Kreativ und pädagogisch: Ausbildung Erzieher*in (staatlich geprüft)

Du möchtest einen Beruf, in dem Pädagogik und Kreativität Hand in Hand gehen? Eine Ausbildung ist dir lieber als ein Studium? Schon mal an die Ausbildung zum staatlich geprüften Erzieher bzw. staatlich geprüften Erzieherin gedacht? In diesem Beitrag erfährst du alle Informationen zum Aufbau und dem Inhalt der Ausbildung, zur Bewerbung sowie zur Finanzierung.

Kind Garten

Traumberuf Erzieher*in (© 2019 Pixabay)

Eine bewusste Entscheidung

Studium oder Ausbildung? Marie war sich nach dem Abi unsicher. Deswegen probierte sie zunächst einen Zwei-Fach-Bachelor mit den Fächern Germanistik und Skandinavistik. Schnell bemerkte sie, dass dies nicht der richtige Weg für sie war. Sie wechselte von Germanistik zu Buchwissenschaft und war weiterhin unzufrieden. Durch Zufall stieß sie dann auf die Ausbildung Erzieherin.

Um das geht es: Inhalt und Aufbau

Die Ausbildung zum staatlich geprüften Erzieher bzw. zur staatlich geprüften Erzieherin dauert drei Jahre. Als Voraussetzung kommen zwei Jahre Sozialpädagogisches Seminar (kurz SPS) hinzu. Diese können je nach Vorausbildung abgekürzt werden.

Das Sozialpädagogische Seminar

Das Seminar läuft über die Fachakademie (kurz FAKS) und endet mit dem Abschluss zum staatlich geprüften Kinderpfleger bzw. geprüften Kinderpflegerin. In den zwei Jahren verbringen die Auszubildenden wöchtenlich vier Tage in einer Einrichtung und einen Tag in der Schule.

Die Erzieher Ausbildung

Im Anschluss lässt sich die Ausbildung zum Erzieher bzw. zur Erzieherin anhängen. Die drei Jahre sind aufgeteilt in zwei Jahre Theorie an der Fachschule und einem Jahr Praxis.

Zurück in die Schule

Für die ersten zwei Jahre Theorie verbringt man als baldiger Erzieher bzw. baldige Erzieherin viel Zeit in der Fachakademie. Die Hauptfächer sind Pädagogik/Psychologie, Praxis- und Methodenlehre und Heilpädagogik. Die schulische Ausbildung beschäftigt sich beispielsweise mit Lernen, der Gestaltung von Lehrangeboten für Kinder und Gesprächstechniken. Erziehungsziele, Werte und Normen stehen dabei im Mittelpunkt. Die Schulen vermitteln die wichtigen Grundlagen der späteren Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Malen

Malen und Basteln (© 2019 Pixabay)

Meine Lieblingsfächer sind Kunst/Werken und Musik. Da kann man sich austoben und Spaß haben. Und als theoretisches Fach mag ich Pädagogik/Psychologie am Liebsten. Das ist total spannend, und was man dort lernt, bringt einem nicht nur für den Beruf etwas, sondern auch für sich selbst.

Am Ende schließt man die schulische Ausbildung mit Prüfungen in den Hauptfächern ab. Die Nebenfächer zählen ebenfalls im Abschlusszeugnis zur Abschlussnote.

Berufliche Erfahrungen sammeln mit Praktika in Kita & Co.

Die angehenden Erzieherinnen und Erzieher müssen während ihrer Ausbildung eine Vielzahl an Praktika absolvieren. Diese können in den Bereichen Krippe, Kindergarten, Hort, Mittagsbetreuung, Jugendclub, Jugendheim, Heil- und Sonderpädagogische Einrichtung verortet sein. Wichtig ist, dass der*die Auszubildende am Ende je ein Praktikum aus vier verschiedenen Bereichen nachweisen kann. Mit dieser Regel fördert man die Selbstreflexion der Auszubildenden. Sie sollen herausfinden, welche Arbeit ihnen liegt und welche Stellen ihnen beruflich zusagen würden. Das Praktikum wird von der Kita etc. beurteilt und benotet. Der zukünftige Erzieher bzw. die zukünftige Erzieherin muss außerdem ein Projekt mit den Kindern bzw. Jugendlichen durchführen, um anschließend einen Bericht darüber zu verfassen. Von den Schulen werden Dozentinnen oder Dozenten geschickt, die das Praktikum überprüfen.

Bei diesem Besuch müssen wir eine Projekteinheit mit den Kindern durchführen. Das ist schön viel Stress in so kurzer Zeit, da man sich erstmal in die neue Situation eingewöhnen muss. Aber man lernt unheimlich viel.

Bunt und kreativ – nicht nur im Kindergarten

Masken basteln Erzieher*in

Bastelstunde (Foto: privat)

Kreativität ist ein Grundbaustein der Ausbildung. Die Aufgaben, die die Fachschule stellt, bieten viel Freiraum. Marie hat während ihrer Erzieher Ausbildung eine Tiermaske aus Gips gestaltet und ein Kinderlied geschrieben. Im Team hat sie mit Mitschülerinnen eine Patchworkdecke zusammengenäht und für das Sommerfest Deko entworfen.

Letztes Jahr sollten wir beispielsweise ein Medium für Kinder anfertigen. Dabei war es egal, was und für welche Altersgruppe. Es sollte aber ein Umweltaspekt enthalten sein. Meine Gruppe hat ein Hörbuch für Grundschüler über den Wolf gemacht. Eine andere ein Brettspiel für die Krippe zum Thema Regenwurm. Die nächste einen Comic über eine Banane, der Lebensmittelverschwendung thematisiert hat.

Wichtige Voraussetzungen

In erster Linie solltest du gerne mit Kindern bzw. Jugendlichen arbeiten wollen. Dir sollte bewusst sein, dass du in Kontakt mit den Eltern kommst. Ansonsten sind Kreativität, Kooperationsbereitschaft und Offenheit erwünscht. In den meisten Bundesländern benötigst du einen mittleren Schulabschluss. Achtung: Hier gibt es deutschlandweit Unterschiede! Informationen dazu erhältst du bei den Schulen.

Kind auf Baum

Voraussetzung: Mit Kindern arbeiten wollen (© 2019 Pixabay)

Abgekürzt – schneller zum Abschluss Erzieher

Die Erzieherausbildung kann man zum Beispiel mit einem Abitur verkürzen. Man überspringt das erste Jahr des Sozialpädagogische Seminars und braucht insgesamt vier Jahre bis zum Abschluss.

Alternativ kann man mit einer fertigen Ausbildung im Sozialen Bereich direkt in den Erzieher einsteigen. Das ist in jedem Bundesland ein bisschen anders geregelt, ich kann jetzt nur von Bayern sprechen.

Hier kann man sich bewerben

Um einen Ausbildungsplatz zu erhalten, müsst ihr euch frühzeitig an einer Fachakademie für Sozialpädagogik bewerben. Marie empfiehlt euch, die Bewerbung rechtzeitig einzureichen, da die Ausbildungsplätze begrenzt sind.

Die genaueren Bewerbungsanforderungen für die Erzieherausbildung findet man auf der Homepage der Fachakademien.

Wie kann man die Ausbildung finanzieren?

In der Regel ist die Erzieherausbildung kaum bis gar nicht vergütet, weshalb die Auszubildenden in den meisten Fällen auf die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern angewiesen sind.

Erst im letzten Jahr, in dem wir wieder arbeiten, verdienen wir dann ungefähr ein Kinderpflegergehalt.

Es gibt Hoffnung. An verschiedenen Orten in Deutschland werden erste Pilotprojekte getestet, bei denen die angehenden Erzieher und Erzieherinnen während der kompletten Ausbildung Gehalt erhalten.

Schüler-BAföG und Aufstiegs-BAföG für den*die Erzieher*in

Kita Erzieher Erzieherin

Kindertagesstätte (Foto: privat)

Um die Ausbildung finanzieren zu können, beantragen viele BAföG. Ausgeschrieben heißt es Bundesausbildungsförderungsgesetz. Es regelt die staatliche, finanzielle Unterstützung von Schülern, Schülerinnen, Auszubildenden und Studierenden.

  • Schüler-BAföG: Die Förderung ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Darunter fallen unter anderem die Notwendigkeit einer eigenen Unterkunft und vorhandene Berufsausbildungen. Es handelt sich um einen Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss.
  • Aufstiegs-BAföG: Diese Förderung ist mit mehreren Faktoren verknüpft. In dem meisten Fällen ist eine abgeschlossene Erstausbildung Voraussetzungen. Nähere Informationen dazu findest auf der Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Marie erhält das Aufstiegs-Bafög.

Nebenbei verdiene ich mir etwas dazu, indem ich eine Zweijährige mit Down-Syndrom betreue. Da ich dank SPS schon Kinderpflegerin bin, stehen mir viele Möglichkeiten offen, die mir in der Ausbildung und später im Beruf helfen.

Männer, habt keine Angst vor dieser Ausbildung!

In Maries Klasse an der Fachakademie für Sozialpädagogik sind immerhin fünf Schüler von insgesamt 20 Personen. Tendenz steigend.

Fast perfekt

Marie hat mit der Ausbildung zur Erzieherin ihren Traumberuf gefunden. Es gibt nur eine Kleinigkeit, die sie dringend ändern würde.

Ich würde mir eine Ausbildungsvergütung wünschen, sodass man nicht mehr aufs Bafög angewiesen ist. Das schreckt viele bei insgesamt fünf Jahren Ausbildung ab. Dabei ist es ein wirklich toller Beruf.


Das vollständige Interview mit Marie zu ihrer Ausbildung findest du auch bei uns.


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Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach studiert und beginne in Kürze meinen Master. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

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