Im Kopf der Menschen – Kognitionswissenschaft studieren

Du möchtest wissen, warum die Person neben dir so handelt, wie sie handelt? Du würdest am liebsten in die Köpfe der Menschen sehen können, um ihr Verhalten zu verstehen? Genau das versucht die Kognitionswissenschaft herauszufinden. Alle Informationen zum Studium und die persönlichen Eindrücke unserer Interviewpartnerin Sophie erhältst du in diesem Beitrag.

Die Suche: Vom Master- zum Bachelorstudium

Gedanken lesen

Die Kognitionswissenschaft versucht, einen Blick in die Köpfe der Menschen zu werfen.

Sophie war auf der Suche nach Studienorten im Bereich der Neurowissenschaft. Bei ihrer Recherche fand Sophie heraus, dass es für den Bachelor in Deutschland kaum Möglichkeiten gibt. Daher begann sie nach Masterstudiengängen für Neurowissenschaft zu suchen. Hier wurde sie schneller fündig. Als sie sich die Voraussetzungen ansah, stieß sie auf das Bachelorstudium Kognitionswissenschaft.

Heute studiert Sophie im fünften Semester Kognitionswissenschaft an der Eberhard Karls Universität in Tübingen.

Kognitionswissenschaft – was ist das?

Der Studiengang Kognitionswissenschaft ist noch verhältnismäßig jung, weshalb er bisher an wenigen Hochschulen in Deutschland angeboten wird. Im Kern beschäftigt sich das Studium mit den Emotionen, Motivationen und der Willenskraft (Volition) der Menschen.

Weitläufig betrachtet interessiert sich die Kognitionswissenschaft unter anderem für Denken und Sprache, Wahrnehmung, Problemlösen, Motorik, Lernen sowie das Gedächtnis. In jedem Fach werden unterschiedliche Methoden eingeführt, mit denen dies untersucht wird.

Die fünf Disziplinen des Studiengangs

Roboter mit künstlicher Intelligenz

Künstliche Intelligenz spielt beim Studiengang Kognitionswissenschaft eine große Rolle.

Das Thema wird an der Uni aus den fünf verschiedenen Hauptbereichen Informatik, Linguistik, Psychologie, Neurowissenschaft und Philosophie angegangen. Dabei setzt man sich zum Beispiel mit folgenden Themen auseinander:

  • Informatik: Übersetzung von Computerprogrammen, künstliche Intelligenz
  • Linguistik: Entstehung der Sprache und Beeinflussung der Gedanken
  • Psychologie: Einfluss von Emotionen, Persönlichkeit und Beziehung auf unser Wesen und unsere Denkprozesse
  • Neurowissenschaft: Gehirnanatomie
  • Philosophie: theoretische Grundlagen, Ethik

Was erwartet die Studierenden konkret?

Das Studium ist über die sechs Semester Regelstudienzeit folgendermaßen aufgebaut:

  1. In den ersten zwei Semestern beschäftigen sich die Studierenden viel mit Mathematik, Informatik und Statistik. Sie erhalten Einführungen in die Kognitionswissenschaft, die Kognitionspsychologie, die Neurobiologie sowie Sinnesphysiologie.
  2. Im dritten und vierten Semester kommen Philosophie, Algorithmen und Linguistik hinzu. Außerdem erwartet die Studierenden ein Teamprojekt.
  3. Die letzten zwei Semester sind geprägt von der Psychologie, Vertiefungen der Kognitionswissenschaft und der Comptionale Neuroscience. Ergänzend dazu dürfen die Studierenden fachfremde Schlüsselqualifikationen absolvieren und die Bachelorarbeit schreiben.

Der Praxisbezug im Studium

Um neue Erkenntnisse zu erlangen, werden an der Uni viele Experimente durchgeführt. Diese Experimente können zum Beispiel mit Eye-tracking und VR-Brillen, Robotern, Kameras, Fragebögen, Tieren und Menschen durchgeführt werden. Sie finden in der Klinik, im Labor, auf dem Feld (also draußen in der realen Welt) und am Computer statt.

Radfahren mit VR-Brille

An der Uni finden auch Experimente mit VR-Brillen statt.

Zusätzlich müssen die Studierenden Versuchspersonenstunden sammeln, indem sie an Versuchen von Lehrstühlen teilnehmen.

Zwar ist bei uns kein Praxissemester vorgesehen, aber man kann tolle Praktika in der Forschung oder Wirtschaft machen – wie in der Automobilindustrie.

Stress im Studium

Der Bachelor der Kognitionswissenschaft ist anspruchsvoll. In den ersten Semestern sind die Studierenden wöchentlich mit Übungsblättern konfrontiert, die rechtzeitig abgegeben werden müssen. Die Punkte, die sie hierbei sammeln, sind entscheidend für die Zulassung zur Abschlussklausur.

Darüber hinaus müssen die angehenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler viele Forschungsarbeiten lesen und Essays schreiben.

Nichtsdestotrotz hat man freie Zeit für Sport und Soziales Engagement, was ich sehr empfehlen würde. Dadurch kommt man mit Leuten aus anderen Studiengängen in Kontakt und hat weniger Zeit, sich verrückt zu machen. Denn in der Kognitionswissenschaft findet sich immer etwas, dass man für die Uni machen kann.

Studienorte in Deutschland

Da der Studiengang Kognitionswissenschaft jung ist, gibt es ihn bisher so oder vergleichbar in wenigen Städten:

Für den Master ist das Angebot breiter. Hier bieten die Ruhr-Universität Bochum, Technische Universität Kaiserslautern, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Universität Potsdam und die Universität Ulm weitere Möglichkeiten.

Alternativ bildet der Bachelor der Kognitionswissenschaft die Grundlage anderer Studiengänge – wie für die Neurowissenschaft.

So kannst du dich für das Studium an der Universität in Tübingen bewerben

Die Uni Tübingen vergibt jedes Jahr 60 Studienplätze. Diese Plätze werden nach der Abiturnote, Berufsausbildung und außerschulischen Leistungen vergeben.

Der Antrag zur Zulassung muss jährlich bis zum 15. Juli eingereicht werden. Er beinhaltet das Zeugnis der Hochschulreife und weitere Nachweise. Wer zu spät ist, muss ein Jahr lang auf den nächsten Termin warten. Alle wichtigen Informationen zum Bewerbungsverfahren hat die Uni Tübingen auf ihrer Homepage zusammengefasst.

Der Numerus Clausus lag in unserem Jahrgang bei 1,7. Man bekam aber auch mit einem schlechteren Notendurchschnitt einen Platz, wenn man sich außerschulisch engagiert hat (Ehrenämter, Jugend forscht etc.). Bewerbt euch, auch wenn der Schnitt erstmal abschreckend wirkt!

Die aktuellen Grenznoten kannst du hier einsehen.

Nach dem Studium Kognitionswissenschaft

Blaupause Gehirn

Mit dem umfangreichen Wissen der Kognitionswissenschaft sind deine Berufschancen vielfältig.

Da die Kognitionswissenschaft interdisziplinär ist, sind die anschließenden beruflichen Möglichkeiten vielfältig. Es gibt keinen konkreten Beruf. Die Absolventinnen und Absolventen können nach ihrem Bachelor of Science oder Master of Science in verschiedene Bereiche einsteigen. Dies kann sowohl bei einem großen Konzern in der Industrie, im Labor oder in der Wissenschaft sein.

Da die Kognitionswissenschaft extrem viele Forschungsfelder und Wirtschaftsalternativen bietet, fällt mir die Entscheidung schwer. Trotzdem interessiert mich die Neurowissenschaft immer noch am meisten.

Ein guter Tipp für alle

Du weißt nicht genau, was dich erwartet? Ein guter Anhaltspunkt ist das Modulhandbuch eines jeden Studiengangs. In ihm stehen alle wichtigen Informationen über die konkreten Inhalte der Fächer sowie die Leistungsnachweise, die erbracht werden müssen.

Ich bereue, das nicht gewusst und deswegen nicht vor meinem Studienbeginn nachgelesen zu haben. Dann wäre ich nicht so geschockt gewesen von dem großen Mathe- und Informatikanteil in den ersten drei Semestern. Es hat total viel Spaß gemacht, dennoch war es ein Schock.

Damit es dir nicht wie Sophie ergeht, haben wir für dich das Modulhandbuch für den Bachelor und Master Kognitionswissenschaft an der Uni Tübingen herausgesucht.

Die Qual der Wahl

Dir würde ein vielseitiges Studium gefallen, du bist dir aber nicht sicher, ob Kognitionswissenschaften das Richtige für dich ist? Informatik zählt zum Beispiel auch zu den interdisziplinären Studiengängen. Oder du informierst dich über einen Zwei-Fach-Bachelor, bei dem du zwei Fächer vereinst und nur in einem die Bachelorarbeit schreibst.

Allgemeine Tipps zur Studienwahl geben wir dir im Beitrag Studienwahl: Was ist das richtige Studium für mich?


Zum vollständigen Interview mit Sophie über ihr Studium Kognitionswissenschaft kommst du hier.

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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