Interview: Bachelor Angewandte Freizeitwissenschaft

Unsere Interviewpartnerin Pirko wusste lange nicht, was sie studieren möchte. Nach viel Recherchearbeit, Auszeit im Ausland und einem kleinen Experiment konnte sie sich endlich entscheiden: für den Studiengang „Angewandte Freizeitwissenschaft“ an der Hochschule in Bremen. Heute ist sie im vierten Semester und weiß einiges über ihr Studium zu berichten.

Internat. Studiengang Angewandte Freizeitwissenschaften Interview

© privat

Wie kommt es, dass es dich ins schöne Bremen verschlagen hat?

Ehrlich gesagt ging es mir nicht um die Stadt – ich hatte zu Beginn keine Idee, was ich studieren bzw. allgemein machen will.
Ich wusste aber, dass ich in den Norden Deutschlands will. In Wismar liegt ein Traditionssegler, auf dem bin ich Crewmitglied und aus dem Süden war das ein weiter Weg bis dorthin. Als ich alle dann möglichen Studiengänge durchgegangen bin, stieß ich auf „ISAF – Internat. Studiengang Angewandte Freizeitwissenschaft„. Ich fand, dass es – als bunt gemischter Studiengang – passend für mich und meine Unentschlossenheit klang (lacht).

Zwischen dem Abi und der Entscheidung für deinen Studiengang ist etwas Zeit vergangen – was hast du in dieser Zeit gemacht?

Pirko in Australien

© privat

Im Endeffekt habe ich zwei Semester gewartet: Im Frühjahr habe ich Abi gemacht und dann ein Jahr später im Wintersemester angefangen. In der Zeit habe ich erst einmal gearbeitet (Putzen bei Siemens, Aushilfe bei Edeka – Erfahrungen die ich gut finde).

Anschließend bin ich zum Work & Travel acht Monate nach Neuseeland und hab einen Freund in Australien besucht. Die beste Entscheidung – es war eine prägende Zeit für mich. Im Anschluss habe ich erneut gearbeitet, bevor ich nach Bremen gezogen bin.

Wie bist du zu deinem jetzigen Studium gekommen bzw. wie hast du dich informiert?

Tatsächlich habe ich mich durch alle Hochschulen und Unis in Norddeutschland durchgeklickt – auf der Suche nach interessant klingenden Studiengängen. Hilfreich waren die bekannten Studi-Webseiten auf die man unweigerlich stößt (z.B. studis-online). Ansonsten habe ich viel mit anderen geredet und sie ausgefragt, was sie machen bzw. gemacht haben.
Die endgültige Entscheidung für den Studiengang war, ehrlich gesagt, ein Bauchgefühl: Am Ende hatte ich noch sieben verschiedene Studiengänge und konnte mich nicht entscheiden, bis meine Mütter mich auf ein „Experiment“ eingeladen haben:
Wir schrieben jeden der sieben Studiengänge auf einen Zettel und packten eine Kiste mit verschiedenen Dingen. Die erste Aufgabe war, alle Dinge zu den Studiengängen zu legen. Es ging darum, was ich mit dem jeweiligen Studiengang assoziiere. Nach dieser Aufgabe war ich mir immer noch unsicher.
Deswegen legten wir jeden Zettel unter ein Sitzkissen. Ich sollte herumgehen und an dem Ort, an dem ich mich am wohlsten fühlte, stehen bleiben. – Tja, irgendwie hat es dann so gepasst.

Als Voraussetzung fordert die Hochschule ein Praktikum – wo hast du deines absolviert?

Ich hab meines spontan – da meine Entscheidung kurzfristig war – im KUF, dem Amt für Kultur und Freizeit in Nürnberg bzw. teilweise im Kulturladen Loni-Übler Haus absolviert. (Nürnberg ist die einzige deutsche Stadt, die ein eigenes Amt für Freizeit hat!)

Wie ist dein Studium „Angewandte Freizeitwissenschaften“ aufgebaut?

Im ersten bis vierten Semester haben wir klassisch Vorlesungen. Im fünften und sechsten Semester stehen dann Praxis- und Auslandssemester an. Ich mache mein Praxissemester in einem Kulturzentrum in Bremen. Im Ausland bin ich anschließend in Norwegen und studiere dort praxisnah „Outdoor Education“ in Stavanger.
Der Studiengang ist allgemein praxisorientiert: Wir mussten im dritten Semester eine Gästeführung zu einem Thema unserer Wahl in Kleingruppen planen, organisieren und durchführen.

Pirko in Australien

© privat

Im vierten Semester waren wir in Gruppen verantwortlich für ein Kinderanimationsprogramm auf der Breminale (Planung, Orga und Durchführung). Des Weiteren hatten wir von verschiedenen Unternehmen Kleinprojekte, die wir als Studentengruppen erarbeiten sollten (ich hatte z.B. die Hintergrundarbeit für die Erstellung einer Teamer-Job-Suche/Angebot-Website für Feriencamps).
Nebenher hatten wir die Möglichkeit die Trainer C Lizenz zu machen. Im Wahlpflichtmodul Medienpädagogik mussten wir einen kleinen Film drehen. In zwei weiteren Modulen durften wir jeweils ein Unternehmen ausarbeiten, inklusive Finanzierung und allem drum und dran. (Ich finde eine unserer Unternehmensideen immer noch cool und könnte mir vorstellen, sie eines Tages umzusetzen. In diesen Seminaren sind übrigens schon zahlreiche Startups entstanden.)

Welche Seminare/Vorlesungen besuchst du am liebsten?

Bisher war „Kommunikation“ mein absolutes Lieblingsmodul – da geht es viel um die verschiedenen (Fehl-)Kommunikationsweisen und ähnliches, also eher in Richtung Psychologie. „Recht“ war ebenfalls cool, vor allem wegen des Dozenten.
Nicht zu vergessen: „Ökologie in Freizeit und Tourismus“. Ein interessantes, aber auch erschreckendes und etwas deprimierendes Modul im ersten Semester, welches jetzt im 4. Semester mit „Nature Tourism“ weiter ausgebaut wurde.

Wo wirst du dein Praxisseminar absolvieren?

Mein Praxissemester verbringe ich im Kulturzentrum Lagerhaus hier in Bremen. Es bietet eine bunte Mischung aus Konzerten, Poetry Slam, Tanz, Kunst, Puppentheater, kleinen Festivals und Co., bei der ich mir frei aussuchen kann, wo ich mitmachen will.
Die Vorgaben unseres Studiengangs sind frei, was die Wahl unseres Platzes angeht. Er muss nur „irgendwas mit Freizeit und Tourismus“ zu tun haben.

ISAF in Bremen

© 2019 Pixabay

Weißt du, über welches Thema du deine Bachelorarbeit schreiben wirst?

Puha, überhaupt nicht – ich hoffe, dass Norwegen mich inspiriert (, was ich mir gut vorstellen kann). Wahrscheinlich irgendwas in Richtung Ökotourismus bzw. Outdoors oder Erlebnispädagogik – beides Felder, in denen ich mir gut vorstellen kann zu arbeiten.

Welche Themen sind bei den ISAF Bachelorarbeiten üblich?

Das ist super unterschiedlich, da der Studiengang Angewandte Freizeitwissenschaft und die späteren Arbeitsfelder unglaublich vielfältig sind. Viele Studierende schreiben über Themen im Bereich Marketing. Ökologie ist beliebt, weil der Dozent cool ist. Weitere mögliche Themen: Kreuzfahrttourismus, Internetauftritt einer Firma und dessen Wirkung, Entwicklung des Personalmarktes…
Jedes Thema, das mit Freizeit und Tourismus in Verbindung steht, ist erlaubt, weshalb man nicht direkt von „üblichen Themen“ sprechen kann.

Was kommt nach deinem Studium?

Voraussichtlich eine Runde Reisen. Ich will nach Kanada und eine Atlantiküberquerung per Segelschiff machen – am liebsten kombiniert. Damit habe ich nur einen langen Flug (nach dem Studium ist man auf jeden Fall bedachter, was Umweltschutz, CO2-Fußabdurck und Co. angeht).
Außerdem habe ich noch keine Lust direkt in den „Ernst des Lebens“ einzutreten. Lieber möchte ich mich noch ein bisschen ausprobieren – arbeiten kann ich noch den Rest meines Lebens.

Wo kannst du nach diesem Studium arbeiten?

Eine Frage, die man erneut nicht genau beantworten kann. Hier ein paar Beispiele: Pädagogik (mein Favorit), Kultur(-management), Marketing (von Destinationen bis Unternehmen – eine Ehemalige ist z.B. Leiterin der Marketingabteilung von Kanada), Reisebüro, Personalbereich in verschiedenen Unternehmen, alle möglichen Tourismusanbieter (z.B. Ferienwohnungsvermittlung), Veranstaltungsmanagement (von Festival über Straßenfest bis Kneipenkonzert), Forschung (z.B. bei der WTO – world tourism organization), Nationalparkmanagement, …
Man kann bei Interesse auf der Seite freizeitwissenschaft.de durchschauen, was die Alumni (Ehemaligen) machen.

Würdest du rückblickend etwas anders machen?

Interessante Frage. Für mich passt der Studiengang, da er viel Freiraum neben dem Studium gibt. In dieser freien Zeit kann man tun, worauf man Lust hat. Zum Beispiel kann ich dazwischen eine Woche segeln gehen.
Allerdings sind meine „Uni-Gruppe“ und ich uns einig, dass der Studiengang nicht alle Potenziale, die er hat bzw. haben könnte, ausschöpft. Ich habe mich auch schon über das Studium aufgeregt und mal überlegt abzubrechen. Ich freue mich aber so ungemein auf mein Auslandssemester, sodass mein Zweifel ausgeglichen wird.

Hast du einen Rat für diejenigen, die sich für deinen Studiengang interessieren?

Seid euch bewusst, dass es ein Studiengang à la „man lernt alles ein bisschen aber nix so richtig“ ist. Es werden super viele Themen angekratzt, aber man hat nur ein Modul in jedem Fach. Das macht es vielfältig, aber nicht tiefgründig (variiert je nach Modul – Ökologie hatten wir beispielsweise relativ viel).

Tipp: Wenn ihr das Ganze „geordneter“ haben wollt, schaut euch ISTM (Tourismus Management) an.

Abschließend kann ich nur sagen, Bremen ist auf jeden Fall eine sehr lebenswerte Stadt!

Angewandte Freizeitwissenschaft Interviewpartnerin

© privat


Wir danken Pirko für das ehrliche Interview und wünschen ihr alles Gute für Norwegen und ihre Bachelorarbeit!

Einen zusammenfassenden Beitrag zum Studiengang „Angewandte Freizeitwissenschaft“ findest du hier.


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Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach studiert und beginne im Herbst meinen Master. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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