Zwischen Medizinstudium und Abschluss: Das PJ

Du denkst über ein Medizinstudium nach? Aber du weißt nicht, was dich erwartet? Vielleicht überlegst du auch momentan, wo du dein Praktisches Jahr (PJ) absolvieren möchtest? Dieser Beitrag beantwortet Fragen rund um den Aufbau des Medizinstudiums und erklärt dir, was das PJ ist und wie man sich bewirbt.

Aufbau eines Medizinstudiums

Medizinstudenten PJ im OP

Zum Ende des Medizinstudiums können angehende Mediziner*innen im Praktischen Jahr zeigen, was sie gelernt haben.

Das Medizinstudium besitzt deutschlandweit einen festgeregelten Ablauf, der sich in drei Hauptstufen gliedert: die Vorklinik, die Klinik und das Praktische Jahr.

Erster Abschnitt: Die Vorklinik

Die Vorklinik findet die ersten vier Semester statt und wird mit dem Physikum abgeschlossen. Das Physikum besteht aus einem mündlichen und schriftlichen Prüfungsteil.

Zusätzlich muss bis dahin das Krankenpflegepraktikum nachgewiesen werden. Dieses dauert insgesamt drei Monate. Man kann das Praktikum entweder zu Beginn des Studiums oder in den Semesterferien absolvieren.

Zweiter Abschnitt: Die Klinik

Medizinische Untersuchung

Während der Famulatur sammeln die Studierenden bereits praktische Erfahrungen.

In den nächsten sechs Semestern erwartet die Studierenden der klinische Teil des Studiums. Diese Zeit wird mit dem sogenannten Hammerexamen schriftlich abgeschlossen.

Innerhalb dieser drei Jahre muss die viermonatige Famulatur absolviert werden. Während der Famulatur verbringen die Studierenden zwei Monate in einer Klinik und je einen Monat in einer ambulanten Versorgungseinrichtung und Hausarztpraxis.

Dritter Abschnitt: Das Praktische Jahr

Nach dem schriftlichen Hammerexamen kommt das bisher längste Praktikum: das PJ. Es dauert ein Jahr lang. Dieser letzte Abschnitt des Studiums wird anschließend mit einer mündlichen Prüfung abgeschlossen.

Wer jetzt Angst hat, mit Bestehen der letzten Prüfung ausgelernt zu haben, den kann ich beruhigen. Es stehen dann, sofern man die Doktorarbeit bereits studienbegleitend beendet hat, noch deren Verteidigung und die Facharztweiterbildung an. Diese nimmt einen für weitere fünf Jahre in Beschlag.

Das merkt unser Interviewpartner Olaf schmunzelnd an. Er ist am Ende seines Medizinstudiums und hat vor wenigen Monaten sein PJ begonnen. In unserem Interview erzählt er ausführlich vom Bewerbungsverfahren, worauf man achten sollte und wie sein erster Tag am Lehrkrankenhaus ablief.

Gib der Medizin eine Chance!

Das Auswahlverfahren der Universitäten zur Studienplatzvergabe ist streng. Das Studium gestaltet sich lang und zeitintensiv. Bis die Studierenden endlich Ärztinnen bzw. Ärzte sind, vergehen Jahre. Dennoch ist Olaf überzeugt:

Macht es! Es lohnt sich. Es wird von Semester zu Semester besser. Nutzt die Zeit zwischen Abitur und Semesterstart für das Pflegepraktikum. Dann habt ihr zumindest in den ersten vier Semestern, der sogenannten Vorklinik, mehr Freizeit in den Semesterferien.

Wie du deine Chancen auf ein Medizinstudium verstärkst, erfährst du hier: Medizin studieren: So erhöhst du deine Chancen.

Was ist das PJ?

Studentin beim Lernen

Vor dem PJ ist Büffeln angesagt, denn das Zweite Staatsexamen ist Voraussetzung.

Wie der Name sagt, können die Studierenden im Praktischen Jahr das Gelernte an Patientinnen und Patienten anwenden. Für das PJ suchen sich die Studierenden eines oder mehrere Lehrkrankenhäuser aus. Dort arbeiten sie insgesamt ein Jahr in Vollzeit und unterstützen praktizierende Mediziner*innen bei ihrer täglichen Arbeit.

Das Praktische Jahr findet erst am Ende des Medizinstudiums statt – kurz vor der letzten mündlichen Prüfung. Im Anschluss folgt die Facharztweiterbildung. Das Praktische Jahr darf nur antreten, wer das Zweite Staatsexamen bestanden hat.

Arbeitsbedingungen in den Lehrkrankenhäusern

Die Bezahlung der PJler*innen für ihre Arbeit reicht in den meisten Kliniken nicht zum Überleben. Aus diesem Grund fordern die angehenden Ärztinnen und Ärzte schon seit Jahren bessere Konditionen.

Viele Krankenhäuser geben einem für die Vollzeit gerade mal ein kostenloses Mittagessen. Was das für ein Stundenlohn ist? Ein Euro?

Verschiedene Kliniken haben inzwischen umgedacht und sehen in den Studierenden neue potenzielle Mitarbeiter*innen. Sie bieten Wohnungen, Automitbenutzung, mehrere Mahlzeiten und Taschengelder an.

Olaf hat für seinen ersten Abschnitt im praktischen Jahr das Klinikum Bad Hersfeld gewählt. Das Klinikum dort verspricht den PJler*innen verhältnismäßig gute Konditionen.

Wer mag, darf noch Nachtdienste im OP oder in der Psychiatrie übernehmen, um sein Gehalt weiter aufzustocken. Als ich das vor der Bewerbung las, klang es zu gut, um wahr zu sein. Doch ich kann bestätigen: Es stimmt.

Wie bewirbt man sich für ein PJ?

Viele Lehrkrankenhäuser und Universitäten sind Mitglieder des PJ-Portals. Über diese Online-Plattform bieten sie ihre Praktikumsplätze an und steuern deren Vergabe.

Erster und zweiter Buchungstermin

Das Bewerbungsverfahren teilt sich in zwei Phasen auf, die jeweils einen eigenen Buchungstermin besitzen: die lokale und die nationale Phase.

In der lokalen Phase geht es um die PJ-Plätze am Heimatklinikum. Also den Ort, an dem die Studierenden ihr bisheriges Studium verbracht haben. Die Buchung ist eine Woche lang möglich.

In der folgenden nationalen Phase erhalten die Studierenden der Medizin Zugriff auf die noch verfügbaren Plätze der anderen Lehrkrankenhäuser.

Ist dein persönlicher lokaler Termin gekommen, hast du 180 Sekunden Zeit, um deine Wunschkrankenhäuser im jeweiligen Fach auszuwählen. Sind die freien Plätze vergeben, hast du in deiner Merkliste hoffentlich noch einen Plan B, C und D vermerkt.

Das Vorgehen ist in der lokalen und nationalen Phase gleich. Nach Abschluss der Buchungstermine kann online noch getauscht werden.

Vorsicht Ausnahmen

Nicht jedes Klinikum ist Teil des Portals. Manche Lehrkrankenhäuser führen ihr eigenes Bewerbungsverfahren durch. Zusätzlich ist es an einzelnen Universitäten Pflicht, sich dort einzuschreiben.

In meinem Fall waren es Bewerbungen direkt an den jeweiligen Chefarzt, der mich dann durch den Rest der Prozedur geführt hat.

Das Praktische Jahr im Ausland verbringen

Zürich

Die Schweiz ist ein beliebtes Land zum Absolvieren des PJ.

Ein PJ ist nicht in jedem ausländischen Krankenhaus möglich. Über die anerkannten ausländischen Kliniken informiert eine Liste des Landesprüfungsamts NRW. Möchte man in eine Klinik, die nicht auf dieser Liste steht, muss dies gesondert abgeklärt werden.

Die Bewerbung erfolgt früher als in Deutschland – eineinhalb bis zwei Jahre vorher. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich rechtzeitig zu informieren. Manchmal werden auch noch kurzfristig Plätze frei.

Visum und Versicherung sollten auf jeden Fall vorab geklärt sein. Einige Kommilitoninnen und Kommilitonen mussten ihren Auslandsaufenthalt verschieben, da Ebengenanntes für manche ausländische Kliniken die nicht verhandelbare Mindestanforderung ist.

Verschiedene Kliniken und möglicher Wechsel

Das komplette Praktische Jahr können die Studierenden in insgesamt vier verschiedenen Kliniken absolvieren. Das Jahr teilt sich regulär in drei Tertiale, die jeweils vier Monate lang sind.

Man kann bei gewünschtem Auslandsaufenthalt ein Tertial halbieren, wenn man von vornherein gerne mehr sehen möchte. Sollte sich eine Klinik als ausbeuterisch und die Bedingungen vor Ort als untragbar abzeichnen, kann man kurzfristig zum Heimatklinikum wechseln.

Zukünftig möchte man das PJ in vier Quartale einteilen, von denen eines verpflichtend in der Allgemeinmedizin stattfinden soll.

Bewertungen von Studierenden im PJ-Ranking

Einen ersten Eindruck über die Kliniken kannst du dir über das PJ-Ranking machen. Auf dieser Online-Plattform berichten Studierende von ihren persönlichen Erfahrungen und geben eine Bewertung ab.

Uneingeschränkt kann man sich nicht darauf verlassen. Es gibt Studierende, für die es das Größte ist, täglich nach zwei Stunden Praktikum heimgeschickt zu werden. Andere wollen hingegen möglichst viel Verantwortung übernehmen.

Erfahrungen eines Medizinstudenten

Olaf ist mit seiner ersten Wahl im Klinikum Bad Hersfeld mehr als zufrieden. Ob es ihm anschließend in der Schweiz und in Hannover genauso ergeht, muss er noch abwarten.


Das vollständige Interview mit Olaf kannst du hier nachlesen. Darin beschreibt er ausführlich seinen ersten Tag im PJ.


Für das Medizinstudium zur Bundeswehr? Was das bedeutet erzählt, dir Lars im Beitrag: Arzt in Unform: Medizinstudium bei der Bundeswehr.

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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