Interview: FÖJ auf dem Bauernhof

Abi, …und was dann? Eva stand 2014 vor dieser Frage und hat sich für ein freiwilliges ökologisches Jahr (kurz FÖJ) entschieden. Die beste Entscheidung, die sie treffen konnte – wie sie im Nachhinein versichert. Heute studiert sie Umweltsicherung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und arbeitet momentan an ihrer Bachelorarbeit. Wie sie zu ihrem FÖJ kam und was sie in diesem Jahr gelernt hat, erfahrt ihr in diesem Interview.

Interview Eva FÖJ

Unsere Interview-Partnerin Eva (Foto: privat)

Wie bist du auf die Idee gekommen, ein FÖJ zu absolvieren?

Ehrlich gesagt wusste ich nicht, was ich nach dem Abschluss machen möchte. Vom freiwilligen ökologischen Jahr hatte ich bis dahin noch nie gehört. Meine Mama war da besser informiert – sie hat mir den entscheidenden Tipp gegeben.

Wo hast du dich über das freiwillige ökologische Jahr informiert?

Da ich niemanden kannte, der ein FÖJ gemacht hat, habe ich mich hauptsächlich über das Internet informiert. Das freiwillige ökologische Jahr wird auf Länderebene von verschiedenen Trägern organisiert, deshalb sucht man am besten gleich nach dem gewünschten Bundesland.

Unter foej-bayern.de sind zum Beispiel alle Informationen für ein FÖJ in Bayern zusammengefasst.

Wie lange dauert ein FÖJ?

In der Regel dauert das FÖJ ein ganzes Jahr. Unter bestimmten Umständen kann es vorzeitig beendet werden.

Wie und wo hast du dich für dein FÖJ beworben?

Unter der Internetadresse (s.o.) ist ein Bewerbungsbogen als Download zu finden. Ich habe mir die möglichen Einsatzstellen und deren Kurzprofile angeschaut, um einen Überblick zu bekommen.

Dann habe ich überlegt: Was ist mir wichtig? Zum Beispiel wollte ich direkt an der Einsatzstelle wohnen. Mir war auch wichtig, nicht die einzige FÖJlerin am Standort zu sein. Und es sollte kein Bürojob werden, davon hatte ich nach der Lernerei für die Abschlussprüfungen genug. Nach diesen Kriterien plus Bauchgefühl habe ich dann drei Wunscheinsatzstellen ausgewählt.

Ich habe mich für Einsatzstellen in anderen Bundesländern beworben – hier gibt es unterschiedliche Bewerbungsverfahren, Fristen, Vergütung etc.

Woraus besteht das freiwillige ökologische Jahr?

Der Freiwilligendienst besteht hauptsächlich aus der Arbeit in der Einsatzstelle, die auf verschiedenste Weise etwas „Ökologisches“ an sich haben kann. Zusätzlich gibt es (in Bayern) fünf Seminare, bei denen man eine Woche mit anderen Freiwilligen verbringt. Unter der Anleitung eines Vorbereitungsteams beschäftigt man sich hier mit verschiedensten Themen aus den Bereichen Ökologie, Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Die Inhalte werden nach Interessen der Gruppe gestaltet und wir als FÖJler durften selbst Teil des Vorbereitungsteams werden!

Man wächst als Gruppe zusammen, freut sich aufs Wiedersehen und trifft sich mal zwischen den Seminaren. Zu ein paar Leuten habe ich immer noch Kontakt.

Wo warst du und was waren deine Aufgaben?

Meine Einsatzstelle war ein Biobauernhof in der Nähe von Regensburg. Wichtige Aufgaben waren das Füttern und Versorgen der Tiere. Wir haben beim Melken von Ziegen und Schafen geholfen und die Milch dann in der Hofkäserei weiterverarbeitet. Beim Verkauf der Produkte im Hofladen waren wir ebenfalls vor Ort. Das war ein tolles Gefühl – das Ergebnis der eigenen Arbeit zu sehen und zu schmecken!

FÖJ Landschaft

© 2019 Pixabay

Ab und an gab es Kooperationen mit einem Hort und einem Waldkindergarten. Die Kinder haben uns regelmäßig bei der Arbeit im Stall unterstützt: Ziegenkitze mit der Flasche füttern, Schweine kraulen, Lämmer kuscheln…

Und die Bezahlung? Wurde deine Arbeit vergütet?

Ich habe ein Taschengeld von ca. 180€ im Monat und eine Verpflegungspauschale ausgezahlt bekommen. Wer sich um eine Wohnung kümmert oder noch bei den Eltern wohnt, bekommt darüber hinaus eine Unterkunftspauschale. Ich glaube, man kann das gut mit dem Gehalt in einer Ausbildung vergleichen.

Was hast du in dieser Zeit gelernt?

Selbstständig leben, einkaufen, kochen, einen Haushalt führen. Verantwortung übernehmen – für die Tiere, die Kinder und die Käserei. Körperlich und selbstständig arbeiten, auch wenn die Arbeitszeiten nicht immer das Gelbe vom Ei waren.

Gibt es einen unvergesslichen Moment?

Ich habe gerade lange überlegt und mir sind viele Momente eingefallen, an die ich unglaublich gerne zurückdenke. Wenn ich einen witzigen herauspicken müsste: Vier Kindergartenkinder plus Erzieherin kraulen die vor Freude grunzende Muttersau…

Würdest du rückblickend behaupten, das FÖJ hat dich auf irgendeine Weise geprägt?

Ich glaube, ich bin selbstständig und vor allem selbstbewusster geworden. Eigentlich bin ich eher schüchtern, aber im FÖJ wurde ich ins kalte Wasser geworfen. Das hat mir glaube ich geholfen, offener zu werden – vor allem im Umgang mit Fremden.

Was hast du aus deinem FÖJ mitgenommen?

Das Interesse für Nachhaltigkeit und Umwelt, eine sehr sehr gute Freundin und meinen Freund 😉

Würdest du erneut ein freiwilliges ökologisches Jahr absolvieren und warum?

Es war eine gute Zeit mit Menschen (und Tieren), die mir ans Herz gewachsen sind. Direkt studieren und weiterlernen nach dem Abi wäre keine Option für mich gewesen.

Wenn du zurückblickst, würdest du etwas anders machen?

Nein – außer vielleicht eine andere Einsatzstelle wählen, da gibt es unglaublich viele interessante Möglichkeiten. Es war für mich der richtige Weg und ich würde mich jederzeit wieder genauso entscheiden. Man muss nach dem Abi nicht zwangsläufig nach Australien, um ein Jahr erlebnisreiche Auszeit zu genießen und neue Leute kennenzulernen. 😉


Wir bedanken uns bei Eva für das interessante Interview und wünschen ihr für die Zukunft viel Erfolg!

Dein Weg zum eigenen WG-Zimmer

FÖJ auf dem Bauernhof – ein unvergessliches Jahr

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach studiert und beginne in Kürze meinen Master. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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