Für das Studium die Heimat verlassen?

Du bist dir nicht sicher, ob du nach dem Abi für das Studium von zu Hause wegziehen und deine Heimat verlassen sollst? Wir haben fünf Personen befragt, die diese Frage ganz unterschiedlich angegangen sind. In diesem Beitrag erfährst du mehr über ihre persönlichen Entscheidungen und kannst dir ein eigenes Bild über die Vor- und Nachteile machen.

Frau auf Balkon

Der Auszug von Zuhause ist ein großer Schritt in Richtung Selbstständigkeit.

Nach dem Abitur zu Hause bleiben

Alicia studiert im Master Literatur und Medien und wohnt bewusst noch zu Hause bei ihrer Familie. Zuvor hat sie ihren Zwei-Fach-Bachelor in Germanistik und Geschichte absolviert. Sie betrachtet die Vor- und Nachteile differenziert.

Einer der großen Vorteile ist vor allem das Geld. Da man nicht gleichermaßen darauf angewiesen ist, jeden Monat zum Beispiel 450 Euro für Miete, Essen etc. zu verdienen. Zum anderen muss man sich insgesamt um weniger kümmern, weil einen Teil die Eltern immer noch übernehmen.

Dem gegenüber stehen die Nachteile, die durch das Pendeln entstehen. Während sie keine Miete zahlen muss, bleibt das typische Leben eines Studierenden zum Teil auf der Strecke.

Man kommt nicht so gut in das Studentenleben hinein. Das liegt zum einen daran, dass man zu verschiedenen Veranstaltungen nicht geht oder gehen kann, weil man pendelt. Außerdem beeinflusst das Wissen, dass man Zuhause ist, sicher auch den Grad der Offenheit. Also ob man bereit ist, auf neue Leute, Erlebnisse und andere Dinge zuzugehen.

Freunde sitzen gemütlich zusammen

Egal ob neue oder alte Heimat: Freunde sind überall wichtig.

Dennoch überwiegen ihrer Ansicht nach die Vorteile. Sie sieht ihren Freundeskreis aus der Schule regelmäßig und steht ihrer Familie nah.

Der größte Vorteil ist für mich, dass ich weiterhin regelmäßigen Kontakt zu meinem etablierten Freundeskreis habe. Ich bin hier, wenn andere Freunde, die zum Studieren weg sind, übers Wochenende oder in den Ferien heimkommen. Und ich finde es schön, ein enges Verhältnis zu meiner Familie zu haben und noch zu Hause zu wohnen.

Eine eigene Wohnung zu Hause

Florian hatte das Glück, dass für ihn zu Hause eine Wohnung frei stand. Er zog nach dem Abitur in sein eigenes Reich in nächster Nähe zu seiner Familie ein und wohnt bis heute dort.

Der größte Vorteil ist der finanzielle, wenn man in irgendeiner Form bei den Eltern unterkommt. Das führt dazu, dass man nicht oder nur weniger arbeiten muss, womit man sich mehr Freizeit gönnen kann. Ansonsten hat man ein vorhandenes, ausgebautes, soziales Umfeld, auf das man sich verlassen kann. Das erleichtert den Studienbeginn.

Farbwalze und Pinsel

Die erste eigene Wohnung lässt einen selbstständiger werden.

Florian, der Informatik studiert, schätzt wie Alicia die bereits bestehenden Freundschaften. Was du jedoch bedenken solltest, ist die Tatsache, dass sich deine Freundinnen bzw. Freunde anders als du entscheiden können. Während du zu Hause bleibst, ziehen sie vielleicht alle weg.

Da man sich weniger um neue Bekanntschaften kümmern muss, findet man wahrscheinlich auch weniger. Diesen Punkt würde ich aber weder positiv noch negativ bewerten.

Du solltest keine Angst davor haben, dass du weniger leicht neue Freundschaften findest, wenn du nach dem Abi zu Hause wohnen bleibst. Es gibt genug andere Studentinnen und Studenten, die sich für den gleichen Weg entscheiden. Wichtig ist, dass du dich offen zeigst. Auf diesem Weg klappt es schnell mit neuen Bekanntschaften.

Nachteile gibt es sicherlich auch viele. Der Größte ist, dass man nicht vollkommen unabhängig lebt und direkt mit den Erwartungen der Familie konfrontiert ist. Am Ende vom Tag ist es nicht schlimm, aber es nervt manchmal. Ansonsten lernt man auch keine neuen Städte kennen und erlebt nicht so viel, was mich zum Glück nicht wirklich stört.

Zurück in die Heimat

Erste eigene Wohnung

Eine neue Wohnung bringt auch neue Verpflichtungen mit sich.

Marie hat nach dem Abitur ihre Heimat verlassen. Für ihr Studium zog sie zunächst nach Göttingen. Als ihr das Studium nicht taugte, ging sie zurück nach Hause und suchte sie sich eine eigene Wohnung in der Nähe ihrer Familie und Freunde. Hier macht sie nun eine Ausbildung zur Kindererzieherin.

Ich denke, ein Vorteil ist, dass man seinen Horizont erweitert. Man lernt so viele neue Leute kennen, eine neue Stadt, vielleicht sogar neue Bräuche. Man kommt aus seiner Komfortzone heraus und kann an sich wachsen. Ich persönlich habe aus meiner Zeit in Göttingen unheimlich viel mitgenommen.

Sie ist froh über ihre Erfahrungen und Erlebnisse, die sie in dieser Zeit gemacht hat. Dennoch möchte sie auch zukünftig in ihrer Heimat bleiben – jedoch in einer eigenen Wohnung.

In der Heimat hat man mehr Halt und Unterstützung. Dadurch kennt man sich aus und kann sich manchmal besser auf das Studium konzentrieren. Ich denke, das muss jeder für sich selbst wissen.

Nach dem Abi ausziehen

Eva ist nach dem Abitur ausgezogen. Den ersten Schritt hat sie über das Freiwillige Ökologische Jahr auf einem Bauernhof gewagt. Dort hat sie mit anderen FÖJlerinnen und FÖJlern zusammengearbeitet und gelebt: ein Sprung ins kalte Wasser, den sie bis heute nicht bereut.

Du bist erstmal auf dich allein gestellt. Das kann sowohl Vor- als auch Nachteile haben. Ein neues Umfeld eröffnet viele Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln, neue Kontakte zu knüpfen. Man wird zwangsläufig selbstständiger. Gleichzeitig ist es eine riesige Herausforderung , als schüchterner Mensch die Komfortzone zu verlassen und vertraute Personen zurück zu lassen. Das Verhältnis zur Familie verändert sich.

Weit weg ans Meer

Home is where the heart is

<3

Pirko wollte weg – weit weg. Sie wollte ihre Heimat verlassen, denn zu Hause bei ihren Eltern fiel ihr die Decke auf den Kopf. Ihr war nach einer neuen Stadt und nach Meer, weshalb sie für Studium Angewandte Freizeitwissenschaft nach Bremen gezogen ist.

Ich habe hier in Bremen neue Menschen kennen gelernt, die ich nicht schon über zwei Ecken kenne. Während meines Work and Travel Aufenthalts in Neuseeland musste ich selbstständiger werden und habe mich selbst besser kennengelernt.

Die Nachteile nimmt sie kaum wahr, da sie ihren Traum am Meer leben darf. Sie ist ihren Eltern dankbar, auch wenn sie aufgrund der Distanz selten in die Heimat fahren kann.

Aber ja, es gibt auch Nachteile, auch wenn ich sie nie wirklich so gesehen habe. Da ich ca. fünf Stunden mit dem Zug entfernt von meiner Heimat wohne, kann ich nicht für einen Geburtstag, einen Ausflug oder einfach auf einen Kaffee nach Hause fahren. Man muss sich zudem gezwungenermaßen mit einigen bürokratischen Dingen auseinandersetzen, die die Wenigsten gerne machen.

Schlussendlich bereut Pirko keine ihrer Erfahrungen. Sie hat die Nachteile so akzeptiert, wie sie sind, und zieht aus ihnen das Beste.

Es ist ein Lernen, Erfahrung und eine Selbständigkeit, die ich mir in meiner bisherigen Zeit hier angeeignet habe, die ich nicht mehr missen will und jedem Menschen nur ans Herz legen kann!

Was nun – zu Hause ausziehen oder nicht?

Zum ersten Mal von zu Hause ausziehen ist wie ein Sprung ins kalte Wasser. Plötzlich bist du auf dich allein gestellt. Du musst dich selbst um dein Essen und deine Wäsche kümmern. Wenn du krank bist, musst du dir selbst Tee kochen und zur Apotheke laufen. Wenn du den letzten Bus verpasst hast, kannst du nicht zu Hause anrufen, ob dich jemand abholt. Damit wirst du zwangsläufig selbständiger.

Junge Frau sitzt am Fenster

Manche zieht es in die Ferne, andere brauchen ihre vertraute Umgebung.

Gleichzeitig erlebst du eine bisher nie dagewesen Freiheit, die du in vollen Zügen ausleben kannst. Niemand fragt dich, wann du kommst und wann du gehst. Du isst, worauf du Lust hast. Entwickelst deinen eigenen Tagesrhythmus, triffst kleine und große Entscheidungen.

Je nachdem wie die finanzielle Unterstützung deiner Eltern ausfällt, musst du dir eventuell einen Mini-Job oder eine Werkstudentenstelle suchen, um Miete und Essen bezahlen zu können. Leider ermöglicht nicht jeder Studiengang den Freiraum, nebenher zu arbeiten. Bewerbe dich deshalb für Stipendien und erkundige dich, ob du BAföG beantragen kannst!

Neue Menschen? Neue Stadt? Ein neues Zuhause und ein neues Leben? Diese Gedanken können Angst machen, wenn das Abi geschafft ist und eine Entscheidung getroffen werden muss. Sollten sie aber nicht! Es ist aufregend und spannend, neue Welten zu entdecken. Du darfst nicht vergessen, allen anderen Studierenden geht es wie dir. Sie sind neu und auf der Suche nach Freundschaften.

Zwischenlösungen finden

Du möchtest nicht sofort komplett auf dich alleine gestellt sein? Wie wäre es, wenn du dir ein Studium in nächster Nähe aussuchst? Auf diese Weise kannst du regelmäßig nach Hause fahren, Kontakt mit deinen bisherigen Freunden halten und deine Familie häufig sehen.

Du musst nicht deine Heimat verlassen, um selbstständig zu werden. Ein WG-Zimmer oder eine eigene Wohnung helfen dir dabei, auch wenn du in deiner vertrauten Umgebung bleibst.


Welche Erfahrungen hast du beim Thema Ausziehen von zu Hause gemacht? Ist dir der Schritt schwer gefallen oder konntest du es kaum erwarten? Wohnst du vielleicht noch immer bei deiner Familie? Schreib uns gerne einen Kommentar und erzähl uns davon!


Tipps, wie du in der neuen Stadt ein WG-Zimmer findest, erhältst du hier.

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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