Bundesfreiwilligendienst – Engagement und Orientierung

Du hast deinen Schulabschluss in der Tasche und willst nicht gleich ein Studium oder eine Ausbildung anfangen? Oder weißt du noch nicht, welchen beruflichen Weg du gehen sollst? Wie viele andere junge Menschen willst du dich sozial, ökologisch oder kulturell engagieren? Das kannst du in Deutschland unter anderem im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes, kurz BFD, machen. Ein soziales Engagement bringt dich in deiner persönlichen Entwicklung und Orientierung weiter. Der BFD ist eine Möglichkeit, deine Zeit sinnvoll zu investieren und zuerst die Arbeitswelt kennenzulernen. Gleichzeitig kannst du Referenzen für deinen Lebenslauf sammeln.

Bundesfreiwilligendienst

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Bufdi Pascal

Pascal

Wie du und viele andere setzte sich Pascal nach seinem Schulabschluss mit diesen Fragen auseinander. Er nutzte 2018 die Möglichkeit, den BFD in einer Einrichtung für behinderte Kinder zu leisten. Von seinen Erfahrungen erzählt er in einem Interview. Die wichtigsten Informationen zum BFD sowie Pascals Erfahrungsbericht findest du in diesem Beitrag.

Der Bundesfreiwilligendienst

Was ist das?

Wie der Name verrät handelt es sich beim BFD um einen freiwilligen Dienst im gemeinnützigen Bereich. Der BFD ist eine Ergänzung der Freiwilligendienste in den einzelnen Bundesländern. Der BFD und das freiwillige oder ökologische Jahr, kurz FSJ beziehungsweise FÖJ, dienen als Ersatz für den ausgesetzten Zivildienst. Aus diesem Grund gibt es Stellen im BFD in allen Bundesländern, Städten und Gemeinden. In Deutschland können Jugendliche und junge Erwachsene diesen Dienst leisten, die ihre Schulpflicht erfüllt haben und das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die Organisation des BFD, umgangssprachlich „Bufdi“ genannt, liegt beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, kurz BAFzA.

Was unterscheidet die verschiedenen Freiwilligendienste?

  • Die Altersgrenze für das FÖJ oder FSJ liegt bei 27 Jahren, während es beim BFD keine Beschränkung nach oben gibt.
  • Während man ein FÖJ oder FSJ einmalig ableisten kann, ist dies beim BFD mit einer Pause von fünf Jahren dazwischen mehrmalig möglich.
  • Die „FSJler oder FÖJler“ arbeiten normalerweise in Vollzeit, der oder die „Bufdi“ über 27 Jahre kann in Teilzeit arbeiten.
  • Im Unterschied zum FSJ und FÖJ kann man den BFD nicht im Ausland absolvieren.
  • Die Trägerschaft übernehmen beim FSJ und FÖJ anerkannte soziale und gemeinnützige Einrichtungen auf Länderebene, beim BFD der Bund.
Pflege

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Einsatzstellen und Tätigkeitsbereiche

Es gibt viele verschiedene Einsatzstellen und Tätigkeitsbereiche. Es handelt sich um Einsatzstellen in der Kinder-, Jugend- und Behindertenhilfe, der Jugendarbeit sowie der Wohlfahrts-, Gesundheits- und Altenpflege. Des Weiteren sind es Einrichtungen des Sports, der Integration, der Kultur- und Denkmalpflege, der Bildung und des Zivil- und Katastrophenschutzes. Darüber hinaus ist eine Tätigkeit im Umwelt- und Naturschutz möglich.

Wo hast du den Bundesfreiwilligendienst gemacht, Pascal?

„Ich habe meinen BFD in einer Einrichtung für geistig behinderte Kinder gemacht. Ich habe viele Bufdis kennengelernt, die in verschiedenen Einrichtungen arbeiten, die Bufdis einstellen. Das sind Kitas, Kindergärten, Wohnheime, Förderstätten, Altersheime oder ambulante Pflegedienste. „

Bewerbung und Voraussetzungen

Bei deiner Bewerbung nimmst du am besten mit der Einsatzstelle, die dich interessiert, direkt Kontakt auf. Als Hilfestellung bietet unter anderem das BAFzA eine Einsatzstellensuche. Eine Bewerbung ist ganzjährig möglich, Arbeitsbeginn ist normalerweise der 1. eines Monats.

Wann und wo hast du dich beworben, Pascal?

„Ich habe mich für meinen BFD im Februar 2018 beworben. Im April hatte ich dann ein Probearbeiten. Die Zusage kam letztendlich im Mai. Ich denke das ist unterschiedlich, wann man sich bewerben muss. Es kommt drauf an, wie beliebt die Einrichtungen für Bufdis sind oder ob die jeweilige Einrichtung Erfahrungen mit Bufdis hat. Ich würde sagen, man sollte sich sechs bis neun Monate vorher umschauen.“

Wer kann den Bundesfreiwilligendienst machen?

„Prinzipiell kann den BFD jede*r machen, der oder die seine oder ihre Schulpflicht vollendet hat. Es spielt keine Rolle, welchen Abschluss man hat oder ob man einen Abschluss hat. Das Alter spielt ebenfalls keine Rolle. Es gibt unter anderem Rentner*innen, die Freiwilligendienste leisten.“

Wo hast du dich informiert?

„Ich habe mich direkt über die Einrichtung informiert und dann mal gegoogelt, was der BFD grundsätzlich ist. Im Internet gibt es viele seriöse Quellen, zum Beispiel die Seite bundes-freiwilligendienst.de oder die Seite vom Bundesamt für Familie. Ansonsten kann man sich weiter bei bestimmten Einrichtungen direkt erkundigen. Auf der Internetseite der Caritas findet man zum Beispiel viele Informationen.“

Dauer und Arbeitszeit

Normalerweise umfasst der BFD ein Jahr, längstens zwei Jahre und geringstenfalls 6 Monate. Die zeitliche Organisation des BFD ist demzufolge flexibel. Für Freiwillige, die jünger als 27 sind, ist in der Regel eine Beschäftigung in Vollzeit vorgesehen. Liegt ein triftiger Grund vor, dann können Freiwillige unter 27 ihren Dienst in Teilzeit ableisten. Freiwillige über 27 müssen geringstenfalls 20 Stunden pro Woche an ihrer Einsatzstelle verbringen.

Wann beginnt der Bundesfreiwilligendienst und wie lange dauert er?

„Das ist unterschiedlich. Die BFDe, die ein Jahr dauern, beginnen in den meisten Fällen im September. Man kann den BFD auf sechs Monate verkürzen oder auf bis zu 24 Monate verlängern. Ich habe Leute kennengelernt, die im November oder Dezember angefangen haben. Ich denke da gibt es keine genauen Richtlinien.“

Vergütung und sonstige Leistungen

Vergütung

Bufdis beziehen ein Taschengeld für ihre Dienste, dessen Höhe die jeweilige Einsatzstelle festlegt. Derzeit liegt die Höchstgrenze bei 402 €. Die Einrichtungen können die Kosten für Kleidung, Unterbringung und Verpflegung bereitstellen oder erstatten, verpflichtet sind sie dazu nicht. Die Beiträge zur Sozialversicherung übernimmt in jedem Fall die Einsatzstelle.

Freiwilligenausweis

Jede*r Bufdi erhält einen Ausweis, der ihr oder ihm Vergünstigungen ermöglicht, zum Beispiel bei Eintrittspreisen oder Fahrkarten.

Anleitung

Die Einrichtungen stellen jeder oder jedem Freiwilligen eine Fachkraft als Betreuer*in zur Seite. Zusätzlich können Bufdis regelmäßig kostenlose Seminare in Anspruch nehmen.

Zeugnis

Am Ende der Dienstzeit steht den Freiwilligen ein Arbeitszeugnis zu.

Motivation und Erfahrungen

Warum hast du den Bundesfreiwilligendienst gemacht, Pascal?

„Ich finde es ist subjektiv, warum jemand einen BFD leistet. Ich habe den BFD gemacht, weil ich mich seit Langem für soziale Arbeiten in dieser Richtung interessiert habe. Da wollte ich mal reinschnuppern. Der zweite wichtige Grund war, dass ich mit einem Jahr BFD die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger machen kann. Mit mittlerer Reife braucht man zwei Jahre Vorpraktikum oder Arbeitserfahrung in diesem Bereich, mit Abitur reicht ein Jahr. Durch den BFD habe ich diese zwölf Monate jetzt abgeleistet und kann im September meine Ausbildung anfangen.“

Was bringt dir der BFD?

„Ich denke, der BFD macht sich auf jeden Fall gut im Lebenslauf. Wenn man keine Ahnung hat, was man machen will, kann man sich beruflich orientieren und nebenbei ein kleines Taschengeld verdienen. Interessiert man sich für einen Beruf und weiß nicht, ob es der Richtige ist, könnte man sechs Monate BFD leisten. Im Nachhinein weiß man mehr.“

Kinderhilfe

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Was nimmst du aus der Zeit als Bufdi mit?

„Was ich aus der Zeit mitnehme sind auf jeden Fall viele wertvolle Erfahrungen: Wie finde ich Bindung zu Kindern? Wie bin ich für die Kinder Freund und Aufpasser zugleich, sodass sie mich gernhaben und gleichzeitig respektieren? Wie läuft die Arbeit speziell in einer sozialen Einrichtung und in einem Betrieb allgemein ab? Ich habe letztes Jahr mein Abi gemacht und hatte davor zwar Nebenjobs. Ich hatte demzufolge Erfahrung, was es heißt zu arbeiten. Wenn man dann eine Vollzeitstelle antritt, lernt man andere Aspekte kennen. Man könnte es als eine Art Eingliederung in den Arbeitsmarkt sehen. In meinem persönlichen Fall ist es ein Vorteil, dass ich nach dem BFD direkt die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger anfangen kann.“

Wir bedanken uns bei Pascal für die Beantwortung unserer Fragen und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute!

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Simon

Als Lehrer an einem Gymnasium in Bayern hatte ich schon die Möglichkeit als Autor an einigen Trainingsbüchern des STARK-Verlags mitzuarbeiten und etwas Verlagsluft zu schnuppern. Nun schreibe ich für schultrainer.de und möchte den Leserinnen und Lesern einige Einblicke in den Schulalltag und die Bildungslandschaft geben sowie über andere relevante und interessante Themen berichten.

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