Fremde Sprachen als Beruf: Studium zum Übersetzer und Dolmetscher

Deine Leidenschaft sind Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch? Du möchtest beruflich etwas mit Fremdsprachen machen? Dann haben wir das Richtige für dich: die Ausbildung zum Übersetzer und Dolmetscher. In diesem Beitrag erhältst du Einblicke in das Studium und wichtige Informationen zur Ausbildung an der Fachakademie. Außerdem verraten wir dir mehr über Praktika im Ausland.

Fremde Sprachen werden sein Beruf: Studium zum Übersetzer und Dolmetscher

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Ein Dolmetscher berichtet

Deutschland, ADAC, Spanien – eine Kombination, die nicht zusammenpasst? Unser Interviewpartner Max ist da anderer Meinung. Er hat vor kurzem sein drittes Jahr der Dolmetscher und Übersetzer Ausbildung an der Fachakademie abgeschlossen und plant zwei Semester im spanischen Salamanca. Im Sommer 2017 war er für drei Monate in Barcelona, um ein Praktikum beim ADAC zu absolvieren. In unserem Interview berichtet er ausführlich über seine Ausbildung.

Die bunte Palette an Sprachen

Je nach Fachakademie werden unterschiedliche Sprachen angeboten, die man erlernen kann. Max ist am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde (kurz IFA) in Erlangen. Man wählt eine erste Fremdsprache und eine zweite. An seiner Fachakademie sind das zum Beispiel folgende Sprachen:

  • Erste Fremdsprache: Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch
  • Zweite Fremdsprache: Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch

Im Bereich der Wahlfächer kann man unter anderem Chinesisch zusätzlich erlernen.

In der Erstsprache hat man mehr Stunden und diese Sprache wird in der Abschlussprüfung verlangt. In meinem Fall war das Spanisch.

Fachlich gut vorbereitet mit der Fachakademie

Weltsprachen

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Die Fachakademie bildet die angehenden Dolmetscher*innen und Übersetzer*innen nicht nur sprachlich, sondern auch fachlich aus. Das bedeutet, den Studierenden werden neben den Sprachen Grundkenntnisse im ausgewählten Fachbereichen gelehrt. Dafür trifft man die Wahl für ein Fachgebiet. Max konnte sich zwischen Geisteswissenschaften, Rechtswesen, Technik und Wirtschaft entscheiden. Seine Wahl fiel auf Wirtschaft.

Der Unterricht ist darauf ausgelegt, die Kenntnisse zu vermitteln, die benötigt werden, um Fachtexte später korrekt übersetzen zu können.

Mit seiner Wahl „Wirtschaft“ hat Max Grundlagen rund um Arbeitsmarkt, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände gelernt. Er kennt die Strukturen von Gesellschaften wie AG, GmbH etc., den Aufbau der Börse und vieles mehr. Dieses Wissen ist entscheidend für seinen Beruf als Dolmetscher und Übersetzer.

Fachübersetzung und Stegreifübersetzung

Zusätzlich zu dem Fachkundeunterricht hat man Stunden in „Fachübersetzung“ und „Stegreifübersetzung“. Fachübersetzung bedeutet, man übersetzt längere Fachtexte schriftlich. Die Stegreifübersetzung verlangt, dass man in zehn Minuten einen unbekannten Fachtext mündlich übersetzt. Dies wird benotet.

Die Qual der Wahl

Hat man sich sowohl für eine Erst- und Zweitsprache als auch für ein Fachgebiet entschieden, darf man sich zusätzlich sogenannte Wahlfächer aussuchen. Max hat zum Beispiel Tourismus, Urkundenübersetzung, Untertiteln sowie Interkulturelle Kommunikation und Kompetenz gewählt.

Warum an die Fachakademie für eine Ausbildung Übersetzer und Dolmetscher?

An den Universitäten wird die Ausbildung zum Übersetzer und Dolmetscher leider nicht in dieser Form angeboten. Erst zum Master kann das Studium in verschiedenen Bereichen vertieft werden (z.B. Konferenzdolmetschen).

Die Unterschiede zwischen Übersetzer und Dolmetscher

übersetzen

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Übersetzer dürfen im offiziellen Rahmen lediglich Dokumente übersetzen. Ein Dolmetscher hingegen ist zusätzlich zur mündlichen Übersetzung befähigt. Die Dolmetscher Ausbildung beinhaltet weitere Stunden und Prüfungen. Außerdem muss man die Abschlussprüfung zum Übersetzer erfolgreich abgelegt haben.

Voraussetzungen und Bewerbung

Um sich an der Akademie anzumelden, muss man rechtzeitig das ausgefüllte Anmeldeformular verschicken. Für das Fach Englisch sollte man sieben Jahre Schulenglisch und bei Französisch fünf nachweisen können. Bei Russisch werden an der IFA vier Jahre Schulrussisch gewünscht, während man für Spanisch keinerlei Vorkenntnisse benötigt.

Das Studium kann abgekürzt werden, indem man entweder ein Sprachzertifikat nachweist oder eine Aufnahmeprüfung absolviert.

Alles hat seinen Preis – auch die Akademie

Das Studium an der Fachakademie ist nicht umsonst. Neben einer Anmeldegebühr fallen monatliche Gebühren an. Im Durchschnitt zahlt man weniger, wenn man alle Gebühren im Jahr auf einmal überweist.

Eine Übersicht der Gebühren, die Max zum Beispiel zahlt, findet ihr hier.

Ab ins Ausland

Ein kleines Experiment: Lauft durch eure Wohnung und versucht alles, was ihr seht, in der Fremdsprache zu benennen. Schafft ihr es? Dann Glückwunsch! Wenn nicht, geht es euch wie mir am Anfang in Barcelona.

Barcelona Spanien

Barcelona, Spanien (© 2019 Pixabay)

Max hat sich für ein Praktikum in Spanien entschieden, weil er zu diesem Zeitpunkt mit seinem Spanisch noch unzufrieden war. Da der ADAC eine Kooperation mit der IFA hat, bot sich Max die Gelegenheit. Über Infoveranstaltungen am Institut konnte er sich vorab informieren. Die Vermittlung und Bewerbung lief über den Erasmuskoordinator.

Praktika und Auslandsemester sind freiwillig, aber von der Akademie empfohlen. Wer in kurzer Zeit viel über eine Sprache lernen möchte, sollte die Chance nutzen.

Eine Unterkunft finden

Über die Website https://www.idealista.com . Eine Website, über die man spanienweit Wohnungen und WG-Zimmer suchen kann. Alternativ gibt es Angebote über die Unternehmen oder Facebookgruppen für die Wohnungssuche.

Praktikum beim ADAC

Während seines Praktikums beim ADAC in der Telefonzentrale hat Max 40 Stunden in der Woche Schichtarbeit geleistet. Er nahm die Anrufe der ADAC-Mitglieder*innen an, die im Ausland eine Panne hatten und organisierte Hilfe.

Zeit für Urlaub

Urlaub war erst nach Abschluss des Praktikums möglich, da die 40-stündige Arbeitswoche gut einspannt.

Ansonsten hatte Max genug Zeit, die Stadt nach Feierabend oder am Wochenende zu erkunden.

Praktikum im Ausland finanzieren

Wer sich für ein Praktikum entscheidet, sollte vorab überprüfen, ob es Gehalt gibt. Laut Max besteht der große Unterschied darin, dass man für unbezahlte Praktika im Durchschnitt weniger Stunden arbeiten muss.

Ich bekam 300 Euro monatlich von dem Austauschprogramm Erasmus+ und erhielt zusätzlich monatlich meinen Lohn für die Arbeit.

Tipps, wie ihr während eurer Schulzeit Geld verdienen könnt, erhaltet ihr hier.

Für weiterführendes Studium Bachelor anhängen

Im sogenannten Aufbaujahr absolvieren die Studierenden Kurse an der Fachakademie, die sie auf die Bachelorarbeit vorbereiten. Die Prüfungen werden im Fall der IFA extern an der Universität München absolviert.

Salamanca Spanien

Salamaca, Spanien (© 2019 Pixabay)

Berufe nach der Akademie

In erster Linie bildet die Ausbildung dazu aus, dass man als Übersetzer und Dolmetscher freiberuflich arbeiten kann. Das bedeutet, man übernimmt Aufträge von Übersetzeragenturen und ist nirgends fest angestellt. Lässt man sich mit dem Abschluss beeidigen, kann man am Gericht als Übersetzer tätig sein.

Wichtig ist, dass man bereit ist, sich weiterzubilden.

Aus diesem Grund wird Max ein verkürztes Studium an seine Ausbildung anhängen. Auf diese Weise erhält er weitere fachliche Kompetenzen, die das Spektrum an beruflichen Möglichkeiten erweitern.

Es heißt zwar, dass man sehr gut in andere Berufe „reinrutschen“ kann, aber ich bin ehrlich: hierzu braucht man Glück.

Keine Angst vor Fehlern

Rückblickend würde ich früher mehr Vokabeln lernen und mir weniger Sorgen darüber machen, was Muttersprachler über mich denken könnten.

Menschen freuen sich, wenn sie weiterhelfen können. Deswegen trau dich, mit Muttersprachlern zu sprechen! Die Aussprache und Grammatik muss dafür nicht perfekt sein. Wer sich gerade im Alltag verbessern lässt, wird schnell besser. Das ist nicht nur ideal, wenn man sein Geld mit Dolmetschen und Übersetzen verdienen möchte.

Übersetzer Dolmetscher Never Stop Learning

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Das vollständige Interview mit Max könnt ihr auch bei uns nachlesen.


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Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach studiert und beginne in Kürze meinen Master. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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