Interview: Private Schauspielschule

Du träumst von der großen Bühne oder möchtest Star in deiner Lieblingsserie werden? Du brennst für Theater und Film? Du möchtest Schauspieler bzw. Schauspielerin werden und an einer Schauspielschule studieren? Wir haben uns mit Alina getroffen, die uns im Interview über ihre Erfahrungen an einer privaten Schauspielschule berichtet.

Wo befindest du dich gerade in deiner Ausbildung?

Selina

Unsere Interviewpartnerin Alina (Foto: privat)

Ich beginne gerade das zweite von insgesamt drei Jahren Grundausbildung. Nach Belieben kann man noch ein weiteres  Theaterjahr oder die Masterclass dranhängen. In diesem Jahr arbeitet man viel auf einer Bühne und lernt alles, was man zum Vorsprechen auf der Bühne benötigt. Dazu gehören zum Beispiel klassische Monologe.

Gab es einen Moment, in dem du dich bewusst für die Schauspielerei entschieden hast?

Nicht direkt. Ich habe lange damit geliebäugelt, doch hielt es für unmöglich, diesen Traum zu verwirklichen. Jedoch interessierte mich nichts im gleichen Maße wie die Schauspielerei. Als meine Eltern meinen Traum als nicht komplett abwegig einstuften, traf ich die Entscheidung: Ich wusste: Es ist das, was ich machen will und dass ich es schaffen kann. Ich denke, das war der entscheidende Moment.

Wie ist eure Ausbildung an der privaten Schauspielschule aufgebaut?

Unsere private Schauspielschule bietet Blockunterricht an. Das heißt es gibt Blöcke, in denen wir Schauspielunterricht haben, die überwiegend praktisch sind und in denen wir gleichzeitig Nebenfächer haben. Diese Blöcke behandeln unterschiedliche Themen.

Theateraufführung

Aufführungen gehören zur Schauspieler-Ausbildung dazu.

Da es eine Meisner Ausbildung ist, haben wir vier große Blöcke Meisner Training in den drei Jahren. Zusätzlich lernen wir andere Techniken kennen, wie beispielsweise Stasberg oder Checov. Diese sind aber nur einen Block lang. Nach jedem dieser Blöcke folgt ein Block mit Szenenproben oder Drehs. Währenddessen hat man Zeit Szenen zu proben, wobei sich das aus Eigenarbeit und Proben mit einem Dozenten zusammensetzt. Währenddessen hat man keine Nebenfächer und kann umsetzen, was man im vorherigen Block gelernt hat.

Am Ende gibt es meistens einen Dreh oder eine Aufführung. Am Ende des ersten Jahres haben wir als Jahresabschlussprüfung eigenständig in Kleingruppen gearbeitet, eigene Stücke zu einem groben Überthema geschrieben und aufgeführt. Im zweiten Jahr gibt es eigenständige Arbeiten an Monologen zum Jahresende. Im dritten Jahr dreht man Demobandszenen, die man am Ende seiner Ausbildung für zukünftige Bewerbungen verwenden kann.

Welche Seminare und Kurse belegst du?

Es gibt keine Wahlmöglichkeiten, da wir einen festen Stundenplan vorgelegt bekommen. Wir haben Schauspiel, Stimme, Gesang, Tanz, Körpertraining/Sport, Deutsch und Sozialkunde.

Was ist das Ziel deiner Ausbildung?

Verschiedene Techniken zu erlernen, mit denen ich später arbeiten kann und eine Qualifikation zu haben, mit der ich mich bewerben kann.

Willst du nach deinem Schulabschluss zum Film oder ans Theater?

Theaterbühne

Auf der Bühne hat man nur einen Versuch.

Ich bin hin- und hergerissen. Beides hat seinen Charme und es fällt mir schwer, mich für eines zu entscheiden. Ich stehe gerne auf einer Bühne. Es ist spannend, nur einen Versuch zu haben, die Publikumsreaktionen mitzubekommen und am Ende den Applaus zu hören. Das ist ein tolles Gefühl.

Gleichzeitig ist es unheimlich faszinierend wie viele Nuancen man im Film erkennen kann. Man sieht Kleinigkeiten, die auf einer Bühne untergehen. Außerdem denke ich, dass es gut ist, sich nicht festzulegen. Voraussichtlich werde ich später nicht die große Auswahl haben, bin somit aber freier und habe mehr Möglichkeiten.

Darüber hinaus finde ich das Berufsfeld des (Synchron-)Sprechers wahnsinnig interessant und könnte mir ebenso vorstellen, dort zu arbeiten.

Was sind die Unterschiede zwischen Schauspiel im Film und Schauspiel im Theater?

Ich denke, diese Frage kann ich erst am Ende meiner Ausbildung beantworten. Bisher stand ich einmal vor einer Kamera in der Schule. Damals haben wir alles ausprobieren dürfen. Wir haben uns frei vor der Kamera bewegt. Ziel war es, zu verstehen, wie zum Beispiel eine Bewegung am Ende auf dem Bildschirm wirkt.

Später werden wir noch Camera Acting haben. In diesem Kurs lernen wir dann, was man alles bei einem Dreh als Schauspieler*in vor der Kamera beachten muss.

Was sich sagen lässt: Die Größe und Menge von Bewegungen vor einer Kamera sind viel minimaler als auf einer Bühne.

Wie kann man sich an der Schauspielschule bewerben?

An den meisten Schauspielschulen muss man klassisch vorsprechen, indem man Monologe vorbereitet und diese vor einer Jury vorträgt. An meiner gibt es ein anderes Bewerbungsverfahren.

Beim Bewerbertag an der Schauspielschule prüft eine Jury die Eignung der Bewerber*innen.

Hierbei meldet man sich über die Homepage zu einem Bewerbertag an. Bei mir war es ein ganzes Wochenende, weil wir verhältnismäßig viele Bewerberinnen und Bewerber waren. Dort hat man die Dozenten ein bisschen kennengelernt, man hat ein Einzelgespräch geführt und es wurde ein bisschen mit einem gearbeitet. Sie haben sich Zeit genommen, um herauszufinden ob man geeignet ist und ob man an die Schule passt. Andersherum konnte man sich überlegen, ob es das Richtige ist oder ob man sich etwas anderes vorgestellt hat.

Nach einer Woche hat man telefonisch eine Rückmeldung bekommen. Bei einer Zusage kam der Vertrag per Post und man hat die restlichen Unterlagen zugesendet.

Wie hoch sind die Gebühren der Schule?

Ich bezahle 425€ im Monat über die drei Jahre, sprich 36 Monate, hinweg. Am Anfang habe ich eine Anzahlung über 2.500€ geleistet. Für das Theaterjahr sind es nochmal zusätzlich 4.800€.

Wie finanzierst du deine Ausbildung an der Schauspielschule?

Kellner mit Tablett voller Gläser

Kellnern ist eine gute Möglichkeit, die Ausbildung an der Schauspielschule zu finanzieren.

Ich habe im Jahr nach der Schule viel gearbeitet. Das Geld habe ich für die Ausbildung zurückgelegt, versuche aber, es nicht anzugreifen. Ich möchte Rücklagen haben, falls ich zeitweise nicht arbeiten kann, weil ich mich zu sehr auf die Schule konzentrieren muss. Ansonsten gehe ich nebenbei kellnern und trage Zeitungen aus.

In den Ferien arbeite ich zusätzlich in einem kreativen Kinderferienprogramm mit. Meine Eltern unterstützen mich, indem sie meine Fahrtkosten übernehmen und ich weiterhin zu Hause wohne – zumindest im Moment.

Du bekommst sicher oft zu hören, wie unsicher die Schauspielerei in finanzieller Hinsicht ist. Was entgegnest du?

Ich erkläre immer, dass mir das bewusst ist, ich aber trotzdem diesen Weg gehen möchte. Ich bin noch jung: Wenn es nicht funktioniert und ich von der Schauspielerei nicht leben kann, kann ich eine weitere Ausbildung machen oder studieren. Dann kann ich mit dem Gedanken leben, dass ich es zumindest versucht habe.

Meine Qualifikation kann mir keiner mehr nehmen. Selbst wenn ich dann meinen Lebensunterhalt mit etwas anderem verdiene, muss ich mich währenddessen nicht die ganze Zeit fragen: Was wäre, wenn ich es doch gewagt hätte?

Was würdest du allen raten, die davon träumen, Schauspieler*in zu werden?

Ich würde ihnen raten, dass sie es sich gut überlegen sollen. Ich finde, dass es keine Entscheidung ist, die man leichtfertig treffen sollte. Aber wenn es das ist, was man von ganzem Herzen möchte, kann ich nur raten: Probiert es! Sonst werdet ihr euch ewig fragen, was gewesen wäre, wenn ihr euch getraut hättet.

Alles, was passieren kann, ist, dass ihr feststellt, dass es nicht das Richtige für euch ist. Vielleicht bemerkt ihr, dass ihr in keinem so unsicheren Bereich tätig sein wollt. Das ist dann eben so und ihr seid wieder ein bisschen schlauer.

Ich denke, jede*r, die*der Schauspiel studieren will und davon träumt, sollte sich informieren, welche unterschiedlichen Ausbildungsstätten und Richtungen es gibt. Auf diese Weise kann man sich am besten entscheiden, was einem als richtig erscheint.

Würdest du im Nachhinein an deiner bisherigen Laufbahn etwas ändern?

Definitiv nein. Ich denke, dass es genau richtig gelaufen ist. Das Jahr nach dem Abitur hat mir gut getan und es entspannt mich zu wissen, dass ich Rücklagen habe. Ich konnte in dieser Zeit Erfahrungen in der Gastro sammeln und verdiene inzwischen besser. Dadurch kann ich ein oder zwei Stunden die Woche in der Schulzeit weniger arbeiten.

Auch meine ehrenamtlichen Tätigkeiten während des Jahres werden mir niemals schaden. Wer weiß, ob ich es durchgezogen hätte, wenn sich dieser Wunsch nicht verstärkt in diesem Jahr gefestigt hätte.


Wir danken Alina für das offene Interview und wünschen ihr viel Erfolg für ihre Karriere als Schauspielerin!


Ein zusammenfassender Beitrag zum Thema Private Schauspielschule erscheint in Kürze.


Theater- und Medienwissenschaft: Wissenschaft und Praxis

Interview: Ausbildung Erzieher*in (staatlich geprüft)

Nicole

Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik als Zweitfach in Erlangen studiert und bin nun für den Master in Tübingen gelandet. Da ich sehr gut weiß, wie schwierig Entscheidungen nach dem Abitur sein können, blogge ich am liebsten über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.