Interview: Zwei-Fach-Bachelor Germanistik & Geschichte

Zwei Fächer gleichwertig studieren und nur eine Bachelorarbeit schreiben: Ist das möglich? Tatsächlich JA, es handelt sich dann um den sogenannten Zwei-Fach-Bachelor. Wir haben uns mit Alicia getroffen, die sich 2015 für die Kombination Germanistik und Geschichte an der Friedrich Alexander Universität entschied. Momentan steht sie vor einer neuen wichtigen Entscheidung: Master-Studium oder Voluntariat?

Bücher Germanistik Geschichte (Zwei-Fach-Bachelor)

© 2019 Pixabay

In unserem Interview berichtet Alicia über die Besonderheiten des Zwei-Fach-Bachelors. Sie erzählt uns, wie es zu ihrer Wahl kam, welche Voraussetzungen man mitbringen sollte und wie sich der Ablauf des Studiums gestaltet. Lest auch unseren Artikel zum Zwei-Fach-Bachelor.

Warum hast du Germanistik und Geschichte gewählt?

Eigentlich wollte ich Psychologie studieren, der NC war aber zu hoch und ich bin an der FAU (Friedrich Alexander Universität) nicht reingekommen. Also habe ich eine Alternative gebraucht und Deutsch und Geschichte haben in der Schule zu meinen liebsten und besten Fächern gehört.

Wie hast du dich vorab informiert?

Wir fuhren von der Schule aus auf Messen. Leute von der Universität waren an der Schule, um einige Studiengänge vorzustellen. Zudem war ich einmal in einer Vorstellungsvorlesung zum Studiengang Germanistik ansonsten klassisch über das Internet.

Was bedeutet Zwei-Fach-Bachelor?

Das ist genau das, wonach es klingt. Man macht seinen Bachelor nicht nur in einem Fach, sondern in zwei, die man kombiniert belegt. Eines der beiden Fächer legt man als sein Hauptfach fest, in dem man später die Bachelorarbeit schreibt.

Goethe Gemälde

J. W. von Goethe (Bild: gemeinfrei)

Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?

Natürlich sollte man auf jeden Fall Interesse für die Fächer Germanistik und Geschichte mitbringen, um dranzubleiben und überhaupt Spaß am Studieren zu haben. Was ebenfalls hilfreich ist, ist ein Latinum, damit man das an der Uni nicht mehr nachholen muss. Die Latein-Kurse sollen nicht einfach sein und schnell den Stoff durchziehen. Ich hatte das Glück, dass ich in der Schule Latein hatte und es bis zur 10. Klasse belegt und damit mein Latinum bekommen habe. Ein wirkliches Muss ist das nicht. Es haben genug geschafft, das Latinum an der Uni nachzuholen.

Was ist die GOP?

Die GOP (Grundlagen- und Orientierungsprüfung) ist eine Regel, nach der man bis zum dritten Semester bestimmte Grundkurse und -vorlesungen belegt und bestanden haben muss. Ansonsten gilt das Studium als abgebrochen. In bestimmten Fällen kann man eine Verlängerung der GOP beantragen, falls man es nicht schaffen sollte. Allgemein ist es ohne übermäßigen Stress machbar, die Kurse in dem vorgegebenen Zeitraum zu bestehen.

In welche Themenbereiche gliedert sich Germanistik?

Die Germanistik teilt sich in Mediävistik, Linguistik und Neuere deutsche Literatur. Letzteres war mein Lieblingsteilbereich.

Mediävistik (mittelhochdeutsche Sprache und Literatur) macht bei der richtigen Herangehensweise durch den Dozenten oder die Dozentin auch echt Spaß.

Linguistik beschäftigt sich mit der Herkunft, dem Bilden, der Entstehung und der Grammatik der deutschen Sprachen. Es mangelt auch hier nicht an interessanten Themengebieten. Dieser Bereich geht allerdings extrem in die Tiefe und stellt hohe Erwartungen an die Studierenden, ist aber bei genügend Fleiß machbar.

In welche Themenbereiche teilt sich Geschichte auf?

Geschichte gliedert sich normal in vier Teilbereiche: Antike, Mittelalter, Neuere und Neueste Geschichte. Am Anfang beschäftigt man sich mit allen zu fast gleichen Teilen. Später kann man dann – wie in Germanistik – Schwerpunkte setzen und sich interessenabhängig auf Bereiche spezialisieren. Außerdem gibt es noch kleinere Untergliederungen, wie beispielsweise Landesgeschichte oder osteuropäische Geschichte.

Historische Rüstung Geschichte

© 2019 Pixabay

Welche Seminare konntest du beispielsweise frei wählen?

In beiden Fächern hat man zu Beginn nur begrenzte Auswahlmöglichkeiten, da dort erstmal ein Überblick in alle Teilbereiche gegeben wird. Das bezieht sich vor allem auf Vorlesungen. In Seminaren ist man relativ frei und kann – oft innerhalb eines Themenbereichs – entscheiden, welches Seminar einen thematisch am ehesten anspricht. Dadurch hat man mehr Einfluss auf die eigene Spezialisierung und auch auf den Stundenplan 😉

Was sind Schlüsselqualifikationen?

Das sind ECTS-Punkte (European Credit Transfer System), die man in Seminaren aus anderen Fachbereichen einbringen muss. Je nach Hauptfach kann es variieren, wie viele das sein müssen. Bei mir waren es beispielsweise 10 ECTS-Punkte, einen Teil davon kann man – wenn man möchte – durch Praktika erbringen. Die Unis bieten einige Seminare an, die man in diesem Bereich besuchen kann. Auch Seminare oder Vorlesungen aus anderen Studiengängen, wie beispielsweise BWL, lassen sich hier einbringen.

Welche Seminare hast du als Schlüsselqualifikation gewählt?

Ich habe als Schlüsselqualifikation zweimal ein Seminar zu „Schreiben für die Medien“ besucht. In diesem haben wir die unterschiedlichen Textformen für Zeitung und Co. besprochen und eigene Texte geschrieben.
Außerdem habe ich ein Seminar zu Comics besucht. Im Seminar musste ich ein Referat über eine Graphic Novel halten und einen Text über zwei besuchte Ausstellungen des Comic-Salons schreiben.

Über was hast du deine Bachelorarbeit geschrieben?

Meine Bachelorarbeit habe ich in meinem Lieblingsbereich der Germanistik – Neuere deutsche Literatur – geschrieben. Ich habe mich auf „Reckless – Steinernes Fleisch“ von Cornelia Funke fokussiert. An diesem Beispiel habe ich untersucht, wie die beiden Spiegelwelten aufgebaut sind und wie das für den narrativen Aufbau der Geschichte genutzt wird.

Wem würdest du den Zwei-Fach-Bachelor Germanistik und Geschichte weiterempfehlen?

Wenn man seine Interessen oder Stärken in diesen Bereichen sieht, ist ein Zwei-Fach-Bachelor in dieser Kombination meiner Meinung nach sehr empfehlenswert. Auch für kreative Leute, die gerne schreiben, kann der Studiengang geeignet sein und zu neuen Versuchen und Blickwinkeln anregen. So war es bei mir. Ansonsten darf man sich nicht davon abschrecken lassen, dass die Fächerkombination von Außenstehenden gerne etwas belächelt wird.

Was findest du positiv, was negativ am Zwei-Fach-Bachelor?

Gut an dem System des Zwei-Fach-Bachelors finde ich, dass man sich nicht auf eine Fachrichtung beschränken muss, sondern zwei Interessen nachgehen kann. Das ist vor allem angenehm, wenn man sich nicht entscheiden kann oder man ein breiter gefächertes Interessensfeld hat.

Allerdings hat die Kombi-Möglichkeit auch ihre negativen Seiten: Weil jeder Studierende die Fächer anders kombiniert, sitzt man in jedem Seminar mit anderen Leuten zusammen. Es entsteht kein wirkliches Kameradschaftsgefühl. Es gibt also nicht den einen Studiengang, sondern ganz viele verschiedene Varianten davon. Außerdem sind in Bezug auf die Prüfungstermine und die Stundenpläne die Fächer nicht perfekt aufeinander abgestimmt. Dadurch kann es ab und an zu Überschneidungen kommen.
Das ist ein Punkt, an dem die Universität noch arbeiten könnte und sollte – und vermutlich auch wird. Schließlich könnte man gängigere Kombinationen, wie beispielsweise Germanistik und Geschichte, etwas besser aufeinander abstimmen.

Wenn du heute zurückblickst, würdest du etwas anders machen?

Interviewpartnerin Zwei-Fach-Bachelor

Foto: privat

Ich glaube nicht. Ich stehe erneut an einem wichtigen Entscheidungspunkt und muss wählen: Möchte ich einen Master machen? Welcher Master würde mich fachlich interessieren? Oder lieber ein Volontariat?
Rückblickend bin ich zufrieden, wie es gelaufen ist, was ich lernen konnte und vor allem, wie ich mich in der Zeit weiterentwickelt habe. Also nein, ich würde nichts anders machen.


Wir danken Alicia für das spannende Interview und wünschen ihr alles Gute für die bevorstehende Entscheidung!

Weitere Infos zum Zwei-Fach-Bachelor gibt es in unserem Artikel.

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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