Interview: Informatik studieren

Gute Jobchancen in Deutschland und ein angenehmes Gehalt nach dem Studium? Das bietet dir mit Sicherheit ein Informatik Studium. Florian, der am Ende seines Studiums Informatik an der Friedrich Alexander Universität ist, schreibt bald seine Masterarbeit. Den Bachelor of Science hat er bereits in der Tasche. In unserem Interview stellt er sich unseren Fragen zu folgenden Themen: Informatik studieren, Master of Science – ja oder nein, Beruf und Klischees.

Informatik Student erstellt Flussdiagramm

Wer gerne rätselt, bringt eine wichtige Grundvoraussetzung für das Informatik Studium mit.

Um was geht es in deinem Informatik Studium?

Die Informatik ist ein breit aufgestelltes Fach mit vielen Spezialisierungen. Diese hängen mehr oder weniger damit zusammen, dass Probleme, Fragestellungen, Aufgaben von einem Computer bearbeitet und gelöst werden sollen.

Das Studium gibt einen groben Einblick in viele Teilbereiche der Informatik: Wie funktioniert die Logik eines Computers? Was macht ein Betriebssystem? Wie funktionieren die Schaltungen eines Computers? Welche Aufgaben kann ich lösen? Wie erteile ich einen Computer Befehle? Und wie kann ich das, was Computer können, verbessern, schneller und effizienter umsetzen?

Google ist ein wichtiges Hilfsmittel für Studierende der Informatik.

Die Grundessenz der Informatik ähnelt dem Lösen von Rätseln. Informatiker versuchen, komplexe Probleme und Aufgaben durch geschicktes Kombinieren von vorhandenen oder neu erfundenen Grundbausteinen zu lösen. Man sagt gerne, dass uns Studierenden der Informatik hauptsächlich beigebracht wird, wie man effizient Google und Co. verwendet – das ist nicht falsch. Eine der wichtigsten vermittelten Fähigkeiten ist die selbstständige Beschaffung von Informationen und die effiziente, selbstständige Nachforschung bezüglich des aktuellen Problems. Es gibt viele verschiedene Aspekte, sodass sich niemand in allen zurecht findet, ohne ausgiebige Nachforschungen zu betreiben.

Zu welchen Themen werden Vorlesungen und Seminare an der Universität in Informatik gehalten?

Von den theoretischen Grundlagen eines Rechners, über die physische Umsetzung, der Softwareentwicklung in Großprojekten, Betriebssystemen bis zur Anwendungs- und Entwicklungssoftware. Man findet alles, was das Informatiker Herz begehrt. Zu allen technischen Fragen, die man sich bezüglich der Umsetzung von Hard oder Software stellt, lässt sich eine Vorlesung finden. Diese dienen zumindest als Einführung in die Teilgebiete der Informatik.

Im Informatik Studium beschäftigt man sich u. a. mit der Frage, wie Computer Befehle verarbeiten.

Ihr wollt wissen, wie photorealistische Bilder erzeugt, Gesichter erkannt oder Objekte verfolgt werden? Computergraphik und Mustererkennung können hierbei helfen. Es gibt Veranstaltungen zur besseren Ausnutzung von Hardware Ressourcen. Zum Beispiel wie Maschinenbefehle aus einer von Menschen lesbaren Zwischensprache erzeugt werden können, oder wie Computer Befehle verarbeiten. Das Schöne an der Informatik ist, dass die meisten Teildisziplinen Überschneidungen mit anderen Bereichen haben. Wer sich mit seinen Vorlesungen breit aufstellt, hat einen größeren Wissenspool, um auftretende Probleme zu lösen.

Was hast du als Nebenfach zum Studiengang Informatik gewählt?

Ich habe Mathematik als Nebenfach an der Universität gewählt. Allerdings habe ich Informatik nahe Vorlesungen genommen (Kryptographie, Optimierung, Numerik). Hauptsächlich weil es mir leicht fällt und wenig Aufwand bedeutet hat. Leider war es nicht einfach, weiterführende Vorlesungen zu besuchen, ohne die vorherigen gehört zu haben, da grundlegendes Wissen benötigt wird.

Was bedeutet das Nebenfach im Informatik Studium?

Es geht beim Nebenfach in der Informatik darum, sein Wissen in anderen akademischen Feldern aufzubauen. Die Informatik ist interdisziplinär aufgebaut, weshalb häufig eine Zusammenarbeit mit allen technischen Studiengängen entstehen kann. Ein Grundwissen in der Physik erleichtert es beispielsweise, eine realistische Simulation von physikalischen Phänomenen zu erstellen. Probleme anderer Disziplinen können einfacher verstanden und somit am Computer gelöst werden.

Welche Voraussetzungen sollte man für den Studiengang Informatik mitbringen?

Man sollte sich vor komplexen, technischen Problemen begeistern lassen können und nicht vor unerwarteten Schwierigkeiten zurückschrecken und sich entmutigen lassen. Ein innerer Wissensdrang, herauszufinden, warum und wie Dinge funktionieren bzw. weshalb sie gerade nicht funktionieren, ist eine der Eigenschaften, die ich als sehr hilfreich für das Informatik Studium ansehe.

Den Fehler in einem selbst programmierten Code zu finden, erfordert ein gewisses Maß an Frustresistenz.

Eine der Hürden in der Informatik ist es (oft selbst gelegte) Stolpersteine und Fehler zu finden und zu beseitigen. Daher ist ein gewisses Maß an Frustresistenz meines Erachtens notwendig, um nicht vorzeitig das Studium aufzugeben. Meist existiert eine Lösung, sie ist nur gut versteckt.

Wer eine Mathephobie hat, muss nicht entmutigt sein, es gibt Teilgebiete in der Informatik, in denen Mathematik wenig Verwendung findet. Dennoch braucht man ein gewisses Grundverständnis – ohne diesem tut man sich schwer. Als eine der wichtigsten Fähigkeiten empfinde ich es, logische Zusammenhänge zu erkennen und aus diesen Schlussfolgerungen zu ziehen. Somit lassen sich bereits gelöste Fragestellungen mit aktuellen Problemen in Verbindung setzen. Deshalb würde ich behaupten, wer Spaß an Rätseln hat, ist in der Informatik gut aufgehoben.

Welche beruflichen Möglichkeiten stehen dir mit dem Studiengang Informatik offen?

Eine Frage, die jeder Studierende zu hören bekommt – vor allem gegen Ende des Studiums. Grundsätzlich kann ich mich in den meisten Disziplinen der Informatik nach dem Master zurecht finden. Vermutlich fängt es mit einer Programmiererstelle an, eventuell mit einer Forscherstelle, wer weiß.

Im weiteren Lebensverlauf kann man sich da definitiv auf Projektleiter oder Managementrollen fokussieren und mehr Verantwortung übernehmen. Mittlerweile wird so viel Software benötigt, dass man sich als Informatiker wenige Gedanken um Stellen in Deutschland machen muss.

Sollte man einen Master nach dem Bachelor machen?

Ja. Der Abschluss Bachelor of Science vermittelt nur die wichtigsten Basics, quasi das Grundstudium aus dem Diplom. Ich würde jedem den Master empfehlen, da man sich hier erst auf die eigenen Interessen in der Informatik konzentriert. Wer besser verdienen möchte, sollte ohne Zweifel einen Master machen.

Wie steht es mit dem Klischee, es gäbe keine Frauen in der Informatik?

Zu 80 bis 90 Prozent korrekt. Es gibt mehr Studenten als Studentinnen im Studiengang Informatik.

Das Ende deines Studiums der Informatik naht sich. Würdest du rückblickend etwas ändern wollen?

Natürlich, wäre ja traurig wenn nicht. Ich hätte am Anfang mehr Zeit in der Uni verbringen sollen, um stärkere soziale Kontakte zu knüpfen. Stattdessen habe ich lieber meine Übungen zu Hause bearbeitet. Genauso sinnvoll wäre es gewesen, mich um ein Auslandssemester zu bewerben. Nicht aus akademischen Gründen, sondern weil es eine super Erfahrung gewesen wäre. Das bereue ich am meisten. Ansonsten hatte ich eine Menge Spaß in den letzten Jahren, ich kann mich nicht wirklich beschweren.


Wir danken Florian für das interessante Interview und wünschen ihm für die Masterarbeit viel Erfolg!


Alle wichtigen Informationen zum Thema Informatik studieren erhaltet ihr in Kürze in unserem Beitrag zum Thema.


Interview: Medizinstudium bei der Bundeswehr

Interview: Bachelor Angewandte Freizeitwissenschaft

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.