfrei zur Verfügung stellen. Die Bedingungen (wie z.B. die Nennung des Namens) findest du auf der dazugehörigen Homepage.

Vorsicht! Vor der Verwendung die Bedingungen genau prüfen!

Medien im Unterricht

Bei der Herstellung eines Schulbuches muss vorab keine Erlaubnis eingeholt werden, wenn man das Werk abbilden möchte. Nachträglich wird eine Lizenz fällig.

Schulbücher dürfen für Unterrichtszwecke nicht kopiert werden!

Möchte man ein aktuelles Theaterstück mit dem Schultheater aufführen, ist dieses kostenlos, wenn kein Eintritt verlangt wird.

Urheberrecht bei Referaten

Für Referate im Unterricht und an der Universität tritt das Zitatrecht in Kraft. Wenn du dich mit dem Bild bzw. dem Text wissenschaftlich auseinandersetzt, darfst du es zeigen. Du musst jedoch Urheberin bzw. Urheber und Quelle angeben.

Verwendung im privaten Besitz

Musiknoten Klavier

Auch Musiknoten sind urheberrechtlich geschützt.

Zu Hause darf man bis zu sieben Kopien von Werken besitzen, wenn man sie nicht kommerziell nutzt. Die Quelle sollte jedoch legal sein. Musiknoten darfst du nicht kopieren. Das Gleiche gilt für Bücher – außer sie sind vergriffen.

Am Ende das Impressum

Jede Zeitung, jede Website und jeder Blog muss ein Impressum besitzen, das die Verantwortlichen namentlich nennt. Dazu gehören zum Beispiel in der Presse die Redaktionsleitung, der verantwortliche Verfasser sowie die Druckerei. Das Impressum muss auch eine Adresse enthalten, über die du die Verantwortlichen wenn nötig erreichen kannst.

Der Name von Minderjährigen oder von Menschen, die nicht in Europa leben, ist in einem Impressum nicht zulässig!


Du hast Lust darauf, Irgendetwas mit Medien zu studieren? Hier stellen dir wir zwei passende Bachelor-Studiengänge mit persönlichen Einblicken vor:

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.