Interview: Studium zum staatlich geprüften Übersetzer und Dolmetscher

Deine Lieblingsfächer in der Schule sind die Fremdsprachen? Du magst Französisch, Spanisch, Englisch und Italienisch? Wie wäre es mit einer Dolmetscher Ausbildung oder Übersetzer Ausbildung an einer Fachakademie?
Wir haben uns mit Max unterhalten, der sein drittes Jahr an der Fachakademie abgeschlossen hat. Im nächsten Jahr wird er den Bachelor im Aufbaujahr anschließen. In unserem Interview berichtet er von seiner Ausbildung und seinem Praktikum in Barcelona.

Barcelona Dolmetscher Übersetzer Ausbildung

Barcelona, Spanien (© 2019 Pixabay)

Wie bist du auf die Idee gekommen, an der Fachakademie zu studieren?

In Deutschland wird der Studiengang für Übersetzer und Dolmetscher nur an Fachakademien angeboten. An Universitäten gibt es zum Beispiel Masterstudiengänge für Konferenzdolmetschen. Für mein Studium kommt also nur eine Fachakademie infrage.

Was sind die Unterschiede zwischen „Staatliche geprüfter Übersetzer“ und „Staatlich geprüfter Übersetzer und Dolmetscher“?

Übersetzer sind befähigt, Dokumente schriftlich zu übersetzen. Für die mündliche Übersetzung (Dolmetschen) im offiziellen Rahmen ist ein Dolmetscherabschluss vonnöten. Wenn man diesen Abschluss machen möchte, hat man über das Studium hinweg zusätzliche Stunden und muss eine zusätzliche Prüfung ablegen. Die bestandene Übersetzerprüfung ist eine Voraussetzung für den Dolmetscher.

Zahlst du Studiengebühren?

Ja, ich zahle monatliche Studiengebühren. Hier eine aktuelle Übersicht:

Gebühren für Verträge, die für das Schuljahr 2019/2020 neu geschlossen werden:

Anmeldegebühr (nur für Neuanmeldungen): 100,00€
Jahresgebühr: 12 monatliche Raten* je 160,00 € 1920,00 €
oder ermäßigte Gebühr bei Einmalzahlung pro Halbjahr *920,00€ 920,00 €
Halbjahresgebühr für FAK IV 750,00€ 750,00 €
Kostenbeitrag für Abschlussprüfung der FAK 100,00 € 100,00 €

Welche zwei Fremdsprachen hast du gewählt?

Spanisch und Englisch. Man muss eine Erstsprache und eine Zweitsprache wählen. In der Erstsprache hat man mehr Stunden und diese Sprache wird in der Abschlussprüfung verlangt. In meinem Fall war das Spanisch.

Welches Fachgebiet hast du gewählt und was lernst du in diesem Bereich?

Ich habe „Wirtschaft“ gewählt. Der Unterricht ist darauf ausgelegt, die Kenntnisse zu vermitteln, die benötigt werden, um Fachtexte später korrekt übersetzen zu können. Das bedeutet, es werden Grundkonzepte der Wirtschaft nähergebracht: zum Beispiel der Arbeitsmarkt, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, die Strukturen von Gesellschaften (AG, GmbH, Kommanditgesellschaften etc.) oder der Aufbau der Börse (Was ist ein Fond? Welche Arten von Wertpapieren gibt es? Was ist ein Index? …). Man kann es sich ähnlich wie den Wirtschaftsunterricht am Gymnasium vorstellen – nur umfangreicher und in zwei Sprachen.

Zusätzlich zu dem Fachkundeunterricht hat man Stunden in „Fachübersetzung“ und „Stegreifübersetzung“. Fachübersetzung bedeutet, man übersetzt längere Fachtexte schriftlich. Die Stegreifübersetzung verlangt, dass man in zehn Minuten einen unbekannten Fachtext mündlich übersetzt. Dies wird benotet. Neben Wirtschaft gibt es noch Technik und Geisteswissenschaften als Fachgebiete für alle Sprachen. Wenn man Englisch als erste Fremdsprache wählt, gibt es zusätzlich die Möglichkeit Recht zu wählen.

Welche Wahlfächer hast du besucht?

  • Tourismus
  • Urkundenübersetzung
  • Untertiteln
  • Interkulturelle Kommunikation und Kompetenz: Der Kurs behandelt das Thema, wie man peinliche Situationen in einer fremden Kultur am besten vermeidet.

Kannst du das Studium verkürzen? Wie funktioniert das?

Entweder man kann ein Sprachzertifikat vorweisen oder man absolviert eine Aufnahmeprüfung. Dann ist es möglich, direkt in das 2. Jahr der Fachakademie einzusteigen. Das ist ziemlich stressig, da man Kurse aus dem 1. Jahr nachholen muss. Wenn man das Lernen dazurechnet, kommt man hierbei auf mehr als 40 Stunden pro Woche. Es ist definitiv machbar, aber man benötigt viel Disziplin.

Wie funktioniert das mit dem Bachelorabschluss?

Während einem Aufbaujahr an der Fachakademie wird man mit mehreren Kursen auf den Bachelor vorbereitet. An den Prüfungen für die Bachelorarbeit nimmt man als Externer an der Universität München teil.

Du warst drei Monate für ein Praktikum in Barcelona: Erzähle uns bitte mehr darüber!

ADAC Praktikum Dolmetscher Übersetzer

ADAC, mein Arbeitgeber in Barcelona (© 2019 Pixabay)

Ich war im Sommer 2017 drei Monate lang zum Praktikum bei der Außenstelle des ADAC in Barcelona. Es wird allen Schülerinnen und Schülern angeboten (und empfohlen) entweder ein Praktikum oder ein Studienjahr (oder beides) im Ausland zu absolvieren – alles freiwillig! Der ADAC hat einen Vertrag mit dem Institut: Das Unternehmen sichert sich damit Personal für die Stoßzeit im Sommer und bietet den Studierenden gleichzeitig eine Möglichkeit, ins Ausland zu gehen. Da mein Spanisch zu diesem Zeitpunkt noch alles andere als gut war, hatte ich mich dazu entschlossen, das Praktikum zu machen. Ziel war es, meine Sprachkenntnisse für die darauffolgenden Jahre auf ein besseres Niveau zu bringen.

Wie hast du dich vorab informiert und beworben?

In diesem Fall habe ich die Informationen von unserem Erasmuskoordinator am Institut erhalten. Ihm habe ich die Bewerbung gegeben, die er weitergeleitet hat. Es ist auch möglich, auf eigene Faust ein Unternehmen zu suchen, bei dem man ein Praktikum machen möchte. Eine Freundin von mir hat zum Beispiel ein Praktikum bei Alltours auf Ibiza bekommen. Während des Studiums gibt es Infoveranstaltungen, bei denen der Bewerbungsprozess genauer erklärt wird und was zu beachten ist. Es ist an sich simpel.

Wie hast du eine Unterkunft für den Zeitraum gefunden?

Über die Website https://www.idealista.com. Eine Website, über die man spanienweit Wohnungen und WG-Zimmer suchen kann. Alternativ gibt es Angebote über die Unternehmen oder Facebookgruppen für die Wohnungssuche.

Wie war das Praktikum? Was durftest du machen?

ADAC Hubschrauber

Hilfe durch den ADAC Dolmetscher (© 2019 Pixabay)

Das Praktikum war eine tolle, wenn auch anstrengende Erfahrung. Ich habe 40 Stunden in der Woche mit Schichtarbeit in der Telefonzentrale des ADACs gearbeitet. Meine Aufgaben bestanden darin, die Anrufe von Mitgliedern, die im Ausland eine Panne hatten, anzunehmen und Hilfe für sie zu organisieren. Das war entweder für Spanien oder für ganz Europa. Bei Fragen und Zweifeln konnte man immer einen Kollegen oder eine Kollegin fragen.

Blieb genug Zeit für Barcelona und Urlaub?

Für Barcelona und die nähere Umgebung auf jeden Fall. Urlaub war erst nach Abschluss des Praktikums möglich, da die 40-stündige Arbeitswoche gut einspannt. Man hatte auf jeden Fall genug Zeit, um die Stadt zu erkunden. An den freien Tagen konnte man größere Ausflüge unternehmen.

Wie hast du dir die Zeit dort finanziert?

Ich bekam 300 Euro monatlich von dem Austauschprogramm Erasmus+ und erhielt zusätzlich monatlich meinen Lohn für die Arbeit. (Hier muss man aufpassen, es gibt bezahlte und unbezahlte Praktika. Bei den unbezahlten hat man weniger Arbeitsstunden und mehr Freizeit. Die bezahlten haben den Vorteil, dass die Finanzierung gesichert ist). Für Ausflüge und Ähnliches hatte ich zusätzlich noch Geld, welches ich vorher gespart hatte.

Welches Erlebnis ist dir in Erinnerung geblieben?

Das ist schwierig… Es gab viele tolle Erlebnisse in der Zeit und noch mehr Sachen, die ich dort gelernt habe. Ich habe mit Spaniern zusammengelebt, die ein sehr rudimentäres Englisch sprachen, und man glaubt gar nicht, wie viele Sachen es im Alltag gibt, über die man gar nicht nachdenkt. Ein kleines Experiment: Lauft durch eure Wohnung und versucht alles, was ihr seht, in der Fremdsprache zu benennen. Schafft ihr es? Dann Glückwunsch! Wenn nicht, geht es euch wie mir am Anfang in Barcelona. Deswegen kann ich euch nur empfehlen, lernt wie Haushaltsgegenstände und einfache alltägliche Sachen in der Fremdsprache heißen. Niemand mag es, Vokabeln zu lernen, aber es ist besser, als zum Beispiel beim Einkauf von Lebensmitteln komplett verloren zu sein.

Barcelona Dolmetscher Übersetzer Ausbildung

Barelona – eine tolle Erfahrung (© 2019 Pixabay)

Wie geht es bei dir weiter?

Ich habe meine Prüfung zum staatlich geprüften Übersetzer jetzt hinter mir. Ab September geht es dann ein Jahr zum Studieren nach Salamanca und danach folgt der Bachelor.

Wie sehen deine beruflichen Möglichkeiten als Dolmetscher und Übersetzer aus?

Das Studium an sich ist vor allem darauf ausgelegt, entweder freiberuflich als Übersetzer oder als Angestellter in einer Übersetzungsagentur zu arbeiten. Außerdem kann man sich beeidigen lassen und ist dann befähigt, vor Gericht zu übersetzen. Es heißt zwar, dass man sehr gut in andere Berufe „reinrutschen“ kann, aber ich bin ehrlich: hierzu braucht man Glück. Ich werde danach noch eine Ausbildung machen oder ein verkürztes Studium in einem anderem Fach anhängen. Es ist auf jeden Fall möglich, eine Arbeit danach zu finden. Man muss flexibel in der Bewerbung sein, dann kann man in verschiedene Berufe hineinrutschen. Wichtig ist, dass man bereit ist, sich weiterzubilden. Also wenn ihr nicht den Rest eures Lebens als Übersetzer arbeiten wollt, seht es als eine Grundlage, auf der ihr aufbauen könnt.

Würdest du rückblickend etwas anders machen?

Rückblickend würde ich früher mehr Vokabeln lernen und mir weniger Sorgen darüber machen, was Muttersprachler über mich denken könnten. Die meisten Menschen sind glücklich, wenn ihr ihre Sprache sprecht und wenn sie euch helfen können. Die beste Übung ist, zu reden und sich korrigieren zu lassen – vor allem im Alltag außerhalb der Uni. Ich wünschte, ich hätte früher damit angefangen.


Wir danken Max für das aufschlussreiche Interview und wünsche ihm ein schönes Jahr in Salamanca. Weitere Infos zur Ausbildung Übersetzer und Dolmetscher an der Fachakademie findet ihr in unserem Artikel.


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Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach studiert und beginne in Kürze meinen Master. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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