Studienwahl: Der Weg zur Entscheidung

Kennst du diese Menschen, die schon immer wussten, was sie werden wollen? Sie gehen zur Schule, verfolgen strebsam ihren Plan und beginne nach dem Abi ihr Wunsch-Studium. Zweifel scheinen sie nicht zu kennen, sie gehen ihren Weg. Die Frage nach der Studienwahl stellt sich ihnen nicht.

Du gehörst nicht zu ihnen? Dir fällt die Studienwahl schwer? Du weißt nicht, wie du die Entscheidung angehen sollst? Kein Problem, mir ging es genauso. In diesem Beitrag liefere ich dir Informationen, wie du die Studienwahl nach dem Abi angehen kannst. Ich stelle dir Hilfsmittel vor und berichte von meinen eigenen Erfahrungen.

Welche Studiengänge gibt es?

Bunte Filzkugeln

Wer all seine Möglichkeiten kennt, hat einen besseren Ausgangspunkt bei der Studienwahl.

Eine Entscheidung zu treffen fällt schwer, wenn man nicht alle Möglichkeiten kennt. Deshalb habe ich in der Schule nach allen Schulfächern im Internet gesucht, die ich mochte. Ich habe Tests gemacht, war bei der Studienberatung in der Schule. Auf Studien- und Berufsmessen habe ich von allen Ausbildungen und Studiengängen, die mein Interesse weckten, Flyer gesammelt.

Es war ein mühsamer Prozess. Am Ende entschied ich mich für Theater- und Medienwissenschaft mit dem Zweitfach Germanistik in Erlangen. Zuvor wollte ich Kommunikationswissenschaft studieren – und eigentlich dachte ich an Lehramt.

Warum erzähle ich dir das?

Erstens: In diesen wenigen Zeilen führe ich dir mehrere Möglichkeiten auf, wie du Studiengänge entdecken kannst.
Zweitens: Ich stelle dir drei spezifische Fächer vor.
Drittens: Du siehst, dass es normal ist, wenn der Entscheidungsprozess nicht linear verläuft und du zwischen verschiedenen Fächern schwankst.

Duales Studium oder Vollzeit studieren?

Für die Studienwahl ist es wichtig, zu wissen, welche Formen es gibt. Dual, Vollzeit oder Teilzeit ist in verschiedenen Fällen möglich. Eine weitere Möglichkeit ist das Fernstudium.

Vollzeit an der Hochschule

Die meisten Studierenden widmen sich ihrem Studium in Vollzeit. Das heißt, ihr Fokus liegt auf dem Studium. Nebenher dürfen sie während der Vorlesungszeit maximal 20 Stunden pro Woche arbeiten.

Teilzeit dauert länger

Teilzeit bedeutet, dass die Studierenden im Durchschnitt weniger Stunden Uni in der Woche haben, dafür aber auch länger für das Studium brauchen. Ein Teilzeit-Studium bietet sich an, wenn man nebenbei viel arbeitet oder Kinder hat. Nicht alle Studiengänge kann man in Teilzeit studieren.

Dual studieren: Studium und Ausbildung im Doppelpack

Dual bedeutet, dass du abwechselnd eine Ausbildung im Unternehmen machst und zur Uni gehst. Inhalte an der Hochschule werden nicht so vertieft wie bei einem Vollzeitstudium. Dafür verdienst du nach dem Abitur bereits Geld und sammelst wertvolle praktische Erfahrungen.

Alle wichtigen Informationen zum Dualen Studium findest du in unserem Buchtipp Duales Studium – der Wegbegleiter ins Berufsleben.

Studium an einer entfernten Hochschule

Das Fernstudium kannst du von überall und jederzeit beginnen. Deine Zeit kannst du bei dieser Form des Studiums freier einteilen. Das Fernstudium erfolgt jedoch an einer privaten Hochschule, für die Studiengebühren anfallen. Darüber hinaus lernst du keine deiner Kommilitoninnen und Kommilitonen kennen und hast so auch weniger persönlichen Austausch.

Wie lange dauert das Studium?

Die Studiendauer unterscheidet sich je nach Studium. In den meisten naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen ist es üblich, nach dem Bachelor noch den Master zu absolvieren. Ohne diesen wissenschaftlichen Titel kommt man beruflich nicht weit. In manchen Fällen, wie im Medizinstudium, wird anschließend der Doktortitel relevant.

An anderen Fakultäten, wie der philosophischen Fakultät, reicht oftmals der Bachelorabschluss. Diesen Studienabschluss erreichst du schon nach ca. 3 Jahren. Wer mag, kann anschließend direkt mit einem Volontariat oder einer Trainee-Stelle in die Arbeitswelt einsteigen.

Im Durchschnitt muss man mit drei bis fünf Jahren Studiendauer in Deutschland rechnen.

Praxis oder Theorie?

Hörsaal Universität

An Schnuppertagen kannst du verschiedene Vorlesungen besuchen.

Was liegt dir mehr? Theorien lernen und überprüfen oder Wissen praktisch anwenden? Diese Frage ist wichtig, wenn du dich zwischen Hochschule und Fachhochschule entscheidest. Bei den klassischen Hochschulen bzw. Universitäten liegt der Schwerpunkt der Studiengänge auf der Theorie. Im Gegensatz dazu lehren Fachhochschulen überwiegend praxisbezogen.

Beides hat seine Vor- und Nachteile. Hier muss jeder nach seinen eignen Vorlieben und Interessen entscheiden. Manche Studiengänge an den Universitäten sind so konzipiert, dass der Praxisbezug ein wenig größer ist. Teilweise ist ein ergänzender Wechsel im zweiten Bildungsweg (Master) möglich.

Nutze Schnupperveranstaltungen an Hochschulen und Fachhochschulen, um die unterschiedliche Art des Lehrens und Lernens kennenzulernen.

Infos und Datenbanken im Internet

Inzwischen gibt es im Internet Datenbanken, die mithilfe von Suchfiltern eine Vielzahl an fächerspezifischen Studiengängen ausspucken. Mir persönlich hat die Suchmaschine von Zeit Campus geholfen.

Auf Plattformen wie studycheck findest du Bewertungen von ehemaligen Studentinnen und Studenten. Sie teilen offen ihre Erfahrungen und vergeben Sternchen für ihr Studium.

Study

Verschiedene Plattformen im Internet helfen bei der Studienwahl.

Seiten wie StudyScan verraten dir, an welchen Orten du ein bestimmtes Fach studieren kannst. Pluspunkt: Sie zeigen dir verwandte Studiengänge auf, die dich ebenfalls interessieren könnten.

Achtung: Die Studiengänge haben zum Teil gleiche Namen, können sich aber je nach Universität im Detail unterscheiden. Näheres dazu erfährst du, wenn du dir das Modulhandbuch des einzelnen Studiums an einer Hochschule ansiehst.

Auf schultrainer.de stellen Studierende regelmäßig ihre Studiengänge vor. Sie erzählen von ihrer Entscheidungsfindung, ihren Erfahrungen und geben Tipps für Studienanfänger*innen.

Hilfsmittel zur Studiumswahl

Unterschiede in Sachen Studium zu kennen, hilft dir bei der Studienwahl. Doch es gibt noch mehr Unterstützung bei der Suche nach dem passenden Studienfach. Du kannst sowohl klassische als auch unkonventionelle Möglichkeiten ausprobieren.

Studienwahl mithilfe von Büchern

Cover "Studieren, aber was?", STARK VerlagBücher von Expertinnen und Experten können helfen, eigene Interessen und Stärken herauszufinden. Durch ein mehrstufiges Testverfahren zeigt Der große Studienwahltest vom ehemaligen Studienberater Dr. Dieter Herrmann auf, ob die Tendenzen Richtung Fachhochschule oder Universität gehen. Mit Berücksichtigung der Testergebnisse und der eigenen Noten gibt das Buch nützliche Tipps für die Studienwahl.

Das Buch Studieren, aber was? stellt insgesamt 180 Studiengänge und die dazugehörigen Berufsperspektiven vor. Es berichtet von den Auswahlverfahren und der Studienplatzvergabe. Außerdem weist es Möglichkeiten auf, wie jede*r ihr*sein Studium finanzieren kann.

Ungewöhnliche Wege zur Studiumswahl

In unseren Interviews, in denen Studierende ihre Studiengänge vorstellen, sind uns außergewöhnliche Methoden bei der Studienwahl aufgefallen. Sophie und Pirko sind bei ihrer Entscheidung nicht den klassischen Weg gegangen. Das richtige Studium haben sie trotzdem – oder gerade deswegen – gefunden.

Am Ende beginnen

Sophie studiert Kognitionswissenschaft im Bachelor und möchte anschließend mit dem Master Neurowissenschaften beginnen. Wie sie auf die Idee kam? Sie sah sich eine Serie im Fernsehen an, in der Neurowissenschaften thematisiert wurden. Ihr Interesse war geweckt.

In Deutschland gibt es jedoch kaum Möglichkeiten für den Bachelor Neurowissenschaften. Also begann Sophie nach den Voraussetzungen für das Masterstudium zu suchen. Auf diesem Weg stieß sie auf das Studium der Kognitionswissenschaft, das ihr die Tür zu den Neurowissenschaften öffnet.

Entscheidung mithilfe von Kissen

Ganz so leicht fiel es Pirko nicht. Sie ließ sich bei der Wahl ihres Studiums von ihrem Gefühl leiten und landete bei Freizeitwissenschaft. Dabei half Pirko ein Experiment, wie sie im Interview erzählt:

Wir schrieben jeden der sieben Studiengänge auf einen Zettel und packten eine Kiste mit verschiedenen Dingen. Die erste Aufgabe war, alle Dinge zu den Studiengängen zu legen. Es ging darum, was ich mit dem jeweiligen Studiengang assoziiere. Nach dieser Aufgabe war ich mir immer noch unsicher. Deswegen legten wir jeden Zettel unter ein Sitzkissen. Ich sollte herumgehen und an dem Ort, an dem ich mich am wohlsten fühlte, stehen bleiben. Tja, irgendwie hat es dann so gepasst.

Studienberatung nutzen

Sowohl die Bundesagentur für Arbeit als auch Hochschulen und Fachhochschulen bieten Studienberatungen an. Während die Bundesagentur für Arbeit allgemeine Informationen liefert und Vorschläge in bestimmte Richtungen gibt, ist die Beratung an den Unis und Fachuniversitäten spezifischer.

Die Studienberatung der Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit (umgangssprachlich: Arbeitsagentur) bietet ein kostenloses Tool an, mit dem du Schritt für Schritt zum passenden Studiengang gelangst. Alternativ bzw. zusätzlich kannst du einen Beratungstermin per Kontaktformular oder telefonisch vereinbaren.

Hier ist gute Vorbereitung alles! Je besser du den Termin bei der Arbeitsagentur planst, umso erfolgreicher ist das Ergebnis.

Beratung an der Hochschule oder Fachhochschule

Wenn du weißt, an welchem Ort du studieren möchtest, bietet sich die Beratung direkt an der Hochschule bzw. Fachhochschule an. Suche nach dem Namen der nächsten Universität und gebe zusätzlich das Schlagwort Studienberatung ein. Auf diesen Weg erfährst du, ob und wann es offene Sprechstunden gibt und wie du an einen Einzeltermin kommst.

Die Beratung ist spezifischer, weil die Beratenden näher auf die angebotenen Studienfächer an der Hochschule eingehen können.

Welches Studium passt zu mir?

Junge Frau an Weggabelung

Eine Checkliste hilft dir beim Entscheiden.

Du hast einige Studiengänge bei deiner Suche gefunden, die dich interessieren? Gehen wir die Checkliste zur Studienwahl Schritt für Schritt durch:

  • Wie lange möchtest du maximal studieren?
  • Dual, Vollzeit, Teilzeit oder Fernstudium?
  • Möchtest du deine Heimat für das Studium verlassen?
  • Welche Stadt oder welches Bundesland kommt für dich infrage?
  • Ist dir Praxis oder Theorie wichtiger?

Mithilfe dieser Punkte kannst du eine erste Auswahl treffen. Anschließend solltest du dich näher damit beschäftigen, welche Berufsbilder eine bestimmte Studienwahl für dich bereithalten. Suche im Internet nach Stellenausschreibungen mit der Bezeichnung des Studiengangs. Absolviere ein Praktikum, wenn du dir unsicher bist.

Auf geht’s, ab geht’s!

Danach heißt es ausprobieren! Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nie, dass du dich sofort für das richtige Studium entscheidest. Mache nicht das, was dir andere vorgeben! Höre auf deine innere Stimme. Sie verrät dir mehr, als dir bewusst ist.

Gehe das neue Studium positiv an. Aller Anfang ist schwer. Sei aber auch ehrlich zu dir selbst, falls es nicht das richtige Studium ist.

Beachte bei deiner Entscheidung die Fristen der Bewerbung und den Numerus Clausus!


Weitere Tipps findest du unter Studienwahl: Das richtige Studium finden und Für das Studium die Heimat verlassen?. Du bist dir unsicher, ob ein Studium das Richtige für dich ist? Gehe der Frage unter Studium oder Ausbildung: Was passt zu mir? nach.

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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