Wie die Bilder laufen lernten – Filmgeschichte (1/5)

Wer in der heutigen Zeit aufwächst, wird den Film kaum als etwas Besonderes kennen lernen. Tausende neue Spielfilme kommen jedes Jahr ins Kino und im Internet werden pro Minute über 400 Stunden (!) Videomaterial hochgeladen. Entsprechend ist es nur schwer vorstellbar, dass dieses Medium Generationen vor uns noch den Atem raubte. Wer der einstigen Magie des Kinos auch heute noch etwas abgewinnen kann, ist eingeladen mitzukommen auf eine Reise durch die faszinierende Geschichte des Bewegtbildes.

Die Anfänge (bis 1895)

Camera Obscura

Camera Obscura

Camera Obscura

Das Prinzip der Projektion ist schon seit dem 4. Jahrhundert bekannt. Wenn Licht durch ein kleines Loch in einen dunklen Raum fällt, wird das Bild umgedreht wiedergegeben. Dieses Phänomen wird, seit dem 10. Jahrhundert, mithilfe der Camera Obscura (lat. für Dunkelkammer), ausgenutzt. Dieselbe Technik kommt in der Lochkamera, die von Wissenschaftlern und Künstlern genutzt wurde, in tragbarer Form zum Einsatz. Aber auch zur Unterhaltung wurde diese Erfindung bereits verwendet.

 

Laterna Magica

Einen weiterer Meilenstein des technischen Fortschrittes bildet die sogenannte Zauberlaterne Laterna Magica. Bereits im 17. Jahrhundert konnte man mithilfe dieser Technik ein auf Glas gemaltes Bild projizieren. Genutzt wird dazu ein Kasten, in dem mithilfe einer Lichtquelle, die von Spiegeln verstärkt wird, ein Bild durch eine Linse auf eine (Lein-)Wand projiziert wird. Auch Bildwechsel und -bewegungen waren möglich.

Laterna Magica

Laterna Magica 

Das erste Foto

Erstes Foto: Blick aus dem Arbeitszimmer

Blick aus dem Arbeitszimmer – Joseph Niépce (1826)

Im frühen 19. Jahrhundert gelang es dem französischen Erfinder Joseph Niépce erstmals, ein permanentes Bild mithilfe einer Camera Obscura und der Heliographie aufzunehmen. Bei dieser Technik wird eine Zinnplatte mit Asphalt beschichtet, die folglich durch Lichteinwirkung gehärtet wird. Die Belichtungszeit betrug acht (!) Stunden.

 

 

Das bewegte Bild

Phenakistiskop

Phenakistiskop – Eadweard Muybridge (1893)

Bereits 1832 nutzt das Lebensrad (Phenakistiskop) den stroboskopischen Effekt aus. Durch die schnelle Abfolge von Einzelbildern entsteht die Illusion von Bewegung. Einige Jahre später wurden Heliographie und Stroboskopie im Nebelbildapparat kombiniert.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Fotografie kontinuierlich verbessert. So gelang es 1872 erstmals Serienfotografien anzufertigen. In der Regel erzeugen bei Kinofilmen seit den 1920er Jahren 24 Bilder pro Sekunde ein „bewegtes Bild“.

Serienfotografie

Serienfotografie – Eadweard Muybridge (1872)

Der erste Film

1888 sollte zum Geburtsjahr der Filmgeschichte werden. Mit Hilfe einer neuen Kamera mit nur einem Objektiv gelang es Louis Le Prince, mit der Roundhay Garden Scene den ersten Film überhaupt zu drehen. In diesem Jahr wurden Belichtungszeiten erstmals auf unter 30 Sekunden gesenkt und Nitrozellulose als neues Fotomaterial gewonnen. So wurde die Fotografie massentauglich. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden neue Projektoren, die den Siegeszug des Films einläuteten.

Film: Roundhay Garden Scene

Roundhay Garden Scene – Louis Le Prince (1888)

Die Stummfilmära (bis ca. 1930)

Die Geburtsstunde des Kinos

Kinematograph

Kinematograph

Die erste Filmvorführung vor zahlendem Publikum fand 1895 in Berlin statt. Gezeigt wurden neun etwa eine Minute lange Kurzfilme mithilfe eines Projektors (Bioskop) der Brüder Skladanowsky. Die Idee des Kinos war geboren. Durchgesetzt hat sich auf dem technischen Gebiet allerdings der Kinematograph der Brüder Lumière. Dieser vereinte Kamera und Projektor in einem Gerät und feierte seine Premiere im selben Jahr in Paris. Für die Erfinder war Film allerdings nur eine Art erweiterte Fotografie.

Georges Méliès macht die drei Pioniere des Kinos komplett. Er erkannte vor allen anderen das Potential des Films für dramaturgisch inszenierte Erzählungen und entwickelte erste Filmtricks wie das Stop-Motion-Verfahren.

Film: Die Reise zum Mond

Die Reise zum Mond – Georges Méliès (1902)

Sein Film Die Reise zum Mond aus dem Jahre 1902 gilt als Wegweisend für Spezialeffekte.

Die ersten erfolgreichen Filmgesellschaften kamen ebenfalls aus Frankreich. Jedoch wurde ab 1910 der Grundstein für die Traumfabrik Hollywood in den USA gelegt.

Auch der deutsche Film war damals am Zahn der Zeit. Das Studio Babelsberg in Potsdam (ab 1914) war das erste große Filmstudio weltweit. Die ursprünglich zur Weltkriegspropaganda gegründete UfA Filmgesellschaft stand in direkter Konkurrenz zum Giganten aus Kalifornien.

Hollywood

Hollywood Schriftzug

Inhaltliche Wegweiser

Anfänglich war in den USA Slapstick Comedy beliebt beim Publikum. Die größten Stars dieser Filme waren Charlie Chaplin und Buster Keaton. Daneben wurde auch das Potential von aufwendig produzierten Monumentalfilmen erkannt. Hier konnte vor allem D.W. Griffith herausstechen mit Filmen wie Die Geburt einer Nation und Intoleranz.

Film: Intoleranz

Szenenbild aus Intoleranz – D.W. Griffith (1916)

Der deutsche Film stand damals übrigens ganz im Zeichen von Avantgarde und Expressionismus. Zu den bedeutendsten deutschen Filmschaffenden dieser Zeit zählen Fritz Lang (Metropolis, Dr. Mabuse), F.W. Murnau (Nosferatu, Der letzte Mann, Sonnenaufgang) oder Robert Wiene (Das Cabinet des Dr. Caligari).

Eine weitere bedeutende Filmtechnik entstand in Russland unter anderem durch Meisterregisseur Sergej Eisenstein. Bei der Montagetechnik werden Begriffe in Bildsprache „übersetzt.“ Sein wichtigster Film ist Panzerkreuzer Potemkin. Ebenfalls aus der Richtung des sowjetischen Realismus ist Der Mann mit der Kamera von Dsiga Wertow.

Die Passion der Jungfrau von Orléans von Carl Theodor Dreyer gilt ebenfalls als Meilenstein der Stummfilmgeschichte.

 

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Bilder: Gemeinfrei

Martin

Ich bin Werkstudent beim STARK Verlag. Neues lernen kann unglaublich spannend sein. Ich blogge auf schultrainer.de, um eure Neugier auf Trab zu halten.

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